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Interview mit Andrew Jennings

"Karstadt hat kein Liquiditätsproblem"

Karstadt kommt aus dem Auf und Ab und den Schlagzeilen nicht heraus: Tarifpause, Kritik an Eigentümer Berggruen und Gerüchte über Liquiditätsprobleme. Im Interview weist der scheidende Konzernchef Andrew Jennings Liquiditätsprobleme zurück – und baut auf das Programm „Karstadt 2015“.

Herr Jennings, Sie haben angekündigt, dass Karstadt das Tempo erhöht. Warum? Ist das Wirtschaftsklima nicht zu rau? 

Andrew Jennings: Ja, das Wirtschaftsklima ist rau. Trotzdem ist es wichtig, dass wir den Transformationsprozess beschleunigen. Wir werden den langfristigen Erfolg von Karstadt sicherstellen und zwar trotz einiger Entscheidungen, die kurzfristig einen negativen Umsatzeffekt haben. Wir schulden das unseren 20.000 Mitarbeitern und 1,5 Millionen Kunden, die täglich bei uns einkaufen. 

Sie sagen, es gibt einen negativen Umsatzeffekt. Was genau bedeutet das? 

Andrew Jennings: Es gibt Medienberichte, die sagen, dass wir 10 Prozent unter Vorjahr liegen. Aber wenn wir das auf einer vergleichbaren Basis miteinander vergleichen, liegen wir nur 3,6 Prozent unter Vorjahr. Und zwar nach einem harten Weihnachtsgeschäft in Deutschland und der schlimmsten Frühjahrssaison im Modebereich für Einzelhändler in Europa seit vielen Jahren. Die anderen Faktoren, die unseren Umsatzrückgang verursachen sind: die Schließung von Multimedia und anderen verlustbringenden Abteilungen; unser Gastronomiegeschäft ist nicht mehr in unseren Karstadt-Umsatzzahlen inbegriffen und unsere Umsätze aus dem Bereich Concession, die deutlich angestiegen sind, sind auch nicht berücksichtigt. Der vergleichbare Umsatztrend von April, Mai und Juni bisher zeigt eine positive Entwicklung und liegt bereits über dem Vorjahr. 

Einige Medien spekulieren auch über ein Liquiditätsproblem ... Geht Karstadt das Geld aus? 

Andrew Jennings: Nein. Diese Spekulation ist unverantwortlich. Tatsächlich haben wir jetzt in diesem Moment einen Bargeldbestand von mehr als 210 Millionen Euro. Und: Karstadt hat keine Finanzschulden. Wir hatten zahlreiche Einmaleffekte, die sich dieses Jahr auf unsere Liquidität ausgewirkt haben wie beispielsweise den notwendigen Stellenabbau, den wir in einer sozial verantwortlichen Weise durchgeführt haben. Das hat uns mehr als 44 Millionen Euro gekostet. 

Denken Sie also, dass „Karstadt 2015“ ein Erfolg wird?

Andrew Jennings: Ja, mit Sicherheit. Wir sind mitten in einem komplexen Turnaround unter schwierigen Marktbedingungen. Wir wollen aus Karstadt in der Zukunft ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen machen. Das braucht Zeit. Es ist erst 22 Monate her, seit wir angefangen haben, die Strategie umzusetzen und wir machen in vielen, vielen Bereichen schon große Fortschritte. Das sind Fortschritte, die schwer von außen zu erkennen sind, weil wir an den Fundamenten unseres Geschäfts gearbeitet haben. In einigen Abteilungen sehen wir bereits sehr positive Wachstumszeichen. „Karstadt 2015“ wird wie geplant fortgesetzt. Ich freue mich auf die zweite Jahreshälfte, wo wir sorgfältig geplante deutschlandweite Marketing-Kampagnen und aufregende, wichtige Marken starten und – das ist sehr wichtig – unsere neue eCommerce-Plattform an den Start bringen, um karstadt.de zu stärken.

(Redaktion / ots)


 


 

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