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Interview

Mitarbeiter sprechen besser Englisch als ihre Vorgesetzten

Für die vierte Ausgabe des EF English Proficiency Index (EF EPI), einer in 63 Ländern durchgeführten Studie des weltweit führenden Sprachexperten Education First (EF), wurden erstmals die Englischkenntnisse in der Arbeitswelt ermittelt. Niklas Kukat, Geschäftsführer von EF in Deutschland, fasst im Interview mit Business on die Studienergebnisse zusammen.

Business-on.de: Wie genau haben Sie die Englischkenntnisse gemessen?

Niklas Kukat: Für die Studie wurden die Daten von zwei verschiedenen Englischtests ausgewertet, die jedes Jahr von rund 750.000 Erwachsenen in 63 Ländern rund um den Erdball absolviert werden. Beide Tests enthalten Aufgaben zu Grammatik, Wortschatz, Aussprache und Hörverständnis. Um in den Länder- und Städte-Rankings berücksichtigt zu werden, war jeweils eine Mindestteilnehmerzahl erforderlich.

Business-on.de: Und die Ergebnisse?

Niklas Kukat: Von allen Nicht-Muttersprachlern weltweit beherrschen erwachsene Dänen die englische Sprache am besten – gefolgt von den Niederländern und den Schweden. Deutschland nimmt im neuen Ranking den zehnten Platz ein, eine Verbesserung um vier Positionen seit dem Vorjahr. Und auch seit Beginn der Erhebung vor sieben Jahren sind die Englischkenntnisse in der Gesamtbevölkerung erheblich besser geworden. Beim erstmals ermittelten Städteranking führt Frankfurt vor Köln und München. Bei den Bundesländern haben die beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg die Nase vorn, Schlusslichter sind das Saarland und Thüringen.

Business-on.de: Erstmals gab es in diesem Jahr auch eine Spezialauswertung zum Stand der Englischkenntnisse in der Arbeitswelt?

Niklas Kukat: Genau. Da Englisch als Sprache der Wirtschaft weiterhin an Bedeutung gewinnt, wurde zum ersten Mal auch der Schwesterbericht EF EPI-c erstellt, für den die Testergebnisse von insgesamt 105.093 Beschäftigten bei Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz zwischen 100 Millionen und 100 Milliarden Dollar in 32 Industrieländern ausgewertet wurden. Der Index unterteilt die Ergebnisse nach Industriezweig, Land, Unternehmensgröße und Dauer der Betriebszugehörigkeit und er soll den Unternehmen einen Anhaltspunkt für ihre kommunikative Wettbewerbsfähigkeit liefern. Dazu nimmt er eine Einschätzung dazu vor, warum einige Firmen in bestimmten Ländern und Industriesektoren besser abschneiden als andere.

Business-on.de: Und wie waren hier die Ergebnisse? Gibt es Unterschiede zum allgemeinen Trend?

Niklas Kukat: Die Mitarbeiter vieler Firmen kommunizieren zum Teil auf der internationalen Ebene sehr gut, aber auf der Top-Führungsebene gibt es einen alarmierenden Engpass bei den Englisch-Kenntnissen. Dies hat zur Folge, dass wichtige Entscheidungen bei grenzüberschreitenden Projekten nur mir unnötigen Verspätungen getroffen werden könnten. Je kleiner die Firmen, desto schlechter sind auch die Englischkenntnisse der Beschäftigten – mit der Folge, dass die internationale Expansion dieser Unternehmen gebremst wird. Ansonsten sind die Ergebnisse ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung: Die Unternehmen aus Skandinavien rangieren an der Spitze, während Beschäftigte in Frankreich und Italien ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie Entwicklungsländer vorzuweisen haben.

Business-on.de: Gibt es bei der Branchenauswertung Überraschungen?

Niklas Kukat: Überraschenderweise schneiden auch die Beschäftigten in der Reise- und Tourismusbranche bei den Tests relativ schlecht ab. Bei der Führungsebene von Unternehmen und in der Beraterbranche liegen die Niederlande und Schweden an der Spitze, gefolgt von weiteren nordeuropäischen Ländern. In den High-Tech-Branchen dominieren auf der Führungsebene zwar die Europäer, doch Indonesien und Vietnam sind weltweit unter den Top-10-Ländern platziert. Im Ingenieurswesen sind ebenfalls die Skandinavier Spitze, während Lateinamerika weit hinten rangiert. In der Finanzbranche schneiden China, Russland und die Türkei sehr schlecht ab. Im Gesundheitswesen in Frankreich und Italien haben die ansonsten gut ausgebildeten Fachkräfte Defizite in ihren Englischkenntnissen und liegen unter dem Durchschnitt. Auch in der produzierenden Industrie haben mit Schweden, Dänemark und Norwegen die Beschäftigten aus drei skandinavischen Staaten die besten Testergebnisse.

Business-on.de: Was kann man aus dieser Studie lernen?

Niklas Kukat: Die Ergebnisse der aktuellen Studie geben erneut Anlass zum Nachdenken über den weltweiten Stellenwert des Englischunterrichts in Schulen und Hochschulen. Denn die Qualität der Sprachkenntnisse hängt eindeutig mit dem wirtschaftlichen Erfolg einzelner Länder zusammen. Um wettbewerbsfähig zu werden oder zu bleiben, sind hier in einigen Staaten Reformen im Bildungswesen unumgänglich. Das Niveau, mit dem die Bewohner eines Landes Englisch beherrschen, spiegelt sich auch in der Höhe der Gehälter und des Lebensstandards wider. Die Ergebnisse des „Ease of doing Business-Index“, der die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Länder vergleicht, gehen ebenfalls mit der Qualität der Englisch-Sprachkenntnisse der Bevölkerung des jeweiligen Landes einher. Gleiches gilt für den Umfang, in dem eine Volkwirtschaft Außenhandel betreibt. Diese ökonomischen Zusammenhänge haben sich in bisher allen EF-EPI-Studien konstant gezeigt.

(Redaktion)


 


 

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