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Wertberichtigungssysteme tatsächlich effizient?

Eine Studie von Deloitte Touche zeigt Optimierungsbedarf bei den vorhandenen Werberichtigungssystemen auf. Die Deloitte-Studie "Bewertung von Ratenkrediten - Wertberichtigungssysteme in der Praxis" befragte zahlreiche Banken und Sparkassen zu deren Ansätzen und Einschätzungen.

Die Finanzmarktkrise und neue Forderungen der Bankenaufsicht nach Wertberichtigungen haben die Diskussion über Angemessenheit und Eignung entsprechender Systeme wieder entfacht. Die Ergebnisse zeigen ein breites Verfahrens- und Methodenspektrum zur Messung der Kreditausfallrisiken. Ein Standard hat sich bisher aber nicht herausgebildet, wenn auch ein Trend zu mathematisch-statistischen oder empirischen Modellen erkennbar ist.

"Wertberichtigungen müssen Kreditrisiken transparent machen. Sie dienen nicht nur der Rechnungslegung nach HGB und IFRS, sondern sind auch für das Bankaufsichtsrecht bedeutsam. Die Systeme sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden - unsere Studie zeigt, dass Kreditinstitute häufig separate, eigens entwickelte Lösungen einsetzen. Unter praktischen und Kostengesichtspunkten wären einheitliche Bewertungssysteme für HGB und IFRS jedoch wünschenswert", erklärt Dr. Ulrich Braun, Partner Financial Services bei Deloitte.

Risikoabstufung nach Weiß-, Grau- und Schwarzbereich

Generell unterteilen Banken die Kreditportfolien in drei Risikokategorien: Weiß-, Grau- und Schwarzbereich. Während im Weißbereich noch keine Risiken erkennbar sind, zeigen sich in der grauen Kategorie bereits erhöhte Ausfallrisiken z.B. durch Rückstände oder Mahnungen. Notleidende Forderungen werden dem Schwarzbereich zugeordnet, wobei die Bewertung lediglich auf den erwarteten Zahlungseingängen und Verwertungserlösen aus Sicherheiten basiert. Für Kredite im Weiß- und Graubereich zählt zusätzlich die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Forderungsausfalls.

IFRS: stärkere Nutzung von empirischen Methoden

Bereits die Hälfte der Banken nutzt einheitliche Wertberichtigungssysteme, wenn die Risikovorsorge neben den Regeln des HGB auch nach IFRS zu berechnen ist. Die Verwendung unterschiedlicher Systeme führt nicht nur zu erhöhtem Aufwand, sondern erschwert auch die Steuerung durch stark voneinander abweichende Ergebnisse. Tendenziell haben Banken mit IFRS-Rechnungslegung komplexere und weiterentwickelte Systeme.

HGB vs. IFRS: Weiterentwicklung erwünscht

Bemerkenswert ist die Einschätzung der Befragten zu einer nötigen Weiterentwicklung der bisherigen Wertberichtigungskonzepte. Während für das HGB kein grundlegender Anpassungsbedarf gesehen wird, halten die meisten Banken eine Überarbeitung der betreffenden IFRS-Vorschriften für erforderlich. Zu den diskutierten Ansätzen wie Expected-Cashflow-Modell des IASB, Dynamic Provisioning oder Fair-Value-Ansätzen konnte hingegen kein klares Meinungsbild festgestellt werden.

"Die Bildung von Wertberichtigungen nach steuerlichen Vorschriften unterzeichnet oftmals das tatsächliche Kreditausfallrisiko - dies kann zu einer verspäteten Bildung der erforderlichen Vorsorge führen", warnt Dr. Ulrich Braun. "Die Finanzmarktkrise hat gezeigt, dass eine späte Vorsorgebildung die wirkliche Risikolage nicht angemessen widerspiegelt und im Abschwung krisenverschärfend wirken kann. Neue Ansätze zielen auf eine frühzeitige Berücksichtigung von inhärenten Ausfallrisiken und die Verringerung der konjunkturell bedingten Schwankungen ab."

(ots)


 


 

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