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Themenserie Wettbewerblicher Dialog

Vorbild in Sachen Bürgerbeteiligung

Der Name dieses innovativen Vergabeverfahrens für städtebauliche Projekte macht es deutlich: Im Mittelpunkt steht der Dialog. Auf der einen Seite treten dabei die Stadt und die Bewerber in einen kontinuierlichen Dialog, auf der anderen Seite erlaubt das Verfahren auch einen intensiven Dialog zwischen Bürgern sowie Stadt und Bewerbern.

„Die Bürger sind in einem weit höheren Ausmaß an der Entwicklung des Projekts und damit an der Entwicklung ihrer Stadt beteiligt als in einem klassischen Ausschreibungsverfahren“, stellt Marion Schmitz-Stadtfeld von der NH ProjektStadt fest. Sie ist verantwortliche Verfahrensleiterin im Wettbewerblichen Dialog ‚Neue Mitte’ der Stadt Nidderau und hat auch den jüngst abgeschlossenen Wettbewerblichen Dialog in Hanau begleitet.

Der Wettbewerbliche Dialog ist ein Vergabeverfahren vor allem für komplexe Stadtentwicklungsprojekte. Nach einer europaweiten Ausschreibung können Bewerber Lösungsvorschläge für das ausgeschriebene Projekt einreichen; sie haben sich dabei an einer Projektbeschreibung des Auftraggebers zu orientieren. Die in der Projektbeschreibung enthaltenen Aufgabenstellungen sind dabei so konkret wie nötig, sie lassen des Bewerbern soviel Ideenspielraum wie möglich. Im Zuge mehrerer Dialogphasen erörtert die Stadt die Entwürfe gemeinsam mit den jeweiligen Bewerbern und konkretisiert sie nach und nach. Dabei unterliegen die Inhalte der Dialoge und der Entwürfe zunächst der Geheimhaltung, um den Wettbewerbscharakter des Verfahrens zu wahren.

Beirat und Bürgerwochenenden

Aber schon während dieser Geheimhaltungszeit ist die Öffentlichkeit nicht aus dem Verfahren ausgeschlossen: Mit der Gründung eines Beirats kann sie aktiv am Verlauf teilnehmen. Dieser Beirat bildet im besten Fall einen Querschnitt relevanter Multiplikatoren der Bürgergesellschaft, von Einzelhandel, Vereinen und Verbänden über Kirchen und Institutionen bis zu Vertretern aus Politik und Kultur. Der Beirat wird in regelmäßigen Abständen über den Fortgang des Verfahrens informiert. Zudem kann er Erklärungen verlangen und Hinweise auf mögliche Probleme geben. Die Einrichtung eines Beirats garantiert, dass wichtiges lokales Wissen in das Verfahren einfließt.

Haben die Entwürfe einen gewissen „Reifegrad“ erreicht, erlaubt das Verfahren ihre Veröffentlichung. „Sowohl in Hanau als auch in Nidderau haben wir diese Veröffentlichung über eine große Ausstellung der verschiedenen Entwürfe realisiert“, berichtet Marion Schmitz-Stadtfeld. Bei mehreren „Großen Bürgerwochenenden“ hatten alle Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, die Entwürfe zu begutachten, sie mit den Investoren zu diskutieren und Anmerkungen oder Änderungsvorschläge zu machen. Die Resonanz auf diese Ausstellungen war jedes Mal überwältigend groß, eine Tatsache, die die Verantwortlichen darin bestärkt hat, mit dem Wettbewerblichen Dialog den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Die Anregungen der Bürger wurden von der Stadt und den Investoren sehr ernst genommen“, sagt Schmitz-Stadtfeld. „Stadtentwicklung geht schließlich jeden Einwohner etwas an, es ist also besonders wichtig, die Bürger an der Entwicklung zu beteiligen und ihre Meinungen zu berücksichtigen.“

Für Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß steht fest: „Innerhalb der verschiedenen Ausschreibungsverfahren, die in Deutschland zur Wahl stehen, hat der Wettbewerbliche Dialog einen Vorbildcharakter, auch und vor allem in Hinblick auf eine umfassende Bürgerbeteiligung.“ Denn Politik und Bürger sind in das gesamte Verfahren eingebunden.

Sabine Fauth

(Redaktion)


 


 

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