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Preisberatung der Bahn

Irrfahrt im Preislabyrinth

Spontane Reisen mit der Bahn kosten fast so viel wie mit dem Taxi: 228 Euro kassierte ein Bremer Bahnmitarbeiter für die IC-Fahrt ins 200 Kilometer entfernte Warburg und zurück. Im Regionalzug hätte die Reise 41 Euro gekostet. Das sind 187 Euro Unterschied bei nicht einmal 30 Minuten längerer Fahrzeit pro Strecke.

Keine gute Beratung

Der Test zeigt: Das Bremer Beispiel ist kein Einzelfall. Fünf Tester tourten durch Deutschland. Sie ließen sich in den DB-Reisezentren 19 großer Städte beraten, riefen die Bahnauskunft an, suchten im Internet und an Automaten nach günstigen Fahrschei­nen. Sogar per Handy fahndeten sie im mobilen Bahnportal nach Schnäppchen­tickets. Ihr Fazit: Weder die geschulten Bahnbe­rater noch ihre elektronischen Kollegen fanden stets die günstigste Verbindung. Ein Grund dafür ist das komplizierte Preissystem.

Wer nachfragt, fährt billiger

Deutlich wurde das unter anderem auf der Strecke von Berlin nach Bad Pyrmont, auf der sowohl ICE- als auch IC-Züge verkehren. Der ICE fährt zwar schneller, dafür warten die Reisenden in Hannover länger auf den Anschluss. Am Ende sitzen ICE- und IC-Passagiere in derselben S-Bahn nach Bad Pyrmont. Viele Berater empfahlen zunächst die teuren ICE-Züge. Die IC-Verbindung, die mit 13 Minuten längerer Fahrzeit 11 Euro spart, erwähnten sie, wenn überhaupt, erst auf Nachfrage.

Bahncard nur im Abo

Sparen können Reisende auch mit einer Bahncard 25. Sie senkt sowohl Normal- als auch Sparpreise um 25 Prozent. Deshalb rentiert sich die Bahncard 25 schon bei wenigen Fahrten im Jahr. Diesen Tipp gaben jedoch nur wenige Berater. In den DB-Reisezentren kombinierten die Mitarbeiter die Bahncard 25 nur selten optimal mit den Zusatzkarten. Die günstigen Karten für Partner und Jugendliche ließen sie außen vor. Am Telefon boten die Berater die Bahncard überhaupt nicht an.

Achtung: Die Bahncard 25, Bahncard 50 und Fan Bahncard gibt es nur im Abo. Wer sie nicht spätestens sechs Wochen vor Ablauf kündigt, zahlt für ein weiteres Jahr.

Auslandstickets unbekannt

An die Grenzen ihres Bahnlateins gerieten viele Berater, wenn die Tester nach Tickets ins Ausland fragten. Dabei verkauft die Deutsche Bahn auch einige Fahr­karten ihrer europäischen Partner, zum Beispiel Swiss-Pässe. In Kiel erklärte eine Beraterin offenherzig: „Damit komme ich zum ersten Mal in Berührung.“ Leicht hatten es die Mitarbeiter des Reisezentrums am Berliner Hauptbahnhof: Zufällig war dort ein Kollege der Schweizerischen Bundesbahnen zu Besuch. Der kannte natürlich die eigenen Tarife und empfahl die optimale Lösung. Doch andernorts wimmelten Verkäufer die Tester mit der Anregung ab, ihre Fahrkarten in der Schweiz zu kaufen.

Automaten ersetzen Berater

An kleinen Bahnhöfen ersetzen immer mehr Automaten die persönlichen Berater. Einfache Zugverbindungen finden die DB-Automaten meist problemlos. Ihr Vorteil: Sie bevorzugen nicht standardmäßig die teuren ICE-Züge. Stattdessen fragen sie Fahrgäste nach ihren Wunschzügen. Folglich können Automaten auch im ersten Anlauf preisgünstige Züge anzeigen. Schwierigkeiten bereiten ihnen dagegen Fahrräder. Die Automaten filtern weder nach Zügen, die Fahrräder trans­por­tie­ren, noch können sie Radstellplätze reservieren. Das ist schade, denn Rad­fahrer dürfen in immer weniger Zügen mitfahren. Die Deutsche Bahn baut beständig ihre fahrradfreie ICE-Flotte aus. Wer sein Rad mit auf Reisen nehmen will, muss oft weite Umwege fahren. Und an günstige Sparpreise kommt er mitunter nicht heran.

Viele Infos liefert bahn.de

Am besten kommen Fahrgäste mit der Internetseite der Deutschen Bahn ans Ziel. Wer auf www.bahn.de das lästige Kästchen „schnelle Verbindung bevorzugen“ deaktiviert, bekommt rasch günstige Fahrkarten angezeigt. In der erweiterten Suche können Radler nach Zügen filtern, die ihre Fahrräder mitnehmen. Und die dazu­ge­hörigen Fahrrad­stellplätze reservieren sie bei der Onlinebuchung praktischer­weise gleich mit. Im Menüpunkt „Angebotsberatung“ stehen alle wichtigen Informationen übersichtlich beisammen: von Ländertickets über Sparpreise bis hin zu Bahncards für Partner und Kinder. Für Bahnreisen ins Ausland führen Links direkt zu den Sonderpreisen und Pass-Angeboten. Mit ein bisschen Suchen finden Schweiz-Reisende so auch die Swiss-Pässe.

Tipps:

  • Kritisch nachfragen: Verlassen Sie sich am Schalter nicht auf die erstgenannten Preise. Fragen Sie gezielt nach günstigeren Verbindungen, wenn Sie möglichst preiswert reisen wollen. Der Test zeigt: Oft empfehlen die Berater zuerst teure Züge.
  • Haken entfernen: Auch bei der Preissuche im Internet erscheinen zuerst teure Schnellzüge. Entfernen Sie das Häkchen im Kasten „Schnelle Verbindung bevorzugen“. Mit dem Kasten „Nur Nahverkehr“ können sie nach billigen Regionalzügen suchen.
  • Früh buchen: Die Bahn schaltet ihre Sparpreise 92 Tage vor der Reise frei. Wer so weit im Voraus planen kann, sollte zuschlagen. Denn die günstigsten Fahrkarten sind oft innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Nachteil: Sparpreise sind an bestimmte Züge gebunden und lassen sich nicht umbuchen.
  • Rabatte kombinieren: Die Bahncard 25 lohnt sich schon bei wenigen Fernfahrten im Jahr. Sie senkt nicht nur Normal-, sondern auch Sparpreise um 25 Prozent.
  • Abo kündigen: Mit dem Kauf einer Bahncard schließen Sie ein Abo ab – Mindestlaufzeit: ein Jahr. Denken Sie daran, die Bahncard spätestens sechs Wochen vor Ablauf schriftlich zu kündigen, wenn Sie das Abo nicht um ein weiteres Jahr verlängern wollen.
  • 1. Klasse reisen: Wenn die Sparpreise in der 2. Klasse vergriffen sind, gibt es manchmal noch Sparpreise in der 1. Klasse. Die kosten oft weniger als Normalpreise in der 2. Klasse.
  • Ländertickets nutzen: Achten Sie auf Ländertickets. Damit reisen bis zu fünf Personen einen Tag lang in Regional­zügen für 26 bis 35 Euro. Oft gelten sie in mehreren Bundesländern gleichzeitig. Beispiel: Das Sachsen-Anhalt-Ticket gilt auch in Sachsen und Thüringen. Das Schleswig-Holstein-Ticket berechtigt auch zu Fahrten in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.
  • Kinder eintragen: Kinder bis 14 Jahre fahren kostenlos bei den Eltern oder Großeltern mit. Einzige Voraus­setzung: Sie müssen beim Kauf auf der Fahrkarte eingetragen werden.
  • Billiger kaufen: Kaufen Sie Ihre Fahrkarten am Automaten oder im Internet. Länder- und Wochenendtickets kosten dort 2 Euro weniger als am Schalter. Und für Sparpreise berechnen die Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Schalter oder Telefon sogar 5 Euro extra.
  • Handy einschalten: Der sogenannte DB Railnavigator lädt Fahrpläne aufs Handy und zeigt, welche Züge pünktlich ankommen. Wer mit seinem Handy eine Internetverbindung zu mobile.bahn.de herstellt, kann auch die Fahrkarte buchen und auf dem Handy speichern.
  • Streit schlichten: Verspätete Züge, verpasste Anschlüsse, Annullierungen – mit Beschwerden müssen sich Fahrgäste zunächst an die Bahn selbst wenden. Erreichen Sie keine zufriedenstellende Lösung, können Sie Schlichtungsstellen einschalten. Die zentrale Schlichtungsstelle öffentlicher Personenverkehr sitzt in der Fasanenstraße 81 in 10623 Berlin.

(Stiftung Warentest)


 


 

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