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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Kein Schwein in Sicht: Aus den Augen, aus dem Sinn, auf den Teller

Ja, wo laufen und wühlen sie denn? Über 58 Millionen Schweine leben für wenige Wochen mitten unter uns in Deutschland, bevor sie geschlachtet werden und uns pro Jahr fünf Millionen Tonnen Fleisch „liefern“.

Kein Verbraucher von Nutztieren – man bemerke den feinen Unterschied zwischen Tieren, die wir lieben und die wir mit ins Haus nehmen, und denen, die uns nutzen sollen – hat sie im Blick. Mit Kühen sieht das anders aus, und selbst Hühner stolzieren hier und da mitsamt ihren Chicken Wings in deutschen Landen herum. Bei Schweinen hingegen Fehlanzeige.

Bis auf die ewig Guten – die Vegetarier und Veganer, die Weltverbesserer und CO2-Fußstapfen-Minimierer − hat sich die Mehrheit der Bevölkerung mit dem Schattendasein des Hybrid-Borstenviehs abgefunden. Man begegnet sich eben erst an der Fleisch- und Wursttheke. 

Zu den Konsequenzen: Streichen wir doch einfach das Schwein aus der Bilderbuchidylle und verkneifen uns die Frage an den Nachwuchs: „Wie macht das Schwein?“ Es belastet doch nur zu wissen, dass dem konventionell gehaltenen Schwein frischer Wind erst bei seinem letzten Gang um den Rüssel weht. 

Ist das Schicksal der Schweine besiegelt oder gibt es Grund zur Hoffnung? Im März erschien ein 425 Seiten starkes Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Geht es nach dem hochkarätigen Wissenschaftlichen Beirat, dann brechen auch für Schweine bessere Zeiten an: mit Außenklima, mehr Platz und weniger Arzneimitteln. Auch eine internationale Konferenz über Verbesserung des Tierschutzes in der Schweinehaltung fand gerade in Kopenhagen statt. Fazit: Der deutsche, der niederländische und der dänische Landwirtschaftsminister forderten die Europäische Kommission auf, weniger Schwänze zu kupieren, aus der betäubungslosen Ferkelkastration auszusteigen und auch die Sauenhaltung zu verbessern – Babysteps für die armen Schweine würde ich sagen. 

Weiter geht die Biobranche, deren Produktion von Bio-Schweinefleisch derzeit noch nicht mal bei einem Prozent liegt und die gerne weiter wachsen möchte. Forscher vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie entwickeln deshalb derzeit ein Messgerät, das mit biochemischen Markern das Wohlbefinden und die Gesundheit von Nutztieren anzeigt. 

Letztlich in Ostfriesland kam ich bei einem Bauern vorbei, der tatsächlich schwarze Schweine im Freien hielt. Ein Ferkel war zu einem Waldspaziergang ausgebüxt und befand sich auf dem Rückweg zu seinen Artgenossen. Im Gesicht dieses Ferkels stand pure Unternehmungslust und Lebensfreude. Um das festzustellen, brauchte man in dem Fall kein Messgerät, da reichte der Sichtkontakt.

(Susan Tuchel)


 


 

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