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KREATIV-QUARTIERE IM RUHRGEBIET

Brooklyn und Prenzlauer Berg als Vorbilder

Kreativ.Quartiere in der Metropole Ruhr: Potenziale für die Zukunft

Über die gesamte Metropole Ruhr verteilen sich kreative Orte und heben sich von den bevorzugten Quartieren anderer Branchen ab: Kreative Akteure nutzen vor allem Stadträume, die eher nicht zu den boomenden Entwicklungsräumen der Städte zählen, etwa Altbauquartiere, leere Ladenlokale, aufgegebene Zechen oder ehemalige Industrieflächen. Einige von ihnen wurden am Veranstaltungsnachmittag vorgestellt.

So beispielsweise die ehemalige Tuchfabrik Scheidt'sche Hallen in Essen-Kettwig. Hier finden Designer, Fotografen und Architekten Hallen als Atelier- und Ausstellungsräume. Initiator Heinz Schnetger, Geschäftsführer der GKK Grundstücksgesellschaft Kettwig: "Auch Agenturen und Künstler siedeln sich bei uns an. Weitere entwicklungsoffene Bereiche schaffen zusätzliche Gestaltungsfreiheit auf dem Areal."

Ein weiteres Beispiel findet sich in Dortmund. Auf der Fläche der ehemaligen Union- Brauerei entsteht derzeit ein Zentrum für Kunst und Kreativität, das Kreativ.Quartier Dortmunder U. Im Mittelpunkt steht der U-Turm als Industriedenkmal und Symbol des Wandels hin zur Wissensgesellschaft. Neben dem Museum am Ostwall, das dort auf zwei Etagen eine neue Heimat findet, ziehen unter anderem Institute und Forschungsbereiche derTechnischen Universität Dortmund und der Fachhochschule Dortmund sowie das neue "European Centre for Creative Economy" (ECCE) in den Brauereiturm. "Im Umkreis sollen sich musik- und eventorientierte Unternehmen ansiedeln", sagt Thomas Ellerkamp, stellvertretender Leiter der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Über eine Länge von 10 Kilometern erstreckt sich das Kreativ.Quartier.Am Kanal in Herne. Keimzelle bildet hier die Künstlerzeche "Unser Fritz", die inzwischen seit 45 Jahren von Künstlern und Kreativen genutzt wird. Im Umkreis der Zeche soll sich ein Pionierland für kreative Köpfe bilden. Im Januar 2009 wurde die Sanierung der ehemaligen Maschinenhalle abgeschlossen. "Jetzt warten in der nicht mehr genutzten Dannekampschule helle Räume und ein weitläufiges Außengelände auf neue Nutzer", so Frau Dr. Evelyn Stober von der Wirtschaftsförderung Herne.

Das Konzept für die Umwandlung des erst 2005 geschlossenen Bergwerkstandortes Dinslaken Lohberg hat die Eigentümerin RAG Montan Immobilien GmbH gemeinsam mit 90 Kreativen entwickelt. Mit der historischen Gartenstadt und den angrenzenden Halden bietet Lohberg eine inspirierende Mischung aus Industriedenkmal und Naturareal. Kunstinstallationen und temporäre Nutzungen sind auf dem 40,5 Hektar großen Areal des Kreativ.Quartiers Lohberg möglich. "Wenn Künstler einmal kommen, dann wird die Lage schnell zu einem Selbstläufer", so die Erfahrung von Prof. Hans-Peter Noll, Geschäftsführer der RAG Montan Immobilien GmbH.

Keine große zusammenhängende Fläche, sondern ein urbanes und gut erschlossenes Stadtviertel, das Lücken aufweist - so wäre das Quartier Altmarkt in Oberhausen am ehesten zu charakterisieren. Es umfasst das Gebiet rund um die ehemalige Haupteinkaufsstraße Marktstraße in zentraler Citylage, mit Geschäften und Kneipen. Aber auch mit vielen Leerständen, Folge eines Shoppingcenters, das vor einigen Jahren außerhalb der Innenstadt errichtet wurde. Jetzt finden Kreative und Künstler in den leeren Büros und Ladenlokalen günstige Experimentier- und Arbeitsräume. Wenige Gehminuten entfernt liegt der Wasserturm des Hauptbahnhofs Oberhausen. Das Baudenkmal wird für temporäre Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Workshops und Installationen genutzt. "Hier wird gewissermaßen die ganze Innenstadt zum Kreativquartier erklärt. Kreative sind in Oberhausen längst Treiber für die Stadtentwicklung geworden", sagt Burkhard Koch, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Oberhausen.

Unna-Massen. Das Kompetenzzentrum für Integration Unna-Massen war die zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge und Zuwanderer in NRW. Nun wird sie so nicht mehr gebraucht. Bis zum nächsten Jahr werden auf einer 20.000 Quadratmeter großen Fläche rund 40 Gebäude leer stehen, darunter eine Schule und viele Werkstätten. Hier könnten Wohn- und Arbeitsräume für 300 Menschen entstehen. Vorbild der Quartiersentwicklung ist die Villa Massimo in Rom, eine Auslandsakademie für Künstler, die auch Partner des Projektes ist. "Die Akademie ist als Zukunftsmodell mit Residenzprogrammen und Weiterbildungsangeboten für Kreative aus ganz Europa angelegt. Die Immobilien sind zum Teil noch komplett eingerichtet. Man kann hier morgen einziehen und arbeiten", sagt Prof. Dr. Ursula Sinnreich von den Kulturbetrieben Unna.

Kein Standort im Werden, sondern heute schon eine erfolgreiche Themenimmobilie: die Games Factory in Mülheim an der Ruhr. Auf 2.000 Quadratmetern Fläche finden Unternehmen aus der Software- und Spieleindustrie kurzfristig flexible Arbeits- und Produktionsflächen. Vier Studios mit zusammen 30 Mitarbeitern sind hier inzwischen heimisch geworden. "Immobilienanbieter müssen verstehen, dass es sich bei Nutzern aus der Kreativwirtschaft um Firmen mit eher kleinem und auch spontanem Flächenbedarf handelt", sagt Jürgen Schnitzmeier, Geschäftsführer der Mülheim &Business GmbH. Der Vermarktungserfolg der Games Factory spricht für sich: Innerhalb von sechs Monaten waren ein Drittel der Flächen vergeben.

Im sogenannten Gleisdreieck findet sich eine der letzten Brachflächen in der Bochumer Innenstadt. Hier, zwischen dem Schauspielhaus und dem legendären Freizeit- und Ausgehviertel Bermunda-Dreieck, sollen sich weitere Theater, Wissenschafts- und Ausbildungsinstitute sowie Kultureinrichtungen ansiedeln. Die zentrale Entwicklungsfläche für Privatunternehmen aus der Kreativwirtschaft ist das ehemalige Hauptbahnhofsgelände City-Tor-Süd. Das ViktoriaQuartierBochum soll als überregional bekannte Marke Nutzer aus der Kreativwirtschaft ansprechen. "Wir haben in unserer Stadt allein zehn Hochschulen. Für die Flächen im ViktoriaQuartier konnten wir aber noch keinen Ankernutzer identifizieren. Also müssen wir die Potenziale des Areals aggressiver vermarkten", sagte Dr. Patrick Dufour von der Wirtschaftsförderung Bochum.

(Redaktion)


 

 

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