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500 Jahre Fastnacht in Dieburg

Zum Beginn der Kampagne präsentiert der Karnevalsverein eine Ausstellung mit historischen Einblicken

(bo/ddp-hes). Die hessische Karnevalshochburg Dieburg blickt dieser Tage auf eine 500 Jahre alte Tradition zurück. Unter dem Motto «Alles lääft gonz schepp unn krumm - es Jubiläumsjohr is rum» wird am 11.11. nicht nur die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Mit einem großen Aufmarsch des Karnevalvereins Dieburg 1838 (KVD) wird auch die Ausstellung «500 Jahre Dieburger Fastnacht» im Museum Schloss Fechenbach eröffnet.

Die Sonderausstellung, in Zusammenarbeit von Museum und KVD
entstanden, zeigt eine bunte Sammlung historischer und aktueller
Karnevalsutensilien. Sie stammen größtenteils aus Dieburg, doch auch
Leihgaben aus anderen Orten sind darunter. Da gibt es farbenprächtige
Kostüme und Gardeuniformen zu sehen, Hunderte Karnevalsorden, alte
Holzmasken aus der Rhön und Thüringen, Marotten (hölzerne
Narrenzepter), Wimpel, Venezianische Masken und Mainzer Mützen aus
den 19. Jahrhundert. Auf zwei Medienstationen laufen rund um die Uhr
die Umzüge und Büttenreden der vergangenen 25 Jahre.

«Besonders wichtige Stücke sind für uns die alten historischen
Fastnachtsfahnen und das neue Prinzenkostüm», sagt Friedel Enders,
Erster Vorsitzender des KVD. Sein Verein ist mit mehr als 1600
Mitgliedern nach eigenen Angaben der größte Karnevalsverein im
Dachverband Bund Deutscher Karneval. Die prunkvolle blaugoldene
Prinzenuniform und das dazu passende Prinzessinnenkleid, Kostenpunkt
5400 Euro, kommen frisch vom Schneider und wurden noch nie getragen.

Auch die Marionetten «Verres Gunken unn soi Bavett» sind dabei und
gelten als die Urgestalten der Dieburger Fastnacht. «Die beiden
treten seit 1929 bei Büttenreden mit auf», erklärt Lothar Lammer. Der
Mitarbeiter des Museums war federführend in der historischen
Aufbereitung der Ausstellung. Denn die soll mehr zeigen als
Karnevalsdekoration.

Im katholisch geprägten Dieburg lässt sich das närrische Treiben
bis ins Jahr 1508 historisch belegen. Den Anfang markiert eine
Stadtrechnung. Darin wird eine Bewirtung am «Eschtag»
(Aschermittwoch) aufgeführt: «von dem uff den Eschtag zu mittage und
nachts in bywesen amptmann [unseres gnädigen Herrn] und rath vor alle
dingt», heißt es da.

«Die Fastnacht war damals noch weit weg von unserer heutigen
Straßenfastnacht», erklärt Lammel. Denn Aschermittwoch und der
Martinstag (11.11.) seien die Termine gewesen, an denen die Bauern
ihre Pachten und Rechnungen zahlen mussten. Eine eigene Steuerart
waren die sogenannten Fastnachtshühner. Dann hätte man sich etwas
gegönnt. Anfangs sei es vor allem ein Fest der Reichen gewesen,
schlussfolgert der Historiker.

Zu Zeiten des Bürgerkriegs entwickelte sich eine vom städtischen
Bürgertum kritisch betrachtete Festkultur am Aschermittwoch. Mit
einer «Ordnung der aufständischen Stadt Dieburg am 22. Mai 1525» sei
«auch das Verbot der weiteren Bewirtung des Rates erlassen worden».
Das geht aus einer der - natürlich - elf Tafeln hervor, auf denen die
Geschichte der Dieburger Fastnacht museal aufbereitet wurde.

Beispielsweise ist da auch zu lesen, wie 1599 eine in «Mummen»
(Männerkleidern) gehüllte Magd aus Hergershausen «wegen des Singens
schändlicher Lieder vor Gericht gestellt wurde». Die meisten der
historischen Belege stammen jedoch aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Mit der Gründung des Karnevalvereins 1838 sind erste Maskenbälle und
Sitzungen belegt.

Frühe Fotos gibt es von 1902. «Damals umfasste der Karnevalsumzug
gerade mal 15 Gruppen», sagt Lammel. Heute seien es 111. Interessant
dürfte auch die Ahnenreihe der Prinzen und Prinzessinnen sein. Fotos
von damals bis heute zeigen Hoheiten wie Prinz Henkel von Bankhaus zu
Umstadt, der 1928 erstmals den Titel trug, oder die erste Prinzessin,
namens Betty I., von 1939.

Die Ausstellung ist bis zum 21. Januar 2009 im Museum Schloss
Fechenbach in Dieburg zu sehen. Sie schließt mit einem närrischen
Heringsessen.

Quelle Foto: www.pixelio.de

(rheinmain)


 


 

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