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Ende des Streiks in Sicht

Vacuumschmelze kehrt in Tarifbindung zurück

(bo/ddp-hes). Der Streik bei der Hanauer Vacuumschmelze (VAC) könnte bereits nach sechs Tagen wieder vorbei sein. Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, umgehend wieder in den Flächentarifvertrag einzutreten und Tariflöhne zu zahlen. Der Arbeitgeberverband Hessenmetall bestätigte die Rückkehr der VAC in die Tarifbindung. Grund für diese Kehrtwende war die Niederlage der VAC vor dem Frankfurter Landesarbeitsgericht. Die VAC wollte dort den Streik gerichtlich verbieten lassen. Die IG Metall begrüßte das Urteil und die Rückkehr in die Tarifbindung.

Hessens IG-Metall-Chef Armin Schild bezeichnete das Urteil als
«gute Entscheidung» für alle Arbeitnehmer im Land. Mit der Ablehnung
der Berufung vor Gericht habe «der Sozialstaat gegen die Heuschrecke
gewonnen». Die VAC-Geschäftsleitung griff er erneut scharf an. Es sei
«gespenstisch», was dort entschieden werde. Die gesamte Führungsriege
befinde sich «auf einer Geisterfahrt». Ob der Streik nun sofort
beendet werde, war am Mittwochnachmittag noch unklar. Dies müssten
Streikleitung und Geschäftsführung nun erst in Gesprächen klären,
sagte ein Gewerkschaftssprecher.

VAC-Geschäftsführer Hartmut Eisele sagte, die Streiks hätten der
Unternehmensleitung «jeglichen wirtschaftlichen Spielraum entzogen
und zwingen uns zu harten Einschnitten». Mit den «unverantwortlichen
Streikmaßnahmen» habe die IG Metall der von der Unternehmensleitung
angebotenen Beschäftigungsgarantie bis 2011 «den Boden entzogen». Die
für 2011 in Aussicht gestellte Lohnerhöhung von sechs Prozent plus
Einmalzahlung sei ebenfalls hinfällig. Außerdem sehe sich die VAC
gezwungen, am Standort Hanau Arbeitsplätze abzubauen.

Der Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler- Stiftung ,
Reinhard Bispinck, sprach von einem Beleg für eine
«erfolgversprechende Strategie» der IG Metall. Dies habe die hohe
Beteiligung bei Urabstimmung und Streik gezeigt, sagte er. Das
zweimalige Scheitern der VAC vor dem Arbeitsgericht zeige, dass es
«keinen Automatismus» gebe, der den Betrieben einen leichten Ausstieg
aus dem Tarifvertrag ermögliche.

Die Argumentation des Unternehmens, die hohen Tarifstandards seien
nicht finanzierbar, sei nicht überzeugend. Zwei Drittel der
Beschäftigten in Deutschland arbeiteten in tarifgebundenen
Unternehmen. Die deutsche Wirtschaft sei dennoch - oder gerade
deswegen - äußerst wettbewerbsfähig. Man könne also nicht sagen,
wirtschaftlicher Erfolg und Flächentarif seien ein «Gegensatzpaar».

Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender forderte die IG
Metall auf, den Streik unverzüglich zu beenden. Ihm liege die
Erklärung der VAC vor, in den Flächentarifvertrag zurückzukehren. Er
stelle «den Wiedereintritt hiermit ausdrücklich fest», sagte er. Mit
der Rückkehr in die Tarifbindung bestehe keine Rechtsgrundlage mehr
für einen Ausstand.

Die VAC war im Juni 2008 aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten.
Die Unternehmensleitung begründete ihre damalige Entscheidung damit,
die vorgesehenen Lohnerhöhungen für ihre rund 1500 Mitarbeiter in
Hanau nicht erwirtschaften zu können.

(rheinmain)


 


 

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