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Exklusive IHK-Studie

Wiesbadens Stärken als Gesundheitsstandort ausbauen

Leistungsstarke Anbieter vor Ort sind die Grundlage eines attraktiven Gesundheitsstandortes. Dass Wiesbaden diesbezüglich gut aufgestellt ist, belegen aktuelle Zahlen aus einer exklusiven Studie der IHK Wiesbaden, die jetzt vollständig veröffentlicht wurde (www.ihk-wiesbaden.de, Stichwort „Gesundheitsstudie“). Aus Sicht der IHK gilt es nun, vorhandene Strukturen zu nutzen, Potenziale zu heben und den Gesundheitsstandort auszubauen.

Die IHK-Gesundheitsstudie wurde durchgeführt vom Ravensburger Marktforschungsinstitut Customer Research 42. Befragt wurden 1.391 Einrichtungen des Gesundheitswesens in Wiesbaden, Schlangenbad und Bad Schwalbach. Die Studie untersucht detailliert eine Vielzahl von Kennzahlen wie etwa Anzahl der Unternehmen in der jeweiligen Gruppe, Umsatz, Beschäftigte, Anteile von Kassenpatienten und Selbstzahlern, Gesamtkosten, ausgewählte Kostenarten, Vorleistungen insgesamt, aus Wiesbaden bezogene Vorleistungen und Investitionen. Durchschnittlich beteiligten sich 35 Prozent der Unternehmen aus allen untersuchten Gruppen. Prof. Dr. Thomas Dobbelstein, wissenschaftlicher Leiter von Customer Research 42, erklärt dazu: „Eine derart hohe Rücklaufquote deutet auf eine starke Verbundenheit der Befragten mit dem Thema allgemein sowie dem Standort im Speziellen hin. Unterstrichen wird dies durch das hohe Engagement der im Vorfeld eingebundenen Verbände und Berufsvereinigungen“.

IHK-Hauptgeschäftsführer Joachim Nolde erläutert den Grund für die Erstellung der Studie: „Die Gesundheitsbranche ist eine der Zukunftsbranchen und Wachstumsmärkte schlechthin in Deutschland. Allgemeine Analysen gibt es viele, für unseren IHK-Bezirk wollten wir es jedoch genauer wissen, denn mit der Landeshauptstadt Wiesbaden und den beiden Städten Bad Schwalbach und Schlangenbad finden sich Standorte in Hessen, die, aus der Tradition der Kurorte kommend, besonders chancenreich sein sollten. Mit der Studie wollen wir damit der Wirtschaft und der Politik eine konkrete Datenbasis bieten, um Aktivitäten zur Stärkung des Gesundheitsstandortes zu entwickeln.“

Nach den Ergebnissen leistet das Gesundheitswesen in Wiesbaden demnach einen Beitrag zum Primäreinkommen (Löhne, Gehälter und Gewinne) von hohen 9,6 Prozent und übertrifft damit sogar den ebenfalls wirtschaftlich starken Tourismusbereich (4,3 Prozent) um mehr als das Doppelte. Die rund 1.400 Einrichtungen des Gesundheitswesens in Wiesbaden, Schlangenbad und Bad Schwalbach mit über 22.000 Vollzeitbeschäftigten erwirtschafteten einen Umsatz von fast 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt sind nahezu 16 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen tätig. Damit liegt Wiesbaden deutlich über vergleichbaren Städten ohne Universitätsklinikum, die durchschnittlich nur einen Wert von gut 10 Prozent erreichen.

Darüber hinaus weist Wiesbaden einige Besonderheiten auf, die eine gute Ausgangsposition zur Weiterentwicklung und Profilierung des Gesundheitsstandortes darstellen: 60 Prozent der Befragten beurteilen die Attraktivität des Standorts sehr positiv. Neben dem umfassenden medizinischen Angebot ist einer der Gründe in dem deutlich überdurchschnittlichen Anteil an Selbstzahlern in Wiesbaden zu sehen, dessen Bedeutung weiter wachsen wird. Auch geht aus der Befragung hervor, dass sich der vorhandene Kostendruck in Zukunft nicht negativ auf den Personalbestand oder die Ersatzinvestitionen auswirken wird. Diese Bewertung gleicht einem Konjunkturbarometer und kann als positive Entwicklungsperspektive für den Standort gewertet werden.

„Daraus muss sich die Fragen anschließen, wie das vorhandene Entwicklungspotenzial genutzt werden soll, welches „Produktpaket“ aus bestehenden und neu zu entwickelnden Angeboten und Kompetenzen geschnürt werden soll. Der Wettbewerb findet künftig weniger zwischen den Krankenhäusern statt, sondern zwischen den Regionen. Nur wer es schafft, sich durch ein maßgeschneidertes Gesamtangebot und spezifisches Profil zu behaupten und abzuheben, wird auf dem Gesundheitsmarkt der Zukunft eine Rolle spielen“, sagt Nolde.

Ohnehin sei ein Umdenken erforderlich und die Markwirtschaft müsse stärker in die Gesundheitsbranche einziehen. Der Patient von heute sei ein autonomer, anspruchsvoller und mündiger Kunde, der über umfassende Informations- und Vergleichsmöglichkeiten verfüge. Neben dem medizinischen Angebot müsse er eine Philosophie erkennen, die ihn animiere, sich gezielt für diesen Standort zu entscheiden.

Sabine Köth, verantwortlich bei der IHK Wiesbaden für die Thematik, erklärt: „Hier ist die Kreativität der Akteure am Gesundheitsmarkt gefordert. Angefangen zum Beispiel bei einer guten Informationsmöglichkeit per Internet und Telefon über eine komfortable Anreise, die richtige Hotelauswahl, medizinische Weiterbildung für Mitarbeiter und Endkunden, Wellness- angebote, Tipps zu Einkäufen, Ausgehen, Kultur und Natur – vieles ist denkbar. Die Maßstäbe, besonders an die Qualität, sind dabei hoch.“

Um die für den Standort passenden Angebotsfunktionen zu identifizieren und zu vermarkten, sind fachübergreifende Kontakte sowohl im medizinischen Kernbereich als auch zu Krankenkassen und anderen Institutionen sowie zu Unternehmen aus Tourismus, Handel oder Dienstleistung wichtig. Wie die Studie zeigt, ist ein solches Verständnis von Netzwerken bislang im Gesundheitswesen noch nicht vorhanden. Der Industrie- und Handelskammer wird diesbezüglich ein wichtiges Handlungsfeld bestätigt, das sie aufgreifen will.

Weitere Ansätze zur Diskussion bieten folgende Erkenntnisse aus der Studie: Bei der Beschaffung von qualifiziertem ärztlichem und nicht ärztlichem Personal weist der Standort einen Engpassfaktor auf. Auch wünschen sich viele Befragte eine weitere Stärkung Wiesbadens als Kongressstandort und würden sich sogar dafür einsetzen. Interessant ist außerdem, dass obwohl Kur im eigentlichen Sinne nicht mehr stattfindet, Wiesbaden von den Befragten weiterhin als Kurstandort wahrgenommen.

„Es stellt sich die Frage, wie dieser Markenkern als Marketinginstrument genutzt werden kann, um mit der traditionell sowohl mit Wiesbaden, als auch mit Schlangenbad und Bad Schwalbach verbundenen medizinischen Kernkompetenz das Gesamtangebot eines modernen Healthcare-Standorts zu vermitteln“, sagt Köth.

Die komplette Studie findet sich unter www.ihk-wiesbaden.de, Stichwort „Gesundheitsstudie“: http://www.ihk-wiesbaden.de/fileadmin/user_upload/Branchen/IHK_Gesundheitsstudie_2008.pdf

Quell: IHK Wiesbaden

(rheinmain)


 


 

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