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Themenserie Wettbewerblicher Dialog

Warum ist der Wettbewerbliche Dialog gut und wichtig für die Stadtentwicklung?

Die hessische Stadt Nidderau hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Sie möchte ein lebendiges, neues Stadtzentrum schaffen, mit dem sich alle Bürgerinnen und Bürger identifizieren können, ein Stadtzentrum, das als Ort der Begegnung und Kommunikation gern besucht wird.

Dabei soll eine entsprechende städtebauliche und architektonische Gestaltung die Zentrumsfunktion herausheben und fördern. „Integrierte Stadtentwicklung“ lautet das Stichwort. Diese „Neue Mitte“ entsteht auf einem insgesamt 25 Hektar großen Areal, zu dem neben bestehender Infrastruktur auch 13 Hektar bisher unbebaute Fläche gehören. 

Nidderau hat sich für die Verwirklichung dieser Ziele dazu entschlossen, das Verfahren des Wettbewerblichen Dialogs anzuwenden. Der Wettbewerbliche Dialog ist ein europaweites Ausschreibungsverfahren, über das ein Investor gefunden wird, der sämtliche städtebaulichen Aufgaben eines Projekts als Bauherr verwirklicht. Da das Verfahren äußerst komplex ist, hat sich die Stadt einen erfahrenen Partner ins Boot geholt: Die NH ProjektStadt, eine Stadtentwicklungsmarke der Nassauischen Heimstätte, hat bereits die Stadt Hanau beim kürzlich abgeschlossenen Wettbewerblichen Dialog beraten. In Nidderau übernimmt sie federführend die gesamte Verfahrenssteuerung.

Vorteile des Verfahrens
Grundlage für die Ausschreibung ist eine detaillierte Projektbeschreibung seitens der Stadt, in der sämtliche erforderlichen und gewünschten Handlungsschwerpunkte aufgeführt sind. Die in der Projektbeschreibung genannten Aufgaben sollen die Bewerber zukunftsorientiert und nachhaltig lösen. Dabei hat die Stadt zwar die einzelnen Aufgaben und die damit verbundenen Zielsetzungen auf der einen Seite soweit wie nötig konkretisiert, ist aber auf der anderen Seite soweit wie möglich offen für die Lösungsvorschläge der Bewerber. In mehreren Dialogphasen diskutiert das zuständige Projektteam der Stadt offen und ohne jegliche Vorbehalte über die eingereichten Entwürfe. Gegenüber einem konventionellen Vergabeverfahren hat der Wettbewerbliche Dialog den unschätzbaren Vorteil, dass er Stadtentwicklung in wahrstem Sinne des Wortes zu einer Entwicklung werden lässt, zu einem dynamischen Prozess. Es gibt weniger Festlegungen im Vorfeld. In den Dialogen zwischen der Stadt und den einzelnen Bewerbern inspirieren sich die Gesprächspartner gegenseitig bei der Suche nach der optimalen Lösung, und zwar der optimalen Lösung für beide Seiten. So stellt das Verfahren sicher, dass alle Beteiligten sich mit großer Motivation für das Projekt engagieren. Zum Ende des zeitlich überschaubaren und genau planbaren Verfahrens hat die Kommune mehrere bedarfsgerechte und qualifizierte Entwürfe vorliegen, aus denen die Stadtverordnetenversammlung das für die Stadt vorteilhafteste Angebot auswählen kann. Marion Schmitz-Stadtfeld, Verfahrensleiterin von der NH ProjektStadt, betont ein grundlegendes Merkmal des Wettbewerblichen Dialogs: „Er ist keine Ideensammlung, sondern von Beginn an auf Realisierung und Wirtschaftlichkeit angelegt. Zeit und Kosten sind dabei klar kalkulierbar.“

Größtmögliche Beteiligung der Bürger
Zudem zeichnet sich der Wettbewerbliche Dialog durch die Möglichkeit einer intensiven Bürgerbeteiligung aus. Zum einen hat die Stadt Nidderau einen Beirat Wettbewerblicher Dialog eingerichtet, bestehend aus den Fraktionsvorsitzenden aller Parteien, aus Ortsbeiräten sowie aus Vertretern von Kultur und Bildung, von Kirchengemeinden, Behörden und Verbänden sowie von Arbeitskreisen und Vereinen. Dieser Beirat ist in die Dialogphasen eingebunden. Er wird über den jeweils aktuellen Stand der Entwicklung informiert und kann selbst Anregungen und Hinweise geben, die soweit wie möglich in die Lösungsvorschläge der Bieter einfließen. Der Beirat gewährleistet, dass unverzichtbares lokales Wissen in die Entwürfe eingebracht wird.

Zum anderen erlaubt es das Verfahren – das aufgrund seiner Natur als Wettbewerb erst einmal der Geheimhaltung unterliegt –, dass ab einem bestimmten „Reifegrad“ die unterschiedlichen Entwürfe der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Bei einer solchen Präsentation haben alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, die Entwürfe zu begutachten, mit den Bietern zu diskutieren und selbst Anmerkungen und Änderungsvorschläge zu machen.

Der Wettbewerbliche Dialog in Nidderau
Nidderau, mit rund 20.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Main-Kinzig-Kreises, ist ein Zusammenschluss aus fünf Gemeinden, der mit der hessischen Gemeindereform in den 1970er Jahren zustande kam. Was der also relativ jungen Stadt fehlt, ist eine Stadtmitte, ein Zentrum, das die Versorgungs- und Identifikationsfunktion für alle fünf Ortsteile übernimmt. Die beiden größten Ortsteile der Gemeinde, Windecken und Heldenbergen, wachsen aufgrund zunehmender Wohnungsbaufläche immer mehr zusammen. Zwischen ihnen liegt ein 13 Hektar großes, unbebautes Gebiet, das sich als Ergänzung zur bestehenden Infrastruktur ideal für die „Neue Mitte“ eignet. Auf dieser „Dialoggebiet“ genannten Fläche wird ein differenziertes Angebot an Einzelhandels-, Gewerbe-, Gastronomie- und Wohnflächen entstehen, zudem Freizeit- und Grünflächen inklusive eines zentralen Platzes. Auch die Verkehrsführung wird über die „Neue Mitte“ neu geregelt bzw. sinnvoll erweitert werden, und zwar in Bezug auf Autoverkehr, öffentlichen Nahverkehr sowie Radverkehr.

Das Dialoggebiet ist eingeschlossen vom so genannten Korrespondenzgebiet mit einer Größe von 25 Hektar. Hier befindet sich bereits städtische Bebauung und Infrastruktur, so
z. B. eine Schule, ein Kino, ein Schwimmbad sowie das Rathaus. Die Aufgabe an die Bewerber: Das Dialoggebiet muss in das Korrespondenzgebiet funktional eingebunden werden; es gilt, Verkehr, Straßenraum, Parkraumgestaltung und Wegebeziehungen sowie die Wechselwirkungen zwischen bestehenden Nutzungen und der „Neuen Mitte“ in die Planung einzubeziehen.

Für eine derartig komplexe Aufgabenstellung ist das Verfahren des Wettbewerblichen Dialogs hervorragend geeignet. Die Nachbarstadt Hanau hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll vorgeführt, wie zielführend, effizient und umsichtig eine integrierte Stadtentwicklung mit Hilfe des Wettbewerblichen Dialogs gestaltet werden kann. Nidderau ist die zweite Gemeinde in Deutschland, die sich die Vorteile dieses Verfahrens zu Nutzen macht.

(Redaktion)


 


 

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