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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Friedensmarsch nach Aleppo - Viele Helfer am Wegesrand

Auf dem Weg nach Aleppo. Zu Fuß. Jeden Tag etwa 20 Kilometer. Unser Kolumnist begleitete einige Tage den Friedensmarsch “Civil March for Aleppo” durch die Tschechische Republik - und lernte Hilfsbereitschaft pur kennen.

Wenn es einem schlecht geht, lernt man die Menschen richtig kennen. Wir hatten kaum die Grenze nach Tschechien überschritten, erzählte mir ein Weggefährte, als wir von großer Hilfsbereitschaft überrascht wurden.

Die Menschen standen am Wegesrand und boten den Friedensmarschierern Essen an und am Abend einen Platz zum übernachten. Als ich mich kurz vor Prag im Dorf Veltrusy dem Friedensmarsch anschloss, hatten die rund 50 Menschen, die da gerade in Tour waren, gerade in einem Feuerwehrhaus die Nacht verbracht. Am Abend vorher kochten die Frauen der Feuerwehrmänner Suppe, und man saß noch lange zusammen und sprach über den Krieg in Syrien und seine Folgen.

Anna Alboth, Journalistin und Autorin des Reise-Blogs „The Family Without Borders“, ist die Initiatorin der Aktion “Civil March for Aleppo”. Mittlerweile gehören dutzende Menschen aus verschiedensten Ländern dem Organisationsteam an und einige Tausend Menschen sind seit Weihnachten unterwegs auf diesem mehr als 3500 Kilometer langen Fußweg. Einige marschieren - so wie ich - nur wenige Tage oder Wochen mit, andere werden mehr als neun Monate unterwegs sein. Mehr Infos gibt es hier.

Die Friedensmarschierer haben sich viel vorgenommen. Sie laufen rund 20 Kilometer jeden Tag. Jetzt im Winter bei Eiseskälte und Schnee ist dieses Unternehmen besonders anstrengend. Während auf den glatten Straßen ein Vorankommen noch einigermaßen angenehm ist, sind die vereisten Wege bergauf und bergab schon große Herausforderungen.

Doch von schlittrigen Pfaden lassen sich die Menschen nicht stoppen. Sie wissen sehr wohl, dass die Flüchtlinge aus Syrien, die den umgekehrten Weg gelaufen sind, viel größere Strapazen auf sich genommen haben.

Und schließlich gibt es ja viel Unterstützung von der Bevölkerung. Am ersten Abend, als ich mit dabei bin, übernachten wir in einer Yoga-Schule. 30 von uns in einem kleinen Raum. Schulter an Schulter, Isomatte an Isomatte, Schlafsack an Schlafsack.

Ungefähr die Hälfte von uns wurde allerdings von Bewohnern des Dorfes Roztoky aufgenommen. Ein Mann bot fünf Schlafplätze an, eine Frau zwei, eine weitere Frau für vier Personen Übernachtunsmöglichkeiten und so weiter. Darüber hinaus gab es noch Essen und Trinken und die Gelegenheit zum Duschen.

Einige andere Bewohner hatten sich auch schon um das Abendessen für uns in der Yogaschule gekümmert - Schnittchen mit Leberwurst und Käse, Salate, Suppen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist ein ganz besonderes Gut in diesen Zeiten. Deutschlands Edeldichter Johann Wolfgang von Goethe hat ja schon davon geschrieben: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.

Vielleicht war Goethe deswegen so gerne und so viel auf Reisen, weil er schon zu seiner Zeit unterwegs auf so viel Hilfsbereitschaft traf.

Zu Goethes Zeiten war Reisen beschwerlicher als heute, wo der normale Tourist mit dem Flugzeug, dem Zug oder dem Auto unterwegs ist. Den Weg nach Aleppo absolvieren die Friedensmarscher konsequent zu Fuß. So sehen wir Prag von einer ganz anderen Seite, nähern uns auf vereisten Wegen Kilometer für Kilometer dem Zentrum der Stadt und freuen uns über die Einladung eines Priesters in seinem Gotteshaus, wo er uns ein Mittagessen serviert: Links gibt es die Gulasch-, rechts die vegetarische Suppe.

Anna Alboth, begleitet von Ehemann und zwei kleinen Töchtern, ist immer wieder überwältigt von der großen Gastfreundschaft der Tschechen. Auch in der Hauptstadt der Tschechischen Republik werden wir von den Bewohnern mit offenen Armen empfangen. Hunderte Menschen begleiten den Friedensmarsch zur russischen und syrischen Botschaft und dann zur Innenstadt, wo eine Kundgebung stattfindet.

Wir übernachten in einem Kulturzentrum, der MeetFactory, wo man uns unter anderem mit einer herrlichem Gemüsequiche versorgt.

In Prag verabschiede ich mich zunächst vom “Civil March for Aleppo”. In der nächsten Monaten werde ich sicher noch einmal dazustoßen. Gelegenheiten gibt es ja genug. Der Weg ist lang. 3500 Kilometer. Bis September noch wird der Friedensmarsch dauern.

(Peter Jamin)


 


 

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