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  • 02.03.2020, 08:18 Uhr
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Aktienmärkte

Weltbörsen: Wird das Coronavirus zu einem Black Swan?

Die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus sind schwerwiegend: Der Ölpreis bricht ein. Gold wird stark nachgefragt, bleibt aber volatil. Silber und Palladium brechen im Kurs ein. Der Bitcoin gerät unter Druck. Auch die Moskauer Börse blieb wegen der stark gefallenen Ölpreise vom Sell.off nicht verschont. Der RTS-Index verlor über 10 Prozent an Wert, nachdem er im Vorjahr mit einem Plus von über 40 Prozent noch zu den Top-Performern zählte. Der Einkaufsmanager-Index in China bricht auf Rekordtief ein.

Droht derzeit einen Rezession? Entwickelt sich das Geschehen zum „Schwarzen Schwan“, einem unvorhersehbaren Ereignis, das Turbulenzen an der Börse verursacht?

Die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus sind schwerwiegend: Der Ölpreis bricht ein. Gold wird stark nachgefragt, bleibt aber volatil. Silber und Palladium brechen im Kurs ein. Auch der Bitcoin gerät unter Druck. Auch die Moskauer Börse blieb wegen der stark gefallenen Ölpreise vom Sell.off nicht verschont. Der RTS-Index verlor über 10 Prozent an Wert, nachdem er im Vorjahr mit einem Plus von über 40 Prozent noch zu den Top-Performen zählte. Der Einkaufsmanager-Index in China bricht auf Rekordtief ein. Droht nun einen Rezession? Kommt nun der Schwarze Schwan?

Coronavirus: Alarmstufe 1 weltweit!

Neben in China breitet sich das Virus derzeit vor allen in Südkorea, Japan, Iran, Italien und neuerdings in Deutschland schon sehr stark aus. In Deutschland und der Schweiz werden die ersten großen Messen verboten. In Italien finden Fußballspiele ohne Zuschauer statt. Dort, wo das Virus viral wird, werden Schulen und Behörden temporär geschossen und es kommt zu Hamsterkäufen bei Lebensmittel und Desinfektionsmitteln. Regale in Supermärkten werden in kurzer Zeit leergefegt. Dort wo ein Coronavirus auftaucht, werden vereinzelt sogar Betriebe temporär geschlossen, vor allem in China. Die Medien berichten nun täglich weltweit über das Coronavirus, was die Ängste bei der Bevölkerung nur verstärkt. Viele fragen sich, ob die regionale Panik übertrieben und die Maßnahmen überzogen sind.

Immer mehr Infizierte auch in Deutschland

In Deutschland grassiert das Virus bisher in acht Bundesländern und zwar in Baden-Württemberg (14 Fälle), Bayern (14), Rheinland-Pfalz (1) Hessen (3), Schleswig-Holstein (2) Bremen (1), Niedersachsen (1) Hamburg (1) und vor allem in Nordrhein-Westfalen (45, jeweils bis Ende Februar (Tendenz steigend). In Nordrhein-Westfalen (NRW) sind mehr als 1.000 Menschen in Quarantäne, auf Teneriffa sind in einem Hotel auch 1.000 Menschen in Quarantäne, weil dort zweite Personen aus Italien auf das Virus positiv getestet wurden. In Heinsberg bleiben vorerst Schulden und Kindergärten geschlossen. Es gibt dort bisher 43 infizierte Personen (Tendenz steigend). Vier Kita-Kinder wurden in NRW infiziert. Auch dies wird einen Rattenschwanz an Untersuchungen und angeordneter Quarantäne nach sich ziehen. In Bonn wird eine Ganztagsschule für 14 Tage geschlossen und 135 Kinder werden überprüft, weil dort ein Mitarbeiter infiziert wurde.

In Hamburg wurde jüngst die Verleihung der Michelinsterne wegen des Coronavirus abgesagt, in Berlin die Tourismusmesse ITB abgesagt und in Köln die Messe für Fitnessgeräte. Solche Meldungen wird es in den nächsten Wochen täglich auch an anderen Orten geben. Bisher gibt es in Deutschland noch keine Toten zu beklagen. Ganz anders in Frankreich, Italien (und hier wiederum überwiegend Nord-Italien) und vor allem dem Iran, wo die Sterblichkeitsrate sogar sehr hohe 13,5 Prozent beträgt. In China beträgt sie „nur“ 3,5 Prozent. Beim SARS-Virus lag sie noch über 10 Prozent.

Grenzkontrollen bewirken wenig

Es gibt jetzt weltweit etwa 3.000 Tote und 100.000 Infizierte, über 80 Prozent davon in China. Durch die Quarantäne befinden sich mehr als 1 Million Menschen unter Beobachtung, die für diese Zeit auch im Arbeitsprozess ausfallen. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen über 60 Jahre mit einen schlechten Immunsystem bzw. mit Vorerkrankungen. Es ist die große Frage, wie man das Virus in den Griff bekommt und ein Voraschreiten der Pandemie eingegrenzt. Kontrollen an Flughäfen und Grenzkontrollen bewirken wenig. Einige Länder haben ein Einreisetopp für China beschlossen, wie die USA und Russland, aber sie müssten sie eigentlich jetzt auch für Nord-Italien, Südkorea und Iran beschließen, wo sich das Virus schnell ausbreitet – wohlmöglich demnächst auch für Deutschland.

In Südkorea sind bereits mehr als 3.000 Menschen mit dem Virus infiziert, in Italien mehr als 1.600. Die Bevölkerung wird aufgefordert, am Wochenende zu Hause zu bleiben. Großveranstaltungen wie Konzerte wurde noch nicht verboten, aber es wird aufgefordert, sie nicht zu besuchen.

Wann kommt endlich ein Impfstoff?

Bisher gibt es noch keinen Impfstoff gegen das Virus, das sich auch sehr resistent erweist. Innenminister Horst Seehofer ist der Meinung, dass die Entwicklung des Impfstoffes bis Ende des Jahres dauern könne. Auch weiß man noch nicht, ob der Virus mutieren kann und sich dann resistent gegen den Impfstoff erweist. In den Sommermonaten dürfte die Verbreitung aber global abnehmen, da die Viren bei Hitze nicht überleben bzw sich nicht so schnell übertragen. Das ist bei einer Grippewelle ähnlich. Allerdings ist der Chefvirologe der Berliner Charité Christian Drosten der Auffassung, dass sich in zwei Jahren 60 bis 70 Prozent mit dem Virus infiziert haben können. In Frankreich wird vorgeschlagen, dass das sonst übliche Küssen auf beide Wangen vorsichtshalber unterbleiben soll.

Panik auch an den Weltbörsen

Panik gab es aber nicht in den Orten, wo es die ersten Infizierten gab, sondern auch die Börse wurden in der letzten Woche weltweit infiziert, wobei die Inkubationszeit auch hier etwa zwei Wochen betrug. Denn in der ersten Woche nach dem Bekanntwerden des Coronavirus in China gab es zunächst Ende Januar/Anfang Februar noch neue Allzeithochs an der Wall Street und auch beim Dax. Den ersten Kurseibruch gab es am 24. Januar, nachdem bekannt wurde, wie stark sich das Virus auch im Ausland verbreitet.

Enorme Kursverluste weltweit wegen Rezessionsgefahren

Seit dem 24. Februar brachen der Dow-Jones-Index um etwa 10 Prozent von 29.000 auf unter 25.500 Indexpunkte und der deutsche Aktienindex um mehr als 13 Prozent von 13.600 auf unter 12.000 Indexpunkte. Der Dax gab am 28. Februar noch einmal um 3,89 Prozent auf 11.886 Indexpunkte nach. Die Kursverluste verschärften sich, weil es starke Rücknahmen bei ETFs gab. Die Börsen preisen damit eine möglich Rezession in China, aber auch in Deutschland schon jetzt ein. Der Einkaufsmanager-Index in China brach für Februar 2020 auf 35,7 ein, was ein Rekordtief ist und eine Rezession andeutet. Dies ist sogar geringer als in der Krise 2008/9. Keiner will in einem solchem Umfeld investieren.

Aktienbörsen in China überraschend stabil bisher

Zur Überraschung vieler Anleger und Analysten war der Shanghai Composite Index am 28. Februar gar nicht gefallen und in einem Monat sogar noch 4,3 Prozent gestiegen. Also dort, wo die Pandemie ihren Ursprung hatte, gab es die geringsten Kursverluste. In der letzten Woche gab der Shanghai Composite Index nur um 3,4 Prozent auf 2991 Indexpunkte nach.

Gibt es nun „Helikoptergeld“ als letzter Ausweg wie in Hongkong?

China gab den Banken Liquiditätshilfen und senkte die Zinsen. Dies wird nun von der US-amerikanischen Notenbank Fed auch erwartet. Die Europäische Zentralbank EZB hat hingegen nur wenig Spielraum einzugreifen. Sie hofft auf fiskalpolitische Maßnahmen der betroffenen Länder. In Honkong gibt es schon Helikoptergeld in Höhe von rund 1.000 Euro für jede Person vom Staat geschenkt, um den Konsum anzukurbeln und damit eine Rezession zu vermeiden. Wäre das wohl auch ein Vorbild für die EZB?

Zum Monatsende starke Verluste bei Silber, Gold und Palladium

Gold konnte zunächst vom Coronavirus profitieren und stieg am 24 Februar auf ein neues Jahreshoch von 1.660 US-Dollar/Unze, gab aber zwischen dem 25. und 28. Februar auf 1.587 DU/Unze nach, davon alleine am um 3,52 Prozent. Die Ursachen könnten außer Gewinnmitnahmen Margin-Calls sein. Dann versilbert man in der Not halt alles, was man noch hat, auch Gold.

Silber brach am 28. Februar sogar um 6,1 Prozent auf 16,66 US-Dollar/Unze ein. Sogar der vorherige Outperformer Palladium fiel am selben Tag um 10 Prozent auf 2.594 US-Dollar. In einem Jahr stieg der Palladiumpreis jedoch durch das „Dieselgate“ noch um 68,1 Prozent. Privatanleger können dies und andere Rohstoffe über die ETC (Exchange Traded Commodities) ausnutzen.

Flucht in Staatsanleihen als „sicherer Hafen“

Durch das Coronavirus fielen fast alle Asset-Klassen. Gestiegen sind nur die Kurse von 10-jährigen Bundesanleihen, die nun um null Prozent rentieren und auch die Kurse von den 10-jährigen US-Staatspapieren, mit einer Rendite von nur noch 1,2 Prozent. Dadurch erhöht sich wiederum die Gefahr einer inversen Zinsstruktur in den USA.

Ölpreise im freien Fall

Alle Industriemetalle verloren in der letzten Februarwoche erheblich an Wert. Auch hier wird eine Rezession eingepreist, besonders beim Ölpreis. So verlor der Brentölpreis in der besagten Woche 10 Prozent und rutschte auf 50 USD/Barrel. Der WTI-Ölpreis gab um 13 Prozent nach. Selbst der Bitcoin gab in einer Woche um 12,2 Prozent nach. In einem Jahr stieg der Bitcoin aber noch um 134,7 Prozent und war damit die beste Geldanlage weltweit.

Hohe Kursverluste an der Moskauer Börse

Die Moskauer Börse kam in der letzten Februarwoche ebenfalls unter die Räder. Der russische RTS-Index brach seit dem Hoch von 1.640 Indexpunkte um fast 20 Prozent auf nunmehr unter 1.300 Indexpunkte ein, davon allein am 28. Februar um 6,2 Prozent. Der Grund dafür war der stark gefallene Ölpreis. Russland selbst will sich durch einen Einreiseverbort von Chinesen schützen. Ob dies dauerhaft gelingt, muss abgewartet werden.

Kommt es zu einem neuen Krieg Türkei gegen Syrien?

Erschwerend hinzu kam am 28. Februar die Tötung von 33 Soldaten auf syrischen Boden bei einem Luftangriff auf Idlib. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan antwortete mit Raketenbeschuss und der Tötung von 70 Syrern. Es droht ein neuer Krieg Türkei gegen Syrien. Erdogan droht der Europäischen Union (EU) damit, 3,5 Millionen syrischen Flüchtlingen über die Grenze gen Westen zu lassen, wenn er keine Unterstützung von der EU bekomme. Zudem fordert er Unterstützung von der Nato im Falle eines möglichen Krieges gegen Syrien. Demnächst werden sich Erdogan und der russische Präsident Wladimir Putin treffen, um eine Eskalation zu vermeiden.

Was macht die Opec gegen den Ölpreisverfall?

Sehr wichtig ist zudem das nächste Treffen des Erdölkartells Opec, um einen weiteren Verfall der Ölpreise zu verhindern. Saudi-Arabien wird wohl vorschlagen, die Fördermengen um 1 Million Barrel pro Tag zu kürzen. Russland wird dem möglicherweise nicht zustimmen. Hier kann es zu Streit zwischen der Opec und Russland kommen. Im Fall einer Nichteinigung könnte der Ölpreis weiter einbrechen, worunter Russland und die Moskauer Börse wie auch der Rubel sehr leiden würden. Bisher gab der Rubel nur leicht auf 72 EUR/RUB nach.

(Andreas Männicke)


 


 

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