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„Und Gott chillte“

(ots/bo) Weit über zwanzig Millionen Menschen sind hierzulande evangelisch - eine Mega-"Community". Ab heute kann sich diese Riesengemeinschaft der Gläubigen und auch der Nichtganzso-Gläubigen auf einer Internet-Plattform austauschen, die von einem kleinen Team im Frankfurter Mertonviertel wahrlich aus dem Nichts erschaffen wurde: evangelisch.de

Am Anfang war der Tweet. Noch bevor das neue Online-Portal tatsächlich online war, hatte es schon einen Guinness-Rekord zu vermelden: Die ganze Bibel in vielen tausend Kurzmitteilungen "getwittert" - das war der erste Schöpfungsakt von Melanie Huber und ihrem kleinen Team. Seit Jahresbeginn bauen rund zehn Redakteure und Techniker im Frankfurter Norden das erste religiöse Nachrichten-Mitmach-Seelsorge-Internetprojekt der Welt zusammen, und eine der ersten Ideen war die "Bibel in 140 Zeichen" - Web 2.0 auf christlich. Die Tweets liegen mittlerweile ausgedruckt vor, auf der Frankfurter Buchmesse stellt "evangelisch.de" ganz Internet-untypisch gleich sein erstes Buch vor - mit dem 7. Schöpfungstag als Twitter- Titel: "Und Gott chillte."

Umgeben von Wirtschaftsmacht

Die Evangelische Kirche Deutschlands finanziert das Online-Portal mit immerhin einer Million Euro jährlich, nimmt aber inhaltlich keinen Einfluss. Im Gegenteil: Bewusst ist die Redaktion im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Presse im Frankfurter Mertonviertel untergebracht, der nächste Kirchturm ist weit. Internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaften "umringen" die Redaktion, die " BaFin " (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) ist direkte Nachbarin, Telekom und Celanese sitzen hier. Große Wirtschaft also, die sich - kritisch beleuchtet - auf der Startseite des Portals wiederfindet. "Wir sind ein publizistisches Produkt und publizistisch unabhängig", sagt Melanie Huber, und wenn man sich die Themen ansieht, bemerkt man diese Unabhängigkeit von der Bischofskirche auch.

Die protestantische Würze in den Geschichten

Die Leute zum Denken zu bringen, das ist der aufklärerische Ansatz, der für eine Glaubens-Website eher überraschend ist. "Wir interessieren uns für die Geschichte hinter der Geschichte, suchen die evangelische Würze darin", sagt Melanie Huber. "Was passiert da draußen in der Welt" eigentlich, und viel wichtiger: Was bedeutet das für das Land, die Menschen, für jeden Einzelnen? Für die Wehrpflichtigen etwa. "Kussverbot für 13.000 Soldaten" ist ein Artikel überschrieben, der die besonderen militärischen Schutzmaßnahmen gegen das Schweinegrippevirus in den Fokus nimmt. Oder es werden jene Fans Michael Jacksons, die an den Tod des "King of Pop" partout nicht glauben wollen, psychologisch genauer analysiert.

Freund in der Wirrnis des Lebens

Aber auch dem, was das Leben liebenswert macht, nähert sich "evangelisch.de" mit der Kraft des Wortes. Dem kleinen und dem großen "Glück" etwa: die private Wiederentdeckung des eigenen Kräutergärtchens und die nach zehn Jahren wiederentdeckte große Liebe . Vordergründig sind diese Themen ohne Bibelbezug. Mittelbar sind sie aber eminent religiös, weil sie sich mit den Wirrnissen wie den Freuden des Lebens in einer unübersichtlich gewordenen globalisierten Welt auseinandersetzen. "Wir versuchen, Verunsicherungen zu lösen - mit werthaltigen Informationen", erläutert Melanie Huber den journalistisch-seelsorgerischen Ansatz. "Wir verstehen uns als Freund."

Community statt Nachrichtenportal

Ein Freund, der von der Hamburger Designerin Claudia Fischer-Apelt einen kühl-schicken Look verpasst bekommen hat und wie ein Nachrichtenportal aussieht - ohne aber der Tagesaktualität hinterzuhecheln. Die größere Stärke der Internetseite ist ohnehin ihre "Community"-Funktion. Angemeldete User sollen sich über die angebotenen Nachrichten intensiv austauschen, sich eine eigene Meinung bilden - und die Redaktion greift ihrerseits die Themen auf, die in der "Community" heiß diskutiert werden; die jüngsten Landtagswahlergebnisse in Sachsen beispielsweise: "Der User merkt schnell, ob ihm zugehört wird", sagt Community-Manager Tom Noeding. Hochzeit, Taufe, Konfirmation - die "Kasualien" im Leben eine s Protestanten bekommen ebenfalls breiten Raum auf dem Portal. So kann ein Video von der eigenen Hochzeit hochgeladen und ein Blog über die frühkindliche Bildung des Nachwuchses gestartet werden. Das eigene Leben bildet sich so virtuell ab. Auch die typischen Dinge, die ein Protestant wissen muss, sind hier nachzulesen, etwa: Wer kann Pate werden? Und die Positionen der Evangelischen Kirche liefert evangelisch.de selbstverständlich ebenfalls mit.

Alter Kirchenstandort reloaded

Dass evangelisch.de in Frankfurt sitzt, ist Fügung im Zufall: Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, unter dessen Dach das Portal geschlüpft ist, ist seit den Zeiten seines Gründers Robert Geisendörfer fest in der Mainmetropole verankert - mit allen Vorteilen der zentralen Lage. "Hier bündeln sich viele Kompetenzen", sagt Melanie Huber, die in Frankfurt den zentralen digitalen Me-dienpool aller Landeskirchen ansiedeln will. So wie zu Jahresanfang schon evangelisch.de selbst völlig aus dem Nichts neu in Frankfurt erschaffen wurde: Ein komplett neues Team, komplett neue Technik, komplett neue Ideen. Heute geht der community-Bereich des Portals online, das gesamte Angebot von evangelisch.d e startet am 24. September und am 30. September erhält das Portal seine höheren Weihen durch einen Gottesdienst - ausdrücklich in Frankfurt, das ist Melanie Huber wichtig, soll das einzigartige Projekt starten. Um 18 Uhr beginnt der Gottesdienst zum Start des Portals in der Heiliggeistkirche.

Quelle: Stadt Frankfurt

(Redaktion)


 


 

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