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Cluster Creative.NRW

Werner Lippert: "Die Kreativen haben wirtschaftliche Power – die müssen wir nutzen"

Werner Lippert leitet zusammen mit Christian Boros das Clustermanagement Kultur- und Kreativwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Der ausgewiesene Kenner der Kultur- und Kreativszene ist Berater für Corporate Culture und betreut mit der Firma Projects GmbH ganzheitliche Design-Projekte und Aufgaben im Bereich der Umsetzung der Neuen Medien sowie Produktionen von Multimedia- und Online-Applikationen. Außerdem leitet Lippert seit 1998 das Ausstellungsmanagement des NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf. Im Interview mit ruhr.business-on.de erläutert er Ziele und Aufgaben des Cluster Creative.NRW.

ruhr.business-on.de: Warum wurde die neue Standortagentur Creative.NRW gerade jetzt gegründet?

Werner Lippert: Das nordrheinwestfälische Wirtschaftsministerium unterstützt eine ganze Reihe von Wirtschaftsclustern in NRW, die es für besonders zukunftsträchtig hält. Da gehört das Automotive-Cluster ebenso dazu wie das Biotec-Cluster und andere. 2009 wurde in diesem Rahmen ein Cluster für die Kultur- und Kreativwirtschaft gegründet, denn diese Branche bildet in NRW den zweitstärksten Wirtschaftszweig. Kurios daran ist, dass sich kaum jemand des ökonomischen Potenzials dieser Branche bewusst ist – nicht einmal die Kreativen selbst. Diese wirtschaftliche Power lässt sich aber viel gezielter und nachhaltiger nutzen als bisher und spielt als Standortfaktor eine große Rolle.

ruhr.business-on.de: Die Kreativwirtschaft ist allerdings sehr heterogen, bringt das nicht Probleme mit sich?

Werner Lippert: Die enorme Breite der Kreativwirtschaft ist sowohl ihre Stärke wie auch ihr Problem. Die meisten Unternehmen oder Unternehmer in diesem Bereich sind One-Man-Shows. Es gibt wenig größere Firmen. Einige Werbeagenturen haben allerdings bis zu 300 Beschäftigte. Aber das war es dann auch schon fast an größeren Betrieben. Einerseits kann wegen der Vielfalt an Möglichkeiten diese Zersplitterung aus kreativer Sicht durchaus eine Stärke sein. Andererseits erschwert diese Kleinteiligkeit aber die Darstellung und Etablierung des Teilclusters als einflussreiche Branche. Wenn ich über Automotive in NRW rede, spreche ich über zwei Automobilunternehmen und 55 Zulieferer und schon habe ich die gesamte Branche erfasst. Bei der Kreativwirtschaft rede ich über 150.000 zum Teil hoch spezialisierte Menschen, von denen jeder eine eigene Firma repräsentiert.

"Die Kreativen haben zusammen eine hohe Zukunftsfähigkeit."

ruhr.business-on.de: Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Kreativwirtschaft angesichts dieser Situation?

Werner Lippert: Allen gemeinsam ist, dass die Kreativen zusammen nicht nur eine hohe Wirtschaftskraft, sondern auch eine hohe Zukunftsfähigkeit haben. Nordrhein-Westfalen ist in dieser Hinsicht schon einen sehr weiten und recht gut funktionierenden Weg gegangen, der das Land von der Schwerindustrie in die Wissensgesellschaft geführt hat. Aber noch immer wird die Kreativwirtschaft häufig als eine schöne Spielwiese angesehen. Wir wollen das Bewusstsein dafür stärken, dass dieser Teil der Wirtschaft keine Verlegenheitslösung ist, sondern direkt in die Zukunft führt. Die Tatsache, dass die Branche eine hohe Relevanz für die Lebensfähigkeit des Wirtschaftsstandortes NRW hat, halten wir für extrem förderungswürdig. Denn mit den traditionellen Arbeitsmärkten wie Industrieproduktion, Stahl oder Bergbau liegen wir heute schon hoffnungslos hinter China, der Mongolei oder Indien zurück. Wir kommen nicht darum herum, unsere Rolle im globalen Wirtschaftsleben neu zu definieren. Und da sind Innovation und Kreativität die treibenden Kräfte.

ruhr.business-on.de: Wie sieht hier das Engagement des Clusters Creative.NRW konkret aus?

Werner Lippert: Das Kreativ-Cluster hat sich drei Aufgaben gestellt. Erstens: Wir vernetzen die Kultur- und Kreativwirtschaft, damit nicht mehr jeder nur für sich werkelt. Es gibt schon viele Ansätze, um zum Beispiel den Designbereich zu vernetzen. Aber wir wollen auch die Felder Kunst, Fotografie oder Grafik miteinander verbinden und untereinander stärker vernetzen. Zweitens: Wir wollen die Kreativwirtschaft als ein Ganzes mit einem Markenzeichen versehen und branden. Das heißt nicht, dass wir alle in einen Topf werfen wollen. Aber wir haben ein gemeinsames Logo entwickelt, unter dem man sich gemeinsam als Wirtschaftszweig präsentieren und so die gesamte Stärke darstellen kann. Drittens: Wir wollen als Makler fungieren. Wir möchten zwischen den Kreativen und der Politik vermitteln und dabei Sprach- beziehungsweise Verständnisprobleme aus der Welt räumen.

Bisher spricht jede dieser Gruppen mit einem eigenen Vokabular. Vereinfacht gesagt, denken die einen in Ideen und die anderen in Wirtschaftsplänen und Zahlen. Da wollen wir vermitteln, damit Fördermaßnahmen und Antragstellungen nicht an verschiedenen Denkweisen scheitern. Hinzu kommt, dass wir in diesem Bereich rund 4.000 Fördertöpfe zur Verfügung haben. Wer findet sich da noch zurecht? Auch hier wollen wir eine Lösung finden, denn im Moment werden viele Anträge gar nicht erst gestellt, weil die Kreativen in diesem Dschungel für sich gar keine Aussicht auf Erfolg sehen. Und ebenso wollen wir auf Seiten der Politik und der Verwaltung Verständnis für die Herangehensweise und die Bedürfnisse der Kreativen fördern. Dabei tragen wir auch gemeinsame Probleme an die Politik heran, wie zum Beispiel die Suche nach bezahlbaren kreativen Quartieren.


 


 

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