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Arbeitslosigkeit

Risiko des Jobverlusts in handelsintensiven Dienstleistungsbranchen höher

In stark vom Handel abhängigen Dienstleistungsbranchen ist das Arbeitslosigkeitsrisiko sehr viel höher als in anderen Branchen. Zwischen Handelsintensität und dem Risiko des Jobverlusts besteht demnach ein deutlicher Zusammenhang.

Dies zeigt eine neue Untersuchung mit Hilfe der statistischen Daten der von Infratest Sozialforschung im Auftrag des DIW Berlin erhobenen Längsschnittsstudie Sozio-Oekonomisches Panel (SOEP). Gleichzeitig zeigt die von der Münsteraner Volkswirtin Maren Lurweg durchgeführte Studie auch, dass die Qualifikation eines Arbeitnehmers keine Rolle bei der Frage spielt, ob sein Job potentiell ins Ausland verlagert werden kann oder nicht.

Arbeitsplätze in der Dienstleistungsbranche in Deutschland sind immer mehr vom internationalen Handel abhängig: Seit 1995 sind die realen Bruttoimporte von Dienstleistungen um 85 Prozent gestiegen, die realen Bruttoexporte sogar um 132 Prozent. Am stärksten betroffen war der Sektor der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, mit weit über 200 Prozent Anstieg von Bruttoimporten und -exporten.

Ungefähr 35 Prozent der Jobs in der deutschen Dienstleistungsbranche sind potentiell von einer Verlagerung ins Ausland bedroht. "Unsere Untersuchung zeigt, dass Beschäftigte in den Dienstleistungssektoren, in denen viel gehandelt wird, einem erhöhten Arbeitslosigkeitsrisiko unterliegen - die Wahrscheinlichkeit des Jobverlusts ist hier etwa 50 Prozent höher", sagt die Autorin Maren Lurweg (Universität Münster). Auch sei die durchschnittliche Dauer einer Anstellung hier mit 3,6 Jahren etwas niedriger als in den Dienstleistungssektoren, die nur geringfügig in internationale Handelsströme integriert seien (3,9 Jahre). Zu den handelsintensiven Branchen gehören unter anderem die Finanz-, Versicherungs- und Kommunikationsdienstleistungen, typische nicht handelsintensive Branchen sind zum Beispiel Bildung, Sozialdienstleistungen und Gesundheit.

Angst vor dem Jobverlust wächst

Die Untersuchungen wurden mit Hilfe von Daten der am DIW Berlin angesiedelten Längsschnittserhebung Sozio-Oekonomisches Panel (SOEP) angestellt. Die Befragungsdaten werden von Infratest Sozialforschung (München) erhoben. Das DIW Berlin stellt sie als Teil der deutschen "Forschungs-Infrastruktur" Universitäten und Forschungseinrichtungen für eigene Analysen zur Verfügung. Untersucht wurde von Ma ren Lurwegdabei nicht nur das objektive Risiko des Jobverlusts, sondern auch die subjektive Angst davor. Das Ergebnis: Diese Angst ist sowohl in handelsintensiven als auch bei nicht handelbaren Dienstleistungen hoch. "In den handelsintensiven Dienstleistungssektoren machen sich mehr als 50 Prozent der Angestellten Sorgen um ihren Arbeitsplatz", sagt Maren Lurweg, seit Mitte der 90er Jahre sei diese Zahl gestiegen.

Entscheidend für die Angst vor dem Jobverlust ist eine Reihe von Faktoren: Angestellte in Ostdeutschland machen sich zum Beispiel mehr Sorgen als ihre Kollegen in Westdeutschland, gleiches gilt für Menschen mit gesundheitlichen Problemen oder für Menschen, die geschieden oder verwitwet sind. Überraschenderweise hat das Bildungsniveau kaum Einfluss auf die Angst vor dem Jobverlust. "Das mag auf den ersten Blick überraschend sein, deckt sich aber mit unserem objektiven Befund", sagt Maren Lurweg: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Job ins Ausland verlagert werde, sei beinahe unabhängig von den Bildungsanforderungen dieses Jobs. "Entscheidend ist bei Dienstleistungen vor allem die Art des Jobs - je persönlicher ein Job ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er ins Ausland verlagert wird." "Persönliche" Jobs sind Dienstleistungen im direkten Kontakt mit anderen, also zum Beispiel Lehrer oder Friseure.

(DIW)


 


 

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