Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell News
Weitere Artikel
Rücktritt

Jung übernimmt Verantwortung für Altlasten

(bo/ddp-hes). Die Erklärung ist kurz, die Franz Josef Jung zum Ende seiner politischen Bundeskarriere abgibt.

Nicht einmal zwei Minuten dauert sie und zeigt: Der 60-jährige CDU-Politiker bleibt sich bis zum Schluss treu. Schaden abwenden wollen, für seine Arbeit einstehen, Fehler nicht sehen. Nur 30 Tage als Bundesarbeitsminister im Amt, wirft Jung am Freitag hin. Die «Altlasten» aus der Zeit als Verteidigungsminister haben ihn eingeholt.

Als Jung vor vier Jahren aus Hessen nach Berlin kam, sahen viele in ihm schon einen «Minister auf Abruf». Der CDU-Politiker galt gerade mal als «Platzhalter» für den damaligen und heutigen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Denn 2005 als Agrarminister gehandelt, wurde er überraschend zum Verteidigungsminister berufen - wegen der Parteiarithmetik nach dem Verzicht von CSU-Chef Edmund Stoiber auf einen Wechsel in die Bundeshauptstadt. Dafür musste der vormalige CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, der für das Wehrressort gehandelt wurde, das Wirtschaftsministerium übernehmen.

Jung, obschon er sich im politischen Berlin schnell freischwimmen konnte, fehlte als Verteidigungsminister das notwendige Quäntchen Glück. Kommunikationspannen prägten von Anfang an seinen Weg - vom Abschuss gekaperter Zivilflugzeuge («ich trete dann nicht zurück») bis zum Bundeswehreinsatz im Inneren. Merkel gab ihm dennoch eine zweite Chance. Im Arbeitsministerium werde Jung die notwendige Partnerschaft in der sozialen Marktwirtschaft «mit Leben erfüllen», meinte sie noch vor gut einem Monat. Dann kam die Kundus-Affäre.

Als «stur bis halsstarrig» bezeichnen ihn Weggefährten. Diesen Ruf bestätigt Jung am Freitag, als er zwar die «politische Verantwortung» für das Informationschaos nach dem Luftschlag von Kundus übernimmt, aber keine eigenen Fehler einräumt. «Ich habe sowohl die Öffentlichkeit als auch das Parlament über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet.» Das mag sogar stimmen, bringt ihm aber von Kritikern den Vorwurf ein, sein Haus nicht im Griff zu haben. Doch stellt sich Jung damit vor seinen ungeliebten Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, der schon am Donnerstag seinen Hut nehmen musste.

Überhaupt hat sich der hessische Christdemokrat und Rheingauer Winzersohn auf welchem Platz auch immer «seiner» Aufgabe verpflichtet gefühlt. So übernahm er im September 2000 die politische Verantwortung für die Schwarzgeldaffäre der Hessen-CDU und trat als Staatskanzleichef zurück. Nach der hessischen Landtagswahl 2003, die seine Partei mit absoluter Mehrheit gewann, machte ihn sein Weggefährte Roland Koch zum Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion. 2005 kam Jung als Bundesminister nach Berlin.

Geboren wurde Jung am 5. März 1949 und leistete nach dem Abitur 1968 seinen Wehrdienst ab. Dann studierte er im benachbarten Mainz Jura. Vor seiner politischen Karriere arbeitete Jung als Rechtsanwalt und Notar in Eltville, 1978 promovierte er über die Regionalplanung in Hessen. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Jetzt hat Jung, der am Freitag sichtlich erleichtert und fast froh wirkte, endlich die immer von ihm gewünschte Zeit für sein bislang einziges Enkelkind.

(Redaktion)


 


 

Jung
Bundesarbeitsminister
Hessen
Verteidigungsminister
Verantwortung
Berlin
Freitag

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Jung" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: