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Offene Stellen

Unternehmen suchen Auszubildende im IT-Bereich und in der Gastronomie

(bo/dapd) Für die Jugendlichen auf der Suche nach einer Lehrstelle ist die Situation in Hessen so gut wie lange nicht: Zum Start des Ausbildungsjahres am Montag (1. August) ist noch fast ein Drittel aller Plätze unbesetzt. Von den bisher gemeldeten 34.700 Lehrstellen waren laut Arbeitsagentur Ende Juli 10.338 nicht vergeben.

Gleichzeitig suchen aber noch fast genauso viele Jugendliche einen Ausbildungsplatz. In beliebten Berufen wie der Medienbranche sind alle Stellen allerdings schon lange vergeben.

Im Vergleich zum Vorjahr stockten die Unternehmen die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich auf. "Bei den Betrieben hat sich herumgesprochen, dass es eine demografische Entwicklung gibt", sagt Charlotte Venema, zuständig für betriebliche Bildung bei der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU). Da die wirtschaftliche Lage derzeit gut sei, böten viele Betriebe mehr Plätze an, um den Bedarf an Fachkräften für die nächsten Jahre zu sichern. "Die Frage ist nur, wie viele geeignete Bewerber es gibt".

Besonders in Frankfurt noch viele Stellen frei

Denn trotz der mehr als 10.000 noch unbesetzten Stellen sind laut Agentur für Arbeit in Hessen noch 10.900 Jugendliche auf der Suche - rein statistisch gibt es also für fast jeden eine Lehrstelle. Allerdings suchen die Schulabgänger nach Ansicht der Arbeitgeber oftmals falsch. Nach Angaben von Dirk Kornau, Sprecher des hessischen Handwerkstags, bleiben Plätze unbesetzt, weil die Jugendlichen sich bei der Suche zu sehr auf eine Region beschränken. Auch die fehlende Qualifikation oder mangelnde soziale Kompetenz der Bewerber spielten eine große Rolle.

Besonders in Frankfurt am Main und Fulda wird noch dringend nach Auszubildenden gesucht. In Frankfurt kommen laut Industrie- und Handelskammer (IHK) auf einen Bewerber 1,3 Lehrstellen. Im vergangenen Jahr blieben dort den Angaben zufolge 2.000 Plätze unbesetzt, weil sich keine geeigneten Kandidaten fanden.

Hotelgewerbe ist unbeliebt

Noch gesucht werden laut IHK beispielsweise Lehrlinge im IT-Bereich und in der Metall- und Elektroindustrie. Auch in Gastronomie und Einzelhandel sind demnach noch Plätze unbesetzt. Das Problem seien das nicht so gute Image der Branchen sowie die Arbeitszeiten, sagt Brigitte Scheuerle, zuständig für die berufliche Bildung in der IHK. Gerade in diesen Branchen würden aber die meisten Lehrlinge gesucht.

Der Ausbildungsexperte des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hessen-Thüringen, Matthias Körner, betont, an ihrem schlechten Image seien die Unternehmen der Hotel- und Gaststättenbranche nicht ganz unschuldig. Eine Umfrage unter den Auszubildenden habe gezeigt, dass diese dort im Vergleich besonders unzufrieden mit ihre Lehre seien, oft Überstunden machen müssten und auch nicht so oft übernommen würden. Das spreche dafür, dass die Betriebe ihre Lehrlinge teilweise als günstige Arbeitskraft ausnutzten.

Soziale Kompetenz wird wichtiger

Allerdings wird nicht mehr in allen Branchen nach Lehrlingen gesucht. Der IHK zufolge sind Berufe in der Medienbranche sehr gefragt. Dort sei kein Ausbildungsplatz mehr frei. Die Kammer beklagt, dass vor allem Mädchen einen viel zu engen Fokus bei ihrer Berufswahl hätten und oft nur zwischen einigen wenigen Ausbildungen wählten.

Weil die Unternehmen mehr Jugendliche ausbilden wollen, ändern sich teilweise die Anforderungen an die Bewerber. Scheuerle zufolge schauten die Betriebe früher oftmals nur nach dem Schulabschluss und der Note. Heute müssten die Kandidaten zuverlässig und höflich sein und über ausreichend soziale Kompetenz verfügen. Die fehlenden Kenntnisse zum Beispiel in Mathematik würden dann während der Lehrzeit nachgeholt.

Der Ausbildungsexperte der Gewerkschaft betont jedoch: "Der Markt wird von der Bestenauslese bestimmt." Die Noten seien immer noch ein sehr wichtiges Kriterium.

Neben den Schulabgängern aus diesem Jahr sind jedoch auch noch Jugendliche auf der Suche nach einer Stelle, die in den vergangenen Jahren leer ausgingen. Laut DGB sind sie ein Grund für die hohe Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen. Körner fordert deshalb, dass auch diese vom Aufschwung profitieren müssten. "Die Spielräume, die es jetzt gibt, sollten genutzt werden", sagt er. Mit den Schulabgängern dieses Jahres allein könnten die Unternehmen den anstehende Fachkräftebedarf nicht decken.

(dapd-hes)


 


 

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