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Die Anwalts-Kolumne

Wenn der Koffer ins Nirwana fliegt - Was tun bei Gepäckverlust?

„Ich hab noch einen Koffer in Berlin … deswegen muss ich nächstens wieder hin. Die Seligkeiten vergangener Zeiten sind alle noch in meinem Koffer drin!“ Ganz und gar entzaubert werden Marlene Dietrichs Liedzeilen, wenn uns aber besagter Koffer unfreiwillig und buchstäblich aus heiterem Himmel verlustig geht.

Oder durch fehlerhafte Abfertigung am Abflugort zurückbleibt. Warten auf die eingecheckte Habschaft. Am Ende (des Gepäckbands) vergebens. Was für ein Alptraum! Für berufliche Vielflieger/Innen kann Miles & „More“ mit der im Niemandsland gestrandeten Abendgarderobe für das hochoffizielle Geschäftsessen im doppelten Sinn zu Fracksausen, Schweißausbrüchen und einem handfesten Ärgernis werden. Nicht auszudenken, wenn sich dazu die überlebenswichtigen Unterlagen für die Präsentation scheinbar über den Wolken verflüchtigt haben. Da hilft nur, zunächst tief durchatmen und kühlen Kopf bewahren!

Das Gleiche gilt im Fall einer Urlaubsreise und dem drohenden textilen Notstand während der „schönsten Zeit des Jahres“. Kostbarkeiten, wird an dieser Stelle vorausgesetzt, gehören bekanntlich und wenn überhaupt ins Handgepäck. Freunde der doppelten Sicherheit schätzen darüber hinaus auch die nötigsten Hygieneartikel direkt „am Mann“. Was aber lässt sich tun, wenn erst mal der Koffer und damit vielleicht auch der Kunde futsch ist?

Sofort melden und hartnäckig sein

Hier bewährt sich Hartnäckigkeit beim Verfolgen seiner Rechte. Denn eine angemessene Entschädigung kann nur erwarten, wer als Geschädigter nicht locker lässt. Klar im Vorteil ist, wer sich vor seiner Abreise eine detaillierte Inventarliste seines Kofferinhalts gefertigt hat. Unentbehrlich, um bei Verlust einen lückenlosen Nachweis seines „Schwundes“ erbringen zu können. Wichtig ist die sofortige Meldung noch am Flughafen mittels eines so genannten „Property Irregularity Report“ (PIR), den es an allen Lost and Found Schaltern und an den Baggage Claims gibt. Erst mit diesem Dokument steht die Airline formell in der Pflicht, das Verlorengegangene für Sie wieder aufzufinden. Darüber hinaus muss diese grundsätzlich für die „Notausstattung“ des Geschädigten vor Ort aufkommen.

Für alle weiteren entstehenden Kosten gilt nach der neuesten Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes eine Höchstgrenze von ca. 1.300 Euro. Mit einem darüber hinaus gehenden Erstattungswert ist nur zu rechnen, wenn man beim Einchecken einen entsprechend höheren „Kofferwert“ angibt, der allerdings zu einem Ticket-Aufpreis führen kann.

Kostenbelege sammeln und geltend machen

Wird das verlustige Gepäckstück tatsächlich von der Airline wieder aufgefunden, lässt sie dieses in der Regel in das Hotel des Betroffenen bringen. Belege über Fahrt- und andere Kosten, die im Zusammenhang mit der Überbringung entstehen, unbedingt aufheben und bei der Schadensersatzforderung geltend machen! Wie hilfreich in jedem Fall Adressaufkleber am Koffer und im Vorfeld eine Reisegepäckversicherung sind, liegt auf der Hand. Mut machend die Statistik: 90 Prozent der verlorenen Koffer tauchen innerhalb von 2 Tagen wieder auf. Nur 10 Prozent bleiben in rätselhaften „Fluglöchern“ verschwunden - so wie die linke Socke in der Waschmaschine....

Rechtsgrundlage für Schadensersatz: Warschauer Abkommen bzw. Montrealer Abkommen  - je nachdem, „wohin die Reise geht“.

(Peter Endemann)


 


 

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