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Frankfurter Flughafen

Umweltpfarrer Oeser wollte «immer anständig» für seine Sache streiten

(bo/ddp-hes). Als «Startbahnpfarrer» wurde Kurt Oeser in der Auseinandersetzung um die Startbahn West des Frankfurter Flughafens bundesweit bekannt. Nun erscheint über das Leben und Wirken des vor knapp einem Jahr gestorbenen ersten deutschen «Umweltpfarrers» ein Sammelband.

Die Historikerin der Stadt Mörfelden-Walldorf, Cornelia Rühlig, hat das Buchprojekt geleitet und Oeser bei ihren Recherchen als Menschen kennengelernt, «der zwar für seine Sache streiten wollte, dabei aber immer anständig geblieben ist und den Ton gewahrt hat», sagte sie am Freitag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp.

Schon in den 1960er Jahren als evangelischer Gemeindepfarrer im
flughafennahen Mörfelden-Walldorf hat sich Oeser laut Rühlig gegen
den Flughafen Frankfurt gestemmt. Er gründete die Bürgerinitiative
gegen Fluglärm, «in einer Zeit, in der bei den Menschen eine große
Technikfaszination herrschte», sagte die Historikerin. Kurt Oeser sei
durchaus ein moderner Mensch gewesen, für seine Überzeugung sei er
aber auch bereit gewesen, «sich zwischen alle Stühle zu setzen»,
sagte Rühlig: «Das macht ihn zu einem vorbildlichen Menschen.»

Oeser habe nie versucht, anderen seine Meinung aufzuzwingen,
sondern «die Menschen in Debatten zu überzeugen und mitzunehmen»,
sagte Rühlig. Als Oeser bemerkt habe, dass sein Anliegen regional
nicht zu lösen war, habe er 1965 die Bundesvereinigung und 1968 die
Europäische Vereinigung gegen Fluglärm gegründet. 1971 schließlich
sei Oeser wegen seines beispielhaften Einsatzes für die Umwelt zum
ersten Umweltpfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
ernannt worden. 1972 habe ihn dann außerdem noch die Evangelische
Kirche in Deutschland (EKD) zu ihrem Umweltbeauftragten gemacht.

Oeser habe durch seine moderierende Art - er vermittelte 1997 bei
der Flughafenerweiterung als Mediator zwischen den Streitparteien -
auf allen Seiten Anerkennung erfahren. Ex-Bundesumweltminister Klaus
Töpfer (CDU) schreibt laut Rühlig in seinem Buchbeitrag, Oeser sei
immer «gute Medizin gegen Müdigkeit und Resignation» gewesen. Am 22.
September 2008 wäre Kurt Oeser 80 Jahre alt geworden.

(rheinmain)


 


 

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