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High-Tech-Schnitzeljagd in Essen

"In fast jedem von uns steckt ein kleiner Indiana Jones ..."

Markus Gründel und Olaf Pfeiffer gehören zu den angesehensten deutschen Geocaching-Experten. Pfeiffer betreibt das Geocaching-Spezialgeschäft www.Cachezone.de, Gründel ist Fachautor des Buches „Geocaching“. Wir haben sie über diese - sich rasant entwickelnde - Freizeitaktivität befragt. 

Was ist Geocaching und woher stammt die Bezeichnung?

Olaf Pfeiffer: Ganz banal: Geocaching ist die moderne Form der Schnitzeljagd – und zwar mit Hilfe eines GPS-Geräts. Jeder kann einen Schatz – das ist der Cache – verstecken, dessen GPS-Koordinaten feststellen und anschließend im Internet veröffentlichen. So können alle anderen Besitzer von GPS-Geräten diesen Schatz suchen.

Ich habe also die Koordinaten und ein GPS-Gerät, das mich lotst. Wo liegt dann das Problem?

Markus Gründel: Ganz so einfach, wie es sich anhört, ist Geocaching auch wieder nicht. Im Gegensatz zur Autonavigation lässt sich durch die Natur nämlich nicht mit ein paar Handgriffen auf dem schnellsten Weg von A nach B routen. Man folgt der Kompasspeilung und weiß immer, wie weit man vom Cache entfernt ist. Aber auf dem Weg muss man Hindernisse wie Wälder, Häuser, Flüsse und Schluchten umgehen oder überwinden. Und am Ende bleibt ja immer auch die Suche nach dem eigentlichen Schatz, der ja gut versteckt sein kann. Je nach Empfangslage beträgt die GPS-Genauigkeit plus/minus zehn Meter. Da bleibt noch viel Platz zum Suchen. Manche Caches sind an aberwitzigen Stellen versteckt.

Wie sieht so ein Cache aus? Was wird normalerweise versteckt?

Markus Gründel: In der einfachsten Form, dem „Traditional“, bestehen die versteckten Schätze mindestens aus einem Stift und einem Logbuch, die in einem wasserdichten Behälter verpackt sind. Das Logbuch kann verschiedene Informationen zum Cache oder dessen Owner, dem „Verstecker“ des Schatzes, enthalten. In erster Linie dient es aber als Gästebuch. Jeder, der den Cache gefunden hat, trägt sich ein und teilt mit, wann er ihn gefunden hat. Je nach Art des Logbuchs können auch kleine Anekdoten oder weitere Informationen hinterlassen werden.

Olaf Pfeifer: Caches sind allerdings keine Grenzen gesetzt. So bestehen viele Caches zusätzlich aus kleinen, mehr oder weniger
wertvollen Gegenständen. Der Finder des Schatzes darf den Gegenstand behalten, muss ihn dann jedoch durch einen anderen, gleich- oder höherwertigen Gegenstand ersetzen, damit der nächste Schatzsucher nicht leer ausgeht. Was versteckt wird, hängt natürlich auch immer von der Größe des Caches ab.

Es gibt also verschiedene Arten von Caches?

Olaf Pfeiffer:  Ja, klar. Die ersten Caches waren im Prinzip alles
Traditionals. Daher ja auch der Name. Mittlerweile gibt es viele
verschiedene Kategorien von Caches. Einige sind sogar eine
Mischung aus den Geocaching-Variationen und können gar nicht nur
einer Kategorie zugeordnet werden.

–  Traditional Caches sind die Urform aller Caches und die
einfachsten. Sie bestehen lediglich aus einer wasserdichten
Dose, gefüllt mit Stift, Logbuch und – sofern genug Platz ist –
kleinen Tauschgegenständen als Trophäe. Sie sind meist ohne
allzu großen Aufwand zu finden und es bedarf keiner vorherigen
Aufgabenlösung. Man beachte allerdings die Terrain-Wertung,
z.B. ob man klettern muss oder so…

–  Multi-Caches sind mehrstufige Caches mit einem Mix aus
Geocaching und der klassischen Schnitzeljagd. Mit dem GPS-
Gerät geht es über mehrere Koordinaten von Station zu Station,
bis man letztendlich den eigentlichen Cache gefunden hat. Gern
werden an den Zwischenstationen auch Aufgaben oder Rätsel
gestellt, die gelöst werden müssen, um zur nächsten Station zu
kommen.

–  Mystery- oder Puzzle-Caches sind Rätsel-Caches, bei denen
man, wie der Name ja schon sagt, ein oder auch mehrere Rätse
oder Knobeleien lösen oder Codes entschlüsseln muss, um den
Schatz zu finden.

–  Themen-Caches sind Caches zu einem bestimmten Thema. So
gibt es Mathematik-Caches, Kletter-Caches, Höhlen-Caches,
Fahrrad-Caches... Achtung: Bei diesen Caches können spezielle
Kenntnisse oder spezielle Ausrüstung nötig sein.

–  Virtuelle Caches sind Caches ohne Dose. Um den Cache als
gefunden loggen zu dürfen, muss man eine Frage beantworten,
die man nur beantworten kann, wenn man vor Ort war (z.B. was
genau steht wo in einer Inschrift?).

–  EarthCaches befinden sich an Orten mit geowissenschaftlichen
Besonderheiten. Diese Caches müssen offiziell genehmigt
werden, und um einen solchen Cache loggen zu dürfen, muss
man die Bedingungen des Owners und der EarthCache Website
erfüllen. Dies kann z.B. das Messen des Wasserstandes oder
das Beantworten einer Frage aus der Geologie sein. 

–  Event- und Mega-Eventcaches sind eigentlich gar keine
Caches, sondern Veranstaltungen, deren Hauptzielgruppe
Geocacher sind. Damit alle Cacher davon erfahren und auch der
genaue Ort bekannt ist, werden sie als Caches ausgeschrieben.
Der Name Mega-Eventcache ist nur größeren Veranstaltungen
mit 500 Cachern oder mehr vorbehalten, und um die
Bezeichnung führen zu dürfen, bedarf es einer Genehmigung von
Groundspeak. Nach dem Ende der Veranstaltung werden Event-
und Mega-Eventcaches vom Organisator archiviert.

–  Night Caches können nur nachts gefunden werden. Die Caches
sind beispielsweise mit Reflektoren oder LEDs ausgestattet, die
erst nach Einbruch der Nacht sichtbar werden.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt

Markus Gründel: Generell gibt es für Caches praktisch keine festen
Vorgaben, so dass der eigenen Phantasie so gut wie keine Grenzen
gesetzt sind. Genau das macht es ja so reizvoll! Geocacher sind meist
recht intelligente Leute. Wer eine gute Idee hat, dem steht es frei,
diese auch umzusetzen. Es gibt z.B. auch sehr spezielle Caches die
den Einsatz von Nachtsichtgeräten und Metalldetektoren erfordern.
Generell sollte man jedoch darauf achten, dass man andere
Geocacher nicht in Gefahr bringt und in der Beschreibung des Caches
mit Hilfe der Attribute auf die benötigte Ausrüstung, Kenntnisse oder
Qualifikationen hinweist.

Gibt es beim Geocaching Spielregeln? Was ist erlaubt oder
verboten?

Markus Gründel:  Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
Grundsätzlich gilt zwar ‚Erlaubt ist, was Spaß macht’, doch gibt es
offizielle Richtlinien, die auch unbedingt eingehalten werden sollten.
Erstens verscherzt man es sich sonst mit den anderen Cachern,
zweitens droht im schlimmsten Falle gar die Löschung des Accounts
und natürlich die Nichtgenehmigung  gelegter Caches durch offizielle
Reviewer (das sind ehrenamtliche „Geocaching-Schiedsrichter“).
Diese Richtlinien sind allerdings zu umfangreich, um sie hier
ausführlich darzustellen. Jeder, der mit dem Gedanken spielt,
Geocaching zu betreiben, sollte sich aber vorher unbedingt auf den
einschlägigen Geocaching-Portalen über die Richtlinien informieren. 

Was muss man als Anfänger beachten und was gehört zur
Geocacher-Grundausstattung? 

Olaf Pfeiffer:  Als Grundausstattung reicht ein GPS-Gerät, ein
Computer, ein kostenloser Account auf einer der Geocaching-
Webseiten und natürlich Spaß an der Sache. Man sollte möglichst mit
der Funktionsweise eines GPS-Empfängers vertraut sein, bevor man
startet. Inzwischen werden auch Geocaching-Kurse angeboten, in
denen man die Basics lernt. Auch Internet-Foren geben Aufschluss.

Wer seine ersten Caches legen will, sollte zuerst einmal einige
Caches gefunden haben, um zu sehen, wie sie auszusehen haben.
Caches zu vergraben oder in einem Naturschutzgebiet weit ab der
Wege zu hinterlassen, sollte man z.B. tunlichst unterlassen. Wir
wollen die Natur nicht zerstören, sondern uns an ihr erfreuen.
 
Warum gehen erwachsene Menschen auf „Schnitzeljagd“? Was
bringt Geocaching, wieso macht man das? 

Olaf Pfeiffer: Gute Frage. Zum einen bringt es Spaß, zum anderen
führt es Geocacher an ungewöhnliche Plätze, die anderen Leuten oft
verborgen bleiben. Ich sage mal, in fast jedem von uns steckt doch
ein kleiner Indiana Jones… Und wer kennt nicht das leichte Kribbeln
und das tolle Gefühl, wenn man zu einem kleinen Kreis von
Eingeweihten gehört, die etwas besonders Kniffliges gelöst haben.

Kann man Geocaching auch mit Kindern, im Team oder als
Rollstuhlfahrer betreiben?

Markus Gründel: Sicher, wieso nicht? Kinder fahren oft total auf
Geocaching ab. Da gibt es richtige Fanatiker. Das ist natürlich eine
tolle Sache, weil es draußen an der frischen Luft stattfindet und
gemeinsam mit den Eltern gemacht wird. Natürlich sind nicht alle
Caches mit Rollstuhl oder Kinderwagen erreichbar, aber auch nicht
alle Caches liegen in unwegsamem Gelände. Zur Sicherheit sollte
man sich Caches suchen, deren Attribute die gewünschte Eignung
speziell hervorheben. Auch im Team cachen ist möglich. Schnapp’ dir
einfach ein paar Freunde und los geht’s. Oder bildet zwei Teams und
schaut, welches den Cache eher findet.

Gibt es überall Caches? Vielleicht sogar in meiner Nähe?

Olaf Pfeiffer:  In Deutschland sind derzeit fast 100.000 Caches
ausgelegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer davon nicht allzu weit
entfernt liegt, ist also relativ hoch. Am besten schaut man einfach auf
die Cache-Karten der großen Geocaching-Webseiten. Dort kann man
als Startpunkt für die Suche nicht nur Koordinaten angeben, sondern
häufig auch Adressen oder Postleitzahlen.

Wie verhindert man, dass Nicht-Cacher über Geocaches stolpern
oder dass Caches Schaden nehmen?

Markus Gründel:  Um zu verhindern, dass Muggles – so nennen wir
die Nicht-Geocacher – unsere Caches finden, wählen wir ein
möglichst perfektes Versteck, über das man möglichst nicht durch
Zufall stolpern kann. Außerdem raten wir, in jedem Cache einen
kleinen Aufklärungszettel (eine „Stashnote“, die es auf den
verschiedenen Portalen zum kostenlosen Download gibt) für Muggles
zu platzieren, der Ihnen das Geocaching in den Grundzügen erklärt und mit der Bitte versehen ist, den Cache intakt und dort zu belassen,
wo er ist.“

Wie funktioniert das Tauschen bzw. Traden? Muss ich tauschen
und was darf überhaupt getauscht werden?

Olaf Pfeiffer: Niemand wird zum Tauschen gezwungen. Der Anstand
gebietet allerdings, dass jeder, der einen Gegenstand an sich nimmt
auch einen Gegenstand von gleichem oder höherem Wert
zurücklässt. Getauscht werden darf im Prinzip alles, von dem keine
Gefahr für andere oder die Natur ausgeht. Nicht geeignet sind
Nahrungsmittel jeder Art – das kann Tiere anlocken – und Sachen wie
Messer oder Feuerzeuge. Insbesondere, wenn der Cache auch von
Kindern gefunden werden kann.

Gibt es Mindestanforderungen an GPS-Geräte, die fürs
Geocaching erfüllt sein sollten? Welche Geräte empfehlt Ihr?

Markus Gründel: Echte Mindestanforderungen gibt es nicht. Auch
dem einfachsten Gerät – das kostet unter 100 Euro – kann man auf
Schatzsuche gehen. Es ist halt nur nicht so komfortabel zu bedienen.

Portale mit Infos und Cache-Koordinaten:

•  www.geocaching.com
•  www.opencaching.de
•  www.geocaching.de
•  www.earthcache.org
•  www.geocachingspiel.de
•  www.navicache.com
 

(Redaktion)


 

 

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