Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Bizz Tipps Bizz-Wissen
Weitere Artikel
Fälschungen

Wie sich hessische Unternehmen gegen Markenfälscher schützen

(bo/ddp-hes). Ob raubkopierte Software, gefälschte Markenkleidung oder nachgebaute Autoersatzteile - es gibt nichts, was nicht gefälscht wird. «Wir müssen davon ausgehen, dass dadurch jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe entstehen», sagt Reinhold Stämmler, Sprecher des südhessischen Unternehmerverbandes in Darmstadt. Viele Firmen leiden seinen Angaben zufolge unter Umsatzeinbußen, dem Verlust von Marktanteilen sowie hohen Kosten für Rechts- und Schutzverfahren.

Dabei ist der Zoll in Hessen in den vergangenen Jahren mit spürbarem Erfolg gegen Produktfälscher vorgegangen. «Seit 2005 registrieren wir auf den großen Messen weniger Plagiate», sagt Kirsten Jung vom Hauptzollamt Darmstadt. So hätten die Beamten beispielsweise auf der Messe «tendence lifestyle» in Frankfurt 2006 noch 61 illegale Artikel an den fast 800 Ständen gefunden. In diesem Jahr lag die Zahl der gefundenen Plagiate bei 22, kontrolliert wurden 815 Stände. Auch auf der Messe «Paperworld» haben die Zollfahnder in diesem Jahr 100 gefälschte Artikel eingesammelt, noch vor zwei Jahren lag die Zahl bei 140.

Um den Anbietern von Plagiaten klar zu machen, dass es sich bei Produktfälschung nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, lassen sich die Zollbeamten zudem von uniformierten Polizisten begleiten. «Zumindest auf großen Messen können wir den Verkauf von Plagiaten immer besser unterbinden.»

Aber auch jenseits der Messestände ist der Staat aktiv. Ende November beschlagnahmte die Polizei 1300 Paar gefälschte Turnschuhe in Dreieich. Die angeblichen Markenschuhe stammten aus China. In keinem anderen Land der Welt sollen so viele Produkt- und Markenpiraten tätig sein wie im Reich der Mitte. Aber auch wenn der Staat stärker gegen den illegalen Handel mit Plagiaten vorgeht, bedeutet das nicht, dass Unternehmer sich zurücklehnen können. Susanne Jung vom Zoll etwa sagt, realistisch betrachtet seien die Durchsuchungen ein Tropfen auf den heißen Stein, da es auch andere Vertriebswege für die kopierte Ware gebe wie etwa das Internet. Doch mit welcher Strategie können sich Firmen vor Fälschern schützen?

«Wir versuchen den Druck auf Produktfälscher durch Klagen und sonstige juristische Mittel zu erhöhen», sagt Jürgen Riedel, Geschäftsführer der Firma Ritter-Pen aus Brensbach, die seit den 50er Jahren Werbekulis herstellt. Plagiate aus Fernost führten bereits dazu, dass das Unternehmen in der Vergangenheit Mitarbeiter entlassen musste. Die Chinesen stellen indes nicht nur günstig Plagiate her, sie produzieren auch reguläre Ware billig. Die Herstellung eines Kugelschreibers ist in China mit rund sechs Cent etwa zwei Drittel günstiger als in Deutschland. Daher betreibt Ritter-Pen seit 2005 eine eigene Produktionsstätte in Fernost. Durch niedrige Produktionskosten sollen die durch Fälscher verursachten Verluste ausgeglichen werden.

Dieser Weg ist allerdings umstritten. So sagt der Darmstädter Rechtswissenschaftler Rainer Erd, bei der Auslagerung etwa von Fertigungsstätten nach China steige die Gefahr des Diebstahls geistigen Eigentums. «Das ist ja gewissermaßen auch eine Auslagerung des Fachwissens», gibt der Professor von der Hochschule Darmstadt zu bedenken. Aus seiner Sicht müssen sich Firmen selbst besser gegen Plagiate aus Fernost wappnen. In einer unlängst erschienenen Studie empfiehlt Erd, die Unternehmen sollten die Originalprodukte mit Kennzeichen versehen, so dass die Zollbehörden Fälschungen leichter als solche identifizieren können.

Noch besser sei die «Ein-Haus-Produkt-Strategie». Durch die Konzentration von Entwicklung, Produktion und Vertrieb an deutschen Standorten sinke das Risiko des Verlustes von Know-how. In diesem Sinne agiert auch die Firma Koziol, die in Erbach Design-Produkte für den Haushalt herstellt. Wie Geschäftsführer Thorsten Muntermann sagt, bleibt von der Idee bis zur Vermarktung, von der Produktion bis zum Versand alles im Land. Dadurch seien Koziol-Produkte mittlerweile bei sämtlichen europäischen Zöllnern bekannt: "Da wir alles im Odenwald produzieren, muss jede Einfuhr eine Fälschung sein.»

(Redaktion)


 


 

Schutz
Falschung
raubkopierte Software
gefälschte Markenkleidung
nachgebaute Autoersatzteile

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Schutz" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: