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Proteste gegen GM-Entscheidung

NRW-Ministerpräsident Rütgers kritisiert "Turbokapitalismus"

Mit einer Kundgebung vor dem Bochumer Opel-Werk morgen um 14.00 Uhr reagieren IG Metall und der Betriebsrat des Automobilkonzerns auf die Entscheidung von General Motors (GM), Opel nun doch nicht zu verkaufen. Denn dadurch gerät der Standort im Ruhrgebiet massiv in Gefahr.

Während der Veranstaltung, zu der 3000 Opel-Mitarbeiter erwartet werden, soll die Produktion in dem Werk ruhen, kündigte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Oliver Burkhard, an. Bei der Kundgebung am morgigen Donnerstag um 14.00 Uhr sprechen auch NRW- Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und die SPD-Landeschefin Hannelore Kraft sowie Vertreter von Betriebsrat und IG Metall.

Rüttgers, sichtlich enttäuscht, hat heute morgen erklärt: „Nach mehreren Zusagen und monatelangen Verhandlungen lässt die Spitze von GM die Arbeitnehmer im Regen stehen. Dieses Verhalten von General-Motors zeigt das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus. Das ist völlig inakzeptabel. Wir werden weiter für Opel und den Standort Bochum kämpfen.“

Der Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel warf dagegen auch der Bundesregierung "dilettantisches Vorgehen" bei den Verhandlungen mit GM und den möglichen Investoren vor. „Zum einen hat man ja von vornherein erklärt, wer der ausschließliche Favorit sein dürfte für Investitionen. Später hat man erklärt, das hätte man doch nicht so gesagt. Dann hat man erklärt, dass jeder sich bewerben könne. Und das ist wahrscheinlich der Punkt, wo General Motors sagt: Wenn jeder auch das Geld kriegen kann, um die Werke zu erhalten, dann können wir es gleichermaßen tun.“

General Motors dankt der Bundesregierung für "harte Arbeit"

In den Augen der Belegschaft muss die Presseerklärung von GM-Boss Fritz Henderson wie Hohn klingen: "Obwohl die Lage angespannt bleibt, hat sich das Geschäftsumfeld in Europa aufgehellt. Gleichzeitig haben sich die Finanzkraft und Stabilität von GM in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Das macht uns zuversichtlich, das Europageschäft erfolgreich restrukturieren zu können. Wir sind den Regierungen Deutschlands und anderer europäischen Länder für die harte Arbeit zur Bewältigung dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit dankbar." General Motors werde nun einen Plan für sinnvolle Beiträge zur Restrukturierung von Opel ausarbeiten. 

"GM hat durch jahrelange Managementfehler Opel erst in eine schwierige Lage gebracht. Es ist deshalb nur schwer vorstellbar, dass GM eine tragfähige Lösung auf den Weg bringen kann", kritisierte Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall. Es sei ein "unglaublicher Vorgang", 50 000 Beschäftigte in Europa einer monatelangen, nervenaufreibenden Hängepartie auszusetzen und am Ende eine "nicht nachzuvollziehende Kehrtwende" zu vollziehen. Für die IG Metall und die Beschäftigten bei Opel habe die Verhinderung von betriebsbedingten Kündigungen und die Sicherung von Standorten nun oberste Priorität.

GM hat den europäischen Automarkt nicht verstanden

Das Aus für eine Magna-Lösung bedeutet auch, dass das Angebot der europäischen Opelaner, auf jährlich rund 265 Mio. Euro Lohn zu verzichten, nun obsolet ist. "GM geht im Alleingang große finanzielle Risiken ein. Opel wird wieder und immer wieder kaputtrestrukturiert werden - dies führt zur kontinuierlichen Demotivierung der Belegschaft", glaubt Automobilinsider Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Der Experte geht nicht davon aus, dass Detroit die von der Bundesregierung versprochenen Kreditbürgschaften über 4,5 Mrd. Euro erhalten wird. Seine Bilanz der Ereignisse der letzten Stunden: "Die Amerikaner haben den europäischen Markt noch immer nicht verstanden. "  

(Redaktion)


 

 

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