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Wirtschaftsverbände uneins über Konjunkturlage

(bo/ddp.djn). Die Einschätzungen der Wirtschaftsinstitute zur Lage der Konjunktur gehen weithin deutlich auseinander. Einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge herrscht in der Wirtschaft Pessimismus vor. «Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise drückt nun auch der Konjunktur in Deutschland ihren Stempel auf», sagte am Montag IW-Direktor Michael Hüther. Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, hält hingegen die Erwartungen der Bundesregierung für 2009 für zu pessimistisch. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, vermutet andererseits, dass die Politik die dramatisch schwierige konjunkturelle Lage noch nicht begriffen hat.

«Weil die Wirtschaft der Politik falsche Rückmeldungen gab, sind wir jetzt in dieser schwierigen Lage und debattieren, wo wir entscheiden müssten», sagte Walter der Deutschen Welle. Der Staat sollte sofort Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Es komme darauf an, dass man durch staatliche Maßnahmen diese Schockstarre überwinde. Und das, wenn es irgend gehe, noch im ersten Quartal 2009, so Walter weiter.

Nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg sollen Entscheidungen über den Inhalt des geplanten zweiten Konjunkturpakets bis Mitte Januar fallen. Die deutsche Automobilindustrie werde maßgeblich profitieren. Steg bezeichnete den Automobilsektor als Leitbranche und Herzstück der deutschen Industrie. Die Bundesregierung werde darüber reden, in welcher Weise für diesen Zweig im zweiten Konjunkturpaket «vernünftige» Regelungen gefunden werden. Der Koalitionsausschuss berät am 5. Januar über weitere Schritte zur Stützung der Konjunktur.

Blum hält unterdessen die Einschätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums für zu schwarzseherisch. «Offenbar will da jemand Druck machen, damit ein neues Konjunkturpaket auf den Weg gebracht werden kann», sagt er dem Radiosender MDR INFO. Der richtige Weg sei aber, Programme für den Ausbau der Infrastruktur zu beginnen. Würden ohnehin geplante Investitionen vorgezogen, könne der Wirtschaft wirklich geholfen werden.

Nach Ansicht von Blum steht die Wirtschaft trotz der weltweiten Krise «eigentlich gut da». In den vergangenen Jahren habe sie eine deutliche Verbesserung ihrer technologischen und produktiven Strukturen erlebt. Sie sei auch unter schwierigen Bedingungen «überlebens- und leistungsfähig», sagte der IWH-Präsident.

Eine IW-Verbandsumfrage kam hingegen zu anderen Schlüssen. «Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich eingetrübt, und auch dem neuen Jahr blicken viele Branchen mit Sorgen entgegen,» betonte Hüther. 41 der insgesamt 43 befragten Verbände hätten die Wirtschaftsaussichten für 2009 als schlecht bezeichnet. Lediglich zwei Branchen hielten die Stimmung für unverändert. Kein Wirtschaftsbereich sprach von einer besseren Lage als Ende 2007. Auf das Jahr 2009 setzten viele Verbände vor diesem Hintergrund keine großen Hoffnungen, die Mehrzahl rechne mit einer rückläufigen Produktions- und Investitionsentwicklung, hieß es weiter.

Wie das IW weiter mitteilte, rechnen 29 der 43 Wirtschaftsverbände für 2009 mit einer niedrigeren Produktion oder einem geringeren Umsatz. Lediglich drei Verbände erwarteten ein Plus bei den Erlösen beziehungsweise Geschäftsergebnissen. Dazu gehörten Organisationen des Groß- und Außenhandels. Hüther zufolge wollten dennoch viele Unternehmen die Arbeitsplätze erhalten, weil Fachkräfte rar sind. Daher seien die Perspektiven für die Beschäftigung nicht ganz so trüb wie bei den anderen Indikatoren.

(Redaktion)


 


 

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