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Fiktives Interview

Ich sprach mit ... der Angst

In fiktiven Interviews spricht Richard Clever mit Gefühlen, Tugenden und Werten von im Marketing handelnden Menschen. Heute: Interview mit der Angst.

Richard Clever: Interessant, Sie zu begrüßen – kürzlich sprach ich mit Ihrem Gegenspieler, dem Mut.

Angst: Ach der! Der meint immer, er wäre der Tollste ...

Richard Clever:... aber eigentlich sind Sie das?

Angst: Das habe ich nicht gesagt. Aber ich sage immer: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Richard Clever: Das finde ich jetzt aber etwas abgedroschen. Und überhaupt: Manchmal muss so eine Porzellankiste doch von A nach B, und manchmal führt der Weg auch über eine wackelige Brücke.

Angst: Bloß nicht drübergehen! Wissen Sie, was da passieren könnte?!

Richard Clever: Dass ich es schaffe!

Angst: Vielleicht schaffen Sie es aber nicht! Da bleibe ich doch lieber da, wo ich bin – da weiß ich, was ich habe und mein 100 Jahre altes Porzellan bleibt mit Sicherheit unbeschädigt.

Richard Clever: Aber ist genau das nicht Ihr Dilemma? Die Welt dreht sich, alles entwickelt sich weiter, macht Fortschritte – nur Sie sitzen da festgefroren in der Ecke. „Bloß nichts bewegen ...“

Angst: Dafür bin ich so etwas wie die Nummer Sicher.

Richard Clever: Ich glaube, Sie sind das Gegenteil. Sie verhindern mehr, als sie beschützen. Vielleicht sind Sie gut gemeint – aber am Ende des Tages sind Sie ein Verlierer.

Angst: Ich merke schon: der Mut hat sie zugequatscht. Aber ich sage Ihnen eines: es ist gut, dass es mich gibt. Es kommt nur auf die Dosis an!

Richard Clever: Das müssen Sie erklären.

Angst: Sehen Sie mich doch mal als Herausforderung. Als Hindernis, dass es zu überwinden gibt. Im Marketing könnte das wie folgt aussehen: Eine definierte Aufgabe ist Ihnen zu riskant – Sie haben Angst, diese anzugehen. Die Angst aber ermutigt Sie dann, besonders vorsichtig zu sein und an alles mögliche zu denken ...

Richard Clever: Moment! Jetzt haben Sie selber den Mut ins Spiel gebracht!

Angst: Sagen wir so: ich habe ihm einen Job verschafft. Aber im Ernst: die Dosis Angst sorgt letztlich für mehr Sicherheit. Und wenn Sie dann Ihre Herausforderung doch gepackt haben, können Sie sich umso mehr freuen.

Richard Clever: Interessanter Aspekt, habe ich so noch nicht gesehen. Aber ist es nicht so, dass die Angst meist etwas ganz anderes produziert: Verkrampfung, vielleicht sogar Panik? Sollten wir im Marketing nicht besser unverkrampfter agieren? Ein Angsthase wird nie eine Herausforderung angehen.

Angst: Das haben Sie gesagt!

Richard Clever: Ich würde noch etwas anderes sagen. Stellen wir uns folgendes Fallbeispiel vor: Ein Unternehmen, Marke „der ewige Zweite“, möchte endlich die Nummer Eins überholen. Und jetzt sagen Sie mal, womit das eher zu schaffen ist: mit Mut – oder mit Angst?

Angst (überlegt eine Weile): Wollen Sie mir Angst machen?

Richard Clever: Okay, dann frage ich anders: Haben Sie Referenzen? Können Sie Erfolge vorweisen?

Angst: Wie gesagt: ich habe schon viel beschützt ...

Richard Clever: Darf ich nach Ihrer Gemütslage fragen?

Angst: Wie jetzt?

Richard Clever: Ich meine: sind Sie glücklich? Fühlen Sie sich wohl?

Angst: Hm, manchmal habe ich Bauchschmerzen.

Richard Clever: Sehen Sie!

(Richard Clever)


 


 

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