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Ausbaupläne des Frankfurter Flughafens

Weihnachten im Protest-Camp

(bo/ddp-hes). Im Mai sind sie gekommen und sie wollen noch längst nicht gehen. Die Aktivisten, die mitten im Kelsterbacher Wald ein Lager aufgebaut haben, um den Ausbauplänen des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport zu trotzen. Selbst an Weihnachten werden manche von ihnen im Protestcamp im nasskalten Wald ausharren - dort wo eines Tages die neue Landebahn des Flughafens gebaut werden soll.

Es ist ein kühler Tag, kurz vor Weihnachten. Zwischen Douglasien und Eichen herrscht rege Betriebsamkeit. Zwischen den vielen Zelten, den Unterständen aus Planen und einem Wohnwagen sitzen Campbewohner im Freien, andere isolieren eine große Hütte, um sich besser vor der beißenden Kälte schützen zu können. Vorbereitungen für Weihnachten? «Also ich weiß noch nicht genau, wie das laufen wird», sagt Emily. Schließlich hätten nicht alle die gleichen Vorstellungen von Weihnachten, räumt die junge Frau ein. «Die Leute werden sich wohl noch einbringen.»

Immerhin, es ist ein Programm rund um die Feiertage geplant. So haben sich beispielsweise für den zweiten Weihnachtsfeiertag Vertreter der Clownarmee angekündigt. Sie wollen einen Workshop zum Thema friedlicher Widerstand abhalten. Außerdem gibt es Lesungen und Musik. «Wir werden ein paar gemütliche Abende verbringen», sagt ein Campbewohner, 23 Jahre alt. Allerdings bezweifelt er, dass es allzu feierlich zugehen wird und «dass Weihnachtslieder gesungen werden».

Doch auch bei Umweltaktivisten, die seit Monaten asketisch auf Baumhütten oder in Zelten schlafen, gibt es weihnachtliche Sehnsüchte: «Hoffentlich bringen die Leute von den Bürgerinitiativen ein paar Plätzchen vorbei», sagt einer. Die Chancen stehen gut, in der Vergangenheit kamen immer wieder Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen in das Camp - ausgestattet mit Kaffee und frischgebackenem Kuchen. Jeder, der das Camp betritt, weiß, dass Aktivisten Wichtigeres zu tun haben, als Plätzchen zu backen.

Dazu gehört zum Beispiel die stete Organisation des Alltags unter freiem Himmel, nebenher noch die eine oder andere Protestaktion im winterlichen Hessen. Sascha Friebe hat in den vergangenen Monaten etliche Kilogramm verloren. Der Sprecher der Protest-Camper ist quasi andauernd mit organisatorischen Dingen beschäftigt. Momentan plant er für Heiligabend. «Ich habe etliche Einladungen an Freunde und Verwandte geschrieben», berichtet er. Sogar einen Weihnachtsbaum hat er am Rand des Camps für die Feiertage ausgewählt. Friebe will keinesfalls auf weihnachtliche Stunden im Wald verzichten. «Wir werden wohl am Nachmittag gemütlich beisammensitzen.»

Allerdings ist es nicht unbedingt das Weihnachtsfest, über das Friebe sich zurzeit Gedanken macht. Denn sehr schnell innerhalb der kommenden Tage könnten weitreichende Entscheidungen zum geplanten Flughafenausbau fallen. Zum einen ist noch offen, wie der Kasseler Verwaltungsgerichtshof über die etwa 260 Klagen von Kommunen und Initiativen gegen den Planfeststellungsbeschluss des Landes entscheidet. Außerdem muss auch noch das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt über die beantragte vorläufige Besitzeinweisung des Kelsterbacher Waldes durch die Fraport entscheiden.

Ob sich die Kommune und der Flughafenbetreiber über das Gelände einigen, ist noch nicht klar. Nach eigenen Angaben bereitet sich Fraport auf die Rodung der ungefähr 240 Hektar Wald vor. So habe das Unternehmen Kontakt zu Rodungsfirmen unter anderem in der Schweiz und in Österreich aufgenommen. «Diese könnten kurzfristig für die Rodung eingesetzt werden», sagt Friebe. Der Zeitfaktor ist nicht unerheblich, da Fraport nur bis Ende Februar roden dürfte - von März bis September darf aus naturschutzrechtlichen Gründen nämlich kein Baum gefällt werden - egal, wie sich der VGH entscheidet.

«Ich gehe mal davon aus, dass die Polizei uns zumindest an Weihnachten in Ruhe lässt», sagt Friebe und dreht die Standheizung seines Wohnwagens höher. Draußen ist es dunkel geworden, und noch ein bisschen kälter als tagsüber.

(Redaktion)


 


 

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