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Der Kulturspaziergang

Helge Schneider gehorcht mir nicht

Pluriversum, die erste große Museumsausstellung des Filmemachers und Autors Alexander Kluge, präsentiert vom Museum Folkwang anlässlich des 85. Geburtstags des Künstlers, wird von einem hochkarätigen Veranstaltungsprogramm begleitet. Helge Schneider, ein langjähriger Weggefährte Kluges, wird der Einladung zum Dialog sicher folgen.

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, studiert Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik in Freiburg. 1956 promoviert er über die „Universitäts-Selbstverwaltung“, wird als Rechtsanwalt in Berlin und München zugelassen, juristischer Berater des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und ein Vertrauter von Adorno. In dieser Zeit volontiert er bei Fritz Lang, der seinen Film „Der Tiger von Eschnapur“ dreht. 1960 dreht Kluge zusammen mit Schamoni seinen ersten Kurzfilm, der bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen ausgezeichnet wird. 1962 erscheint sein Prosaband „Lebensläufe“ aus dem er auf Einladung bei der Gruppe 47 liest. Für seinen Film „Abschied von gestern“ mit seiner Schwester Alexandra Kluge in der Hauptrolle erhält er 1966 den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig.

Das ist nur der Anfang eines langen schöpferischen, phantasievollen, erfinderischen, vom Wissens- und Forschungsdrang getriebenen, erkenntnisreichen Lebens eines der vielseitigsten Intellektuellen in Deutschland. Als Autor und Filmemacher ist er gleichzeitig Sammler von Ereignissen, Erlebnissen und Erfahrungen. Die Geschichte, der Kosmos, die persönliche Begebenheit sind Stoff für literarische und wissenschaftliche Publikationen oder filmische Montagen.

Dies in einer Ausstellung sichtbar und erlebbar zu machen, erforderte Neuproduktionen und Rauminstallationen für das Museum. „Die Leute laufen in großer Freiheit umher“, erzählt Kluge. „Literatur, Bücher in einer Ausstellung, Fernsehsachen, Filme, Dialoge - konnte ich mir abschminken.“ Alexander Kluge, der zusammen mit der Kuratorin Anna Fricke diese komplexe Ausstellung erarbeitet hat, sieht das Museum als Werkstatt für Neues, einen Ort um neue Zusammenhänge herzustellen.

Die Ausstellung ist gegliedert in sechs Räume und beginnt mit der „Sternenkarte der Begriffe“, einer Vorstellung der Schlüsselbegriffe Kluges - Bodenhaftung, Ohr, Zirkus sind nur einige. Das „Arbeitszimmer“ zeigt Geräte und Arbeitsweisen, Bücher und Filme. Das „Gedächtnis der Bilder“ stellt den über Jahrzehnte erarbeiteten „Atlas“ vor, filmische Sequenzen und Versuchsreihen, die die Entwicklung der Filmgeschichte im Zeitalter der Digitalisierung thematisieren. Das „Pluriversum der Bilder“, eine raumfüllende Videoinstallation, verknüpft vorfilmische Fotografien mit abstrakten Filmen und Dokumentationen.

Deutlich wird in der Ausstellung wie der Universalgelehrte Alexander Kluge ein Netzwerk geschaffen hat. In Kooperation mit Künstlern und Wissenschaftlern, in der Verknüpfung sehr unterschiedlicher Themen ist dieses Werk entstanden und entwickelt sich weiter. Eine Aufforderung zum „Mut sich des eigenen Verstandes zu bedienen“.

Pluriversum
15. September 2017 bis 7. Januar 2018
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen

(Ulrike Liedtke)


 


 

Kulturspaziergang
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