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Unwort des Jahres

Sprachlicher Tiefpunkt «betriebsratsverseucht»

(bo/ddp-hes). Das Unwort das Jahres 2009 heißt «betriebsratsverseucht». Die Formulierung sei ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit lohnabhängig Beschäftigten, begründete die Jury um den Universitätsprofessor Horst Dieter Schlosser am Dienstag in Frankfurt am Main ihre Entscheidung.

Das Gremium kritisierte außerdem die Formulierung «Flüchtlingsbekämpfung», die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einem Bürgerforum der Bertelsmann- Stiftung benutzt hatte.

 Als «betriebsratsverseucht» hatten Abteilungsleiter einer Baumarktkette in einem Bericht der ARD-Sendung «Monitor» im Mai vergangenen Jahres solche Kollegen bezeichnet, die von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wollen. Diese als Warnung vor den neuen Kollegen gemeinte Bezeichnung könne verhindern, dass die Mitarbeiter überhaupt in der neuen Geschäftsstelle übernommen würden.

 «Betriebsratsverseucht» sei bei den Jurymitgliedern einhellig als Unwort beurteilt worden, sagte Schlosser. Der von Merkel gebrauchte Begriff «Flüchtlingsbekämpfung» sei sprachlich ein «dramatischer Fehlgriff», betonte Schlosser weiter. Es sei zu hoffen, dass «damit nicht tatsächlich militärische Aktionen gemeint sind». Eine Menschengruppe dürfe nicht mit einem zu bekämpfenden Sachverhalt gleichgesetzt werden.

Merkel habe damit einen Teil des deutschen Beitrags zum Migrationsproblem bezeichnet. Ein Sprecher der Bertelsmann-Stiftung bestätigte am Dienstag, dass im Gespräch mit Teilnehmern einer Europa-Veranstaltung der Ausdruck «Flüchtlingsbekämpfung» von der Kanzlerin zu hören gewesen sei. Nach seinem Eindruck habe es sich dabei eindeutig um einen Versprecher Merkels gehandelt.

Die unabhängige, sechsköpfige Jury, zumeist Sprachwissenschaftler, rügte auch den Begriff «intelligente Wirksysteme». Dieser werde «verschleiernd» von zwei Rüstungskonzernen für technologisch hochentwickelte Munitionsarten gebraucht. Die Formulierung erinnere jedoch nicht an das Kriegshandwerk, sondern an ein pharmazeutisches Unternehmen. Das «Unwort des Jahres» wurde zum 19. Mal bestimmt.

Herausgestellt werden Bezeichnungen, die - so die Vorgabe - «sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen». Geprüft werden Nennungen, die jedermann einreichen kann. Diesmal hätten sich 2018 Einsender mit 982 verschiedenen Vorschlägen beteiligt, sagte Schlosser.

 Meistgenanntes Wort sei «Wachstumsbeschleunigungsgesetz» gewesen. Es folgten Schweinegrippe, Schattenhaushalt und Abwrackprämie. Der Jury sei auch die Sprachschöpfung «merkeln» zugeschickt worden, sagte Schlosser. Der Einsender habe das Verb als «Unwort für Nichtstun» vorgeschlagen. Zeitgleich zum Unwort des Jahres wurde in Düsseldorf die Formulierung «Bad Bank» als «Börsen-Unwort» 2009 verkündet. Es sei für das Publikum schwer nachvollziehbar, «dass eine offenbar schlechte Bank eine weitere ' Bad Bank ' gründet und dies eine gute Lösung für die Probleme der Finanzkrise sein soll», zitierte Schlosser aus der Begründung. Auch die Tierrechtsorganisation PETA gab am Dienstag ihr Unwort 2009 bekannt. «Altkuhverwertung» sei der tierfeindlichste Begriff des vergangenen Jahres, da er die «Brutalität der Tierausbeutung» verharmlose.

(Quellen: Schlosser und Bertelsmann-Sprecher vor Journalisten; PETA in Mitteilung)

(ddp)


 


 

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