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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Moogeln – das ist sich selber googeln

Hand aufs Herz, wer hat noch nicht seinen Namen mal so zum Spaß bei Google oder Google-Bilder eingegeben?

Was mit ziemlicher Sicherheit täglich millionenfach stattfindet, hat ebenso wie die Internetsuche, das Googeln, ein eigenes Wort verdient. Das Wort „moogeln“ markiert die Selbstsuche im Unterschied zur normalen Suche in den Weiten des Netzes. 

Und damit sind wir beim Thema: Selbst ist der Mensch und oft ist er sich selbst auch der nächste. Ausdruck findet die vielzitierte Ego-Gesinnung des 21. Jahrhundert in allem, was um das eigene Ich kreist. Die besten Geschenke und die, die man garantiert nicht mehr umtauschen muss, kann sich jeder – gerade auch jetzt vor Weihnachten – im Zuge des Self-Shoppings oder Me-Giftings kaufen. Vielleicht noch mit einem eigenen Geschenkaufkleber versehen z. B. von Michael für Michael. Und unter dem Weihnachtsbaum kann dann jeder seine eigenen Geschenke auspacken. Festhalten könnte man diese Bescherung, die wie die Lebensvollzüge Essen, Trinken und Party Machen unbedingt gepostet gehört, dann mit einem Selfie-Maker. Dieser Fernauslöser für Smartphones inklusive Touchstand mit Teleskopständer für Selbstporträts ist das ideale Weihnachtsgeschenk für sich selbst. 

Auch Trauungszeremonien können in der modernen Gesellschaft jederzeit stattfinden, wenn man sich nur auf sich selbst besinnt. Namen wie der von Grace Gelder, der Britin, die sich selbst einen Heiratsantrag machte, gehen zurzeit durch die Presse. Grace kaufte sich ein Brautkleid und einen Ring und gab sich vor 50 Hochzeitsgästen das Ja-Wort. Handelt es sich bei diesem Akt nun um den Gipfel des Narzissmus? Dann sei kurz daran erinnert, dass die Selbstliebe des schönen Jünglings ein Strafe war, weil er die Liebe der Nymphe Echo verschmähte. Verliebt in sein Spiegelbild verzehrt er sich so sehr nach diesem, dass er bei Ovid schließlich in die nach ihm benannte Narzisse verwandelt wird. Oder ist der Akt des Me-Weddings ein Schrei nach Liebe und Aufmerksamkeit? Oder vielleicht ein positives Sich-Selbst-Annehmen, um dann automatisch auch für andere liebenswerter zu sein? Zumindest ist die Trauformel „Bis dass der Tod euch scheidet“ in solchen Fällen folgerichtig.

(Susan Tuchel)


 


 

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