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Essener Unternehmen

Gesundheitsförderung top - Nachfolgeplanung flop

Der Essener Unternehmensverband hat den „Demografie-Scout“ in seine Firmen geschickt und zieht nun Bilanz: Laut EUV stehen viele Unternehmen beim Demografieprozess noch ganz am Anfang.

Der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel werden bekanntermaßen die Wirtschaft in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen. Um seine Mitgliedsfirmen darauf vorzubereiten, hat der Essener Unternehmensverband (EUV) den „Demografie-Scout“ in seine Mitgliedsfirmen geschickt. Im Rahmen dieses gemeinsamen Projektes mit dem iap Institut für Arbeit & Personal der FOM Hochschule analysierte der „Demografie-Scout“, wie sich die Altersstruktur des Unternehmens in den kommenden 15 Jahren entwickelt und wie die Demografiefestigkeit erhöht werden kann. 

43 EUV-Mitgliedsfirmen mit insgesamt fast 24.000 Mitarbeitern nutzten 2012-2013 das kostenfreie Zusatzangebot des Verbandes. Jetzt zog der EUV Bilanz. Fazit: „Die Essener Firmen tun bereits viel, vor allem für die Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter. Darüber hinaus sehen die meisten Firmen aber einen akuten Handlungsbedarf erst in ein paar Jahren“, sagt Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des EUV. „Das Projekt hat gezeigt: Beim Demografieprozess stehen viele Firmen noch ganz am Anfang.“

Fachkräftebedarf steigt

Der Verband geht davon aus, dass vor allem Firmen dieses Angebot genutzt haben, die den demografischen Wandel und dessen Auswirkungen bereits auf der Agenda haben. „Das Thema ist aber noch nicht in allen betroffenen Unternehmen angekommen. Das zeigen uns beispielsweise unsere halbjährlichen Konjunkturumfragen. Der Anteil der Firmen, die einen Fachkräftemangel beklagen, ist in den letzten Jahren konstant gestiegen.“ In der letzten Umfrage des EUV beklagten bereits ein Fünftel der befragten Firmen einen akuten Fachkräftemangel. Steigenden Fachkräftebedarf in den kommenden drei Jahren sahen bereits gut 40 Prozent der Betriebe.

Gesundheitsförderung liegt vorne

In einzelnen Punkten sind die Firmen bereits aktiv oder planen jetzt nach der Demografieanalyse entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Ganz vorne liegt hierbei die Gesundheitsförderung und Prävention. „Die Handlungsmöglichkeiten der Firmen sind hier jedoch begrenzt, da eine gesunde Lebensweise zu einem großen Teil im persönlichen Verantwortungsbereich eines jeden Mitarbeiters liegt“, so Ulrich Kanders. „Bestimmte punktuelle Maßnahmen sind im Betrieb aber ohne großen finanziellen Aufwand ad hoc umsetzbar. Hierzu zählt die Förderung der Bewegung am Arbeitsplatz, gesundes Kantinenessen, Betriebssport oder eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.“ Viele Produktionsbetriebe setzen neben den ohnehin vorgeschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen bereits weitere Gesundheitsschutzmaßnahmen um, z.B. durch verbesserten Gehörschutz, Hebehilfen oder Tragehilfen.

Wissensmanagement stärken

Nachholbedarf gibt es in Sachen Nachfolgeplanung und Wissensmanagement: Eine ausgewogene Altersstruktur erhöht auch insoweit die Demografiefestigkeit. Jüngere Mitarbeiter profitieren von dem großen Erfahrungsschatz älterer. Bei einer alternden Belegschaft droht durch verhältnismäßig viele Renteneintritte Know-how- Verlust . Gerade in Vertriebs- und IT-Abteilungen können die umfangreichen Produktkenntnisse erfahrener Mitarbeiter nicht in kurzer Zeit erworben werden. Weiterer Druck entsteht hier aktuell auch durch die Rentengesetzgebung der neuen Bundesregierung, wonach wieder ein früherer Rentenzugang ermöglicht wird.

Fazit: Personalstrategie entwickeln

„Die Firmen sind kurzfristig gesehen noch einigermaßen für den demografischen Wandel gerüstet“, resümiert EUV-Hauptgeschäftsführer Ulrich Kanders. „Jetzt stehen sie vor der Herausforderung, mittelfristig ein Gesamtkonzept für eine demografiefeste Personalstrategie zu entwickeln. Unsere Aufgabe als Verband ist es, unseren Mitgliedsfirmen zukünftig weiter Unterstützung zur Umsetzung der Demografiefestigkeit anzubieten.“

Ergebnisse in der Zusammenfassung:

• Das Durchschnittsalter der Beschäftigten betrug im Jahr 2013 42,7 Jahre.
• Bis 2018 steigt das Durchschnittsalter auf 51,8 Jahre an
• Im Jahr 2013 war die Altersgruppe der 46- bis 50-Jährigen in den Firmen überproportional häufig vertreten. In den kommenden Jahren steigt in vielen Firmen daher der Anteil der über 50-Jährigen stark an.
• Einige Unternehmen werden bereits in den nächsten fünf Jahren mit einer deutlichen Alterung der Belegschaft und Renteneintritten konfrontiert. Teilweise wird die Belegschaft bis 2028 um bis zu 40 Prozent verringert. Daraus ergibt sich ein hoher Rekrutierungsbedarf
• Der Anteil der über 60-jährigen in den Unternehmen wird sich bis 2018 vervierfachen
• In Produktionsunternehmen war der Altersdurchschnitt und die Betriebszugehörigkeit höher als im Dienstleistungssektor. Das weist auf eine höhere Fluktuation in Dienstleistungsunternehmen hin.

(Redaktion)


 


 

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