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Rezession

Verbesserte Erwartungen von Finanzexperten noch kein Zeichen für Trendwende

(bo/ddp.djn). Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzexperten für Deutschland haben sich im Dezember etwas stärker aufgehellt als vorhergesagt. Der sogenannte ZEW-Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg stärker als erwartet. Von einer konjunkturellen Wende wollte allerdings niemand sprechen - im Gegenteil. Derzeit rutsche die deutsche Wirtschaft immer tiefer in die Rezession, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz am Dienstag in Mannheim.

Der ZEW-Index, ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen
Wirtschaft, für den monatlich rund 300 Analysten und institutionelle
Anleger zu ihren Konjunkturerwartungen befragt werden, stieg
überraschend von minus 53,5 Punkten im November auf minus 45,2 für
diesen Monat. Ökonomen hatten hingegen eine leichte Verschlechterung
auf minus 55,0 Punkte vorhergesagt.

Die Einschätzung der Befragten zur aktuellen Konjunkturlage
Deutschlands trübte sich den Angaben zufolge allerdings ein und ist
so schlecht wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. So sank der
entsprechende Index von minus 50,4 im November auf minus 64,5 Punkte.
Die Prognose von Ökonomen hatte durchschnittlich bei 64,0 gelegen.
Die aktuelle Lageeinschätzung notiert damit gegenwärtig auf dem
niedrigsten Stand seit Juli 2005.

Die leichte Verbesserung der Erwartungen signalisiert, dass sich
die Sorgen über eine weitere Verschärfung der Rezession ab Mitte 2009
in Grenzen halten, erläuterte das ZEW. Die Zinssenkungen der
Zentralbanken und die Konjunkturpakete der Regierungen dürften die
Konjunktur stützen. ZEW-Präsident Franz wiederholte daher seine
Forderungen an die Bundesregierung nach einem Wachstumspaket
beispielsweise mit Infrastrukturinvestitionen.

Auch Bankvolkswirte warnten davor, die Ergebnisse der Befragung
als Hinweis auf eine bevorstehende konjunkturelle Wende zu
interpretieren. «Das immer noch sehr niedrige Niveau der
ZEW-Erwartungen und der Abwärtstrend bei anderen wichtigen
Frühindikatoren weisen auf eine ausgedehnte Abwärtsbewegung der
deutschen Wirtschaft bis Mitte nächsten Jahres hin», sagte
UniCredit-Ökonom Alexander Koch. Der abermals starke Rückgang der
Lageeinschätzung zeige, dass sich die Entwicklung weiter
verschlechtern wird, bevor es zu einer Besserung kommt.

Dem schloss sich Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank
Baden-Württemberg an: «Der Anstieg der Konjunkturerwartungen ist für
sich genommen noch keine konjunkturelle Trendwende». Carsten Brzeski
von ING Bank sagte, letztlich zeigten die ZEW-Daten, dass die
deutsche Wirtschaft in einer schweren Rezession sei. «Die kommenden
Wochen dürften weitere schlechte Nachrichten bringen und die
Wirtschaft bis zum ersten Quartal 2009 schrumpfen», sagte der
Volkswirt weiter.

(Redaktion)


 


 

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