Über Pokémon Go kann man durchaus geteilter Meinung sein. Manche haben keine Lust mehr, jedem Hype hinterherzurennen, andere sehen ein neues Zeitalter heranbrechen: „In einigen Jahren wird man von der Zeit vor und nach dem 6. Juli 2016 sprechen, geht es um digitale Geschäftsmodelle, Augmented Reality oder Mobile-Anwendungen.“ Wie das Spiel funktioniert und wer dahintersteckt, ist hier sehr schön unter dem Aspekt „Was bringt diese neue Plattform für Bibliotheken?“ zusammengefasst.

Aber wie dem auch sei: Pokémon Go wächst so rasant wie kein anderes soziales Netzwerk bisher und schickt sich an, andere Plattformen deutlich hinter sich zu lassen. Bei der Verweildauer ist das schon geschehen: 43:23 min betrug die durchschnittliche Nutzungsdauer der Android-Version von Pokémon Go schon am 8. Juli 2016 in den USA. Hier hat Pokémon Go also bereits WhatsApp von Platz 1 verdrängt (30:27 min).

Und auch ein Blick auf die demographischen Daten der Mitspieler (auf Basis einer Umfrage) ist interessant:

  • Die Quote zwischen weiblichen und männlichen Spielern liegt etwa bei 50/50
  • Die Altersgruppe 25 – 34 Jahre ist am meisten vertreten
  • 16 Prozent der Befragten spielen mehr als vier Stunden am Tag
  • Zehn Prozent gaben zu, auf ein abgesperrtes Gelände eingedrungen zu sein, um zu spielen
  • Der durchschnittliche Gewichtsverlust liegt angeblich bei 1,6 Kilo
  • 44 Prozent der Spieler gaben an, ein historisches Denkmal zum ersten Mal dank Pokémon Go besucht zu haben
  • 35 Prozent haben vorher noch kein Pokémon gespielt
  • 18 Prozent schämen sich ihren Freunden zu sagen, dass sie spielen

Was bedeutet das für das Social Media Marketing?

Die Betreiber der neuen Plattform sind von ihrem Erfolg überrollt worden. Was sich nicht nur in ständigen Server-Abstürzen zeigt, sondern auch den noch fehlenden Marketing- und Werbeangeboten für interessierte Unternehmen. Hier ist allerdings schon einiges in Arbeit.

Die Orte, an denen sich für das Spiel wichtige Treffpunkte wie PokéStops, Gyms und Arenen befinden, hat der Spieleentwickler-Firma Niantic weltweit vordefiniert. Es gibt aber bereits die Ankündigung, dass es künftig gesponsorte Orte geben wird. Händler, Gastronomen und andere Unternehmen könnten sich also demnächst einen solchen Treffpunkt für ihr Geschäft kaufen und dann Spieler (und somit auch Kunden) damit anlocken. Die wiederum werden dafür mit virtuellen Goodies belohnt. Es soll auch schon einen weltweiten Deal mit McDonald’s geben. Eventuell dauert es also nicht mehr lange, bis erste gesponserte PokéStops in den Filialen der großen Ketten auftauchen.

Eine weitere Option: Besonders nützliche, vielleicht sogar einzigartige Gegenstände, die von den Spielern benötigt werden, können von Unternehmen bei den Plattform-Betreibern gekauft und ebenso kostenlos angeboten werden, wie das Anlocken besonders wertvoller Pokémon durch (käuflich zu erwerbende) Rauchbomben. Und mit Pokémon-Arenen, in denen die kleinen digitalen Monster mit Feuer, Blitz, Wasser und Krallen für den Ruhm ihrer Trainer kämpfen und die beispielsweise vor Schaufenstern platziert werden, lassen sich die Spieler dazu bringen, sich dort besonders lange aufzuhalten, was wiederum die Aufmerksamkeit für die ausgestellten Produkte steigern soll.

In den meisten Fällen fängt man derzeit nur gewöhnliche Pokémon wie Rattfratz oder Raupi. Sollte doch einmal jemand ein extrem seltenes Pokémon sichten, spricht sich das in den sozialen Netzen und Spielerforen sehr schnell herum. Sollte es in Zukunft möglich sein, seltene Pokémon „einzukaufen“, also für einen Betrag an gewählten Orten zu platzieren, könnte man dort sehr schnell zu wesentlich höheren Besucherzahlen kommen.

Aber unabhängig von solchen künftigen Werbemöglichkeiten im Spiel muss wie immer im Social-Media-Marketing am Anfang die Frage stehen: Was will ich als Unternehmen mit diesem Kanal erreichen? Das könnte beispielsweise eine Imageverbesserung und Steigerung der Markenbekanntheit bei einer besonders hippen Zielgruppe sein. Dann sind vielleicht die kommenden Logo- und Produktplatzierungen im Spiel das angemessene Mittel der Wahl – abhängig von den Preisen, die von den Plattformbetreibern künftig verlangt werden.

Ein Ziel könnte aber auch sein, junge Menschen in ein lokales Geschäft, ein Restaurant, ein Museum oder an ein Reiseziel zu locken. Dazu gibt es eine Reihe von Möglichkeiten und erste praktische Beispiele. Da Pokémon Go den Akku des Smartphones ziemlich schnell leersaugt, bieten kostenlose Ladestationen und freies WLAN die Chance, die Spieler zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen – verbunden mit Essen, Trinken oder dem Erkunden der näheren Umgebung, während das Smartphone gerade wieder neue Power tankt. Und da Pokémon Go über weite Strecken ein äußerst geselliges Spiel ist, bei dem das Miteinander im Mittelpunkt steht, wird das Angebot eines „Stammtisches“ oder einer „Pokémon-Lounge“ zum Fachsimpeln bestimmt gerne angenommen.

Auf jeden Fall ist eine enge Vernetzung mit anderen Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter oder Instagram angebracht. Denn dort tauschen sich die Spieler aus und man kann sich als Marke oder Unternehmen in die Diskussion einklinken.

Konkrete Möglichkeiten für erfolgreiches Pokémon Go Marketing finden Sie hier.