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Interview mit Marc Ziegler: Wir wollen Zukunft gestalten

Werbung muss zu mehr Umsatz führen

Bis dahin ist natürlich ein weiter Weg, auf dem es noch viele Zwischenformen geben wird. Aber dieses Momentum der Abrechenbarkeit von Werbewirkung ist sehr groß und stark. Das sieht man allein daran, dass der Anteil am Online-Werbemarkt von performance-basierten Geschäftsmodellen heute schon ungefähr 45 Prozent ausmacht, mit steigender Tendenz. In den USA ist das noch gravierender. Und wir wissen ja: Mit entsprechendem Zeitverzug kommt jedes erfolgreiche Geschäftsmodell aus den USA auch nach Deutschland.

Lässt sich das einfach übernehmen?

Marc Ziegler: Erfolgreiche Internet-Geschäftsmodelle aus den USA etablieren sich hier in der Regel auch. Anders sieht es aus bei Trends aus Japan oder Korea. Dort fallen die kulturellen Unterschiede stärker ins Gewicht. Sie erinnern sich vielleicht an den mobilen Dienst „i-Mode“ von NTT Docomo? Der hat sich hier überhaupt nicht durchgesetzt. Aber gerade was klassische Web-Entwicklung und neue Modelle im E-Commerce-Umfeld, in der Werbung oder auch im Content-Bereich anbelangt, etablieren sich die US-amerikanischen Erfolgsschlager auch hier zu Lande.

Der Zeitverzug beträgt in der Regel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Wer also bei der Entwicklung mithalten will, muss über den Ozean schauen. Und genau hier wollen wir unterstützend tätig sein: Uns in der Welt umschauen, erfolgsträchtige Entwicklungen frühzeitig aufspüren und die Inhalte mit diversen Veranstaltungsformaten hier zur Verfügung stellen.

Synergiepotenziale sind längst nicht ausgeschöpft

Sie haben auch die Vernetzung als eine ihrer Hauptaufgaben bezeichnet. Wie sieht das ganz praktisch aus?

Marc Ziegler: Es gibt zwei verschiedene Ansätze: Im Bereich der virtuellen Plattformen nutzen wir vor allem unsere eigene Website, um Unternehmen zusammen zu bringen. Ich möchte als Beispiel nur den Medienatlas nennen, der bei der Suche nach Medienpartnern unterstützt. Dann bieten wir aber auch über Veranstaltungen reale Plattformen. Wir denken aktuell zum Beispiel darüber nach, die Games-Branche mit der Animationsfilm-Branche zusammen zu bringen. Da liegen viele Synergiepotenziale, die längst nicht ausgeschöpft sind. Eine entsprechende Veranstaltung gibt Raum für Ideen, wie man in verschiedenen Wertschöpfungsbereichen zusammen kommen kann und stellt zugleich die dafür notwendigen Kontakte her.

Steht den Unternehmen nicht der Konkurrenzgedanke im Weg?

Marc Ziegler: Es gibt natürlich direkte Konkurrenten. Klar. Aber insgesamt wollen wir dazu beitragen, Barrieren abzubauen. Nehmen wir die Medien- und Telekommunikationsbranche. Hier kann es viel gewinnbringender sein, mehr kooperativ miteinander umzugehen, als sich polarisiert zu verhalten.

Das sind für Deutschland neue Gedanken.

Marc Ziegler: Ja, genau. Und wir wollen ganz explizit dazu anregen, hier neu zu denken. Stellen Sie sich vor, von der Medien- und Telekommunikationsbranche setzen sich jeweils drei der fünf Vertreter mit einem Moderator an einen Tisch und führen einen offenen Dialog ohne Visier über Versäumnisse der Vergangenheit und neue Kooperationsansätze – und zwar nicht auf Mikroebene einzelner Produkte, sondern auf Basis neuer Plattformen und Geschäftsmodelle.

Das wäre ein Event mit einem absolut ergebnisorientierten Workshop-Charakter. Unsere Aufgabe in der Moderation würde dann beinhalten, das Zusammentreffen überhaupt zu ermöglichen und zu organisieren und inhaltlich immer wieder auf Alternativen zu verweisen. Wir haben hier in NRW die drei größten Mobilfunker und sehr mächtige, große Medienplayer. Kreativität und Marktmacht sind also da. Wir wollen dazu beitragen, dieses Potenzial effektiver auszuschöpfen.

Wo ziehen Sie die Abgrenzung zu den anderen Clustern in Nordrhein-Westfalen?

Marc Ziegler: Die Grenzen sind durchaus fließend, gerade, wenn wir von der TIME-Branche – Telekommunikation, IT, Multimedia, Entertainment – sprechen. Rein formal ist es so abgegrenzt, dass sich die Kollegen vom IKT-Cluster primär um die Telekommunikations- und IT-Branche kümmern und dabei das Hauptaugenmerk auf die technologische Entwicklungen wie zum Beispiel RFID oder neue Mobilfunktechnologien legen. Wir vom Mediencluster fokussieren uns dagegen auf die Medienwirtschaft – und wissen dabei dennoch sehr wohl um die technologisch getriebene Entwicklungen der Branche, denn klar ist: Die Zukunft der Medien ist digital. Hier wird sich auch das Wachstum generieren. Deswegen können wir nicht an den klassischen Mediengrenzen Halt machen. Sinnvoll ist deshalb der Dialog mit den anderen Clustern. Im Sinne des Konvergenzgedankens wollen wir also keine “Closed Shops“ betreiben, sondern sicherlich die ein oder andere Veranstaltung – auch mit den Clustern Creative.NRW und IKT.NRW – gemeinsam bearbeiten.

Gibt es regionale Schwerpunkte?

Marc Ziegler: Geschätzte 40-50 Prozent der NRW-Medienbranche sind rund um Köln angesiedelt, weshalb wir u.a. hier unseren Standort bezogen haben. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass wir den Rest des Landes links liegen lassen. Wir wissen zum Beispiel um die starken Software-Unternehmen im Ruhrgebiet, die einen klaren (digitalen) Medienbezug haben. Dort gibt es viele deutsche innovative Schmieden, die wir natürlich auch mit ins Boot holen wollen.

Was gibt es derzeit für herausragende Projekte?

Marc Ziegler: NRW zählt zu den führenden Games-Standorten in Deutschland. Auf der gamescom in Köln hat man gesehen, welch kreatives und wirtschaftliches Potenzial hier im Land schlummert. Insofern sehe ich in diesem Segment einen wichtigen Ansatzpunkt für unsere Aktivitäten, den wir mit besonderem Augenmerk fördern möchten. Auch die Internetszene entlang der Rhein-Schiene Bonn-Köln-Düsseldorf-Ruhrgebiet ist sehr schlagkräftig. Auf dieser Basis kann noch viel entstehen. Wir wollen die Stärken im Land weiter stärken und in den Mittelpunkt unserer PR-Maßnahmen stellen.


 

 

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