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Berlinpolis

Noch eine Rüge für Undercover-PR

Die umstrittene Berliner PR-Agentur Berlinpolis, die im Auftrag der NRW-Landesregierung das Clustermanagement Kultur- und Kreativwirtschaft übernehmen sollte, hat erneut eine öffentliche Rüge des Deutschen Rates für Public Relations (DRPR) erhalten. Grund: Verdeckte PR-Maßnahmen für den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie im Jahr 2008.

Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat auf seiner Sitzung am vergangenen Freitag in Düsseldorf eine öffentliche Rüge gegen den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), die Agentur EPPA, die Agentur Berlinpolis und die Denkfabrik Berlinpolis ausgesprochen. Anlass sind verdeckte PR-Maßnahmen aus dem Jahr 2008 für den Biokraftstoff-Verband. Beide Agenturen und der Think Tank Berlinpolis waren vom DRPR bereits für „no badge“-Aktivitäten im Auftrag der Deutschen Bahn AG öffentlich gerügt worden.

Das Pikante daran: Berlinpolis sollte eigentlich aktuell im Namen der NRW-Landesregierung für drei Jahre als "Clustermanager für Kultur- und Kreativwirtschaft" arbeiten. Der 1,8 Millionen Euro-Auftrag dafür war vom Wirtschaftsministerium in Düsseldorf vergeben worden, nachdem die Organisation LobbyControl die verdeckte Kampagne von Berlinpolis für die Deutsche Bahn bereits aufgedeckt hatte. Angesichts der sich abzeichnenden neuen Rüge durch die Standesvertretung im Fall "Biokraftstoff" zog das NRW-Wirtschaftsministerium im letzten Monat die Reißleine und löste den Vertrag mit der PR-Agentur "im gegenseitigen Einvernehmen" auf. Zuvor hatte schon Agenturchef Dr. Daniel Dettling seine Funktion als Clustermanager für Kultur- und Kreativwirtschaft Nordrhein-Westfalen ruhen lassen.

Das Strickmuster im jetzt gerügten Fall war ähnlich wie bei den Undercover-Aktionen für die Deutsche Bahn. Auch hier betätigte sich die EPPA GmbH als der Auftragnehmer, der wiederum Berlinpolis mit den Maßnahmen beauftragte. Zu denen gehörten Leserbriefe und Fachartikel in Medien, ein Themenportal im Internet, eine Forsa-Umfrage und eine Podiumsdiskussion - alles ohne Nennung des Auftraggebers. Zudem fand ein Text aus der VDB-Kampagne seinen Weg auf ein Online-Portal der NRW-Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, das damals von Berlinpolis betreut wurde. Das bewertet der DRPR als  "intransparentes Lobbying". Jede dieser verdeckten Aktionen stelle einen Verstoß gegen verschiedene Kodizes der PR-Branche dar, insbesondere gegen das Transparenzgebot des Verbandes zur Kontaktpflege im öffentlichen Raum.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) akzeptiert als Auftraggeber die erteilte Rüge, schmolt allerdings etwas und verweist auf  "die sehr aktive Rolle des Verbandes im Verfahren". Man habe als einzige Verfahrensbeteiligte wesentlich zur Aufklärung der Vorwürfe beigetragen. "Schon nach einem halben Jahr haben wir die Zusammenarbeit mit Berlinpolis aufgekündigt, obwohl eine längere Kooperation vorgesehen war. Diese Entscheidung haben wir ohne Druck von Außen getroffen, weil wir uns gegen weitere Kommunikation dieser Art und gegen verdeckte PR entschieden haben. Dies hat der DRPR bei seiner Entscheidungsfindung leider nicht berücksichtigt und uns für einen Vorgang gerügt, der für uns seit eineinhalb Jahren abgeschlossen ist“, bedauerte Claus Sauter, Präsident des VDB.
„Obwohl wir die Rüge akzeptieren, hätte unter den beschriebenen Umständen auch eine Mahnung erfolgen können. Denn wir haben unseren Fehler erkannt und abgestellt, deshalb trifft die Rüge nicht den Richtigen.“

(Redaktion)


 

 

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