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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Winnetou hat zu - Zeit fürs Museum

Da wollten Sie nie hin? Aber ich war nun einmal da. Was tun in Bad Segeberg, wenn die Karl-May-Festspiele Winterpause haben und selbst die Fledermäuse sich zum Winterschlaf in der Kalksteinhöhle aufgehängt haben, um nur noch ein einziges Mal pro Minute zu atmen?

In solchen Fällen gehe ich, nachdem ich die Fußgängerzone erforscht und der Marienkirche, einer dreischiffigen Backsteinbasilika im romanischen Stil, einen Besuch abgestattet habe, einfach ins Museum. Die deutsche Museenlandschaft hat auch abseits der großen Ausstellungen, zu denen Gott und die Welt rennt, ihre Vorzüge - schon allein deshalb, weil sich die Menschen an der Kasse über jeden Besucher freuen.

Ins Teemuseum in Norden habe ich es bislang leider noch nicht geschafft, obwohl meine Eltern unweit von dort wohnen. Das liegt aber nicht nur an mir, sondern auch daran, dass kleine Museen oft sehr eigenwillige Öffnungszeiten haben. Das Teemuseum ist Mittwoch und Samstag von 11.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Das ist noch großzügig, verglichen mit dem Simplicissimus-Haus der Grimmelshausenfreunde im Baden-Württembergischen Örtchen Renchen, das nur sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr öffnet.

Doch zurück zu Bad Segeberg in Schleswig Holstein mit seinem Naturdenkmal Kalkberg. Hier oben in luftiger Höhe von über 110 Metern ließ Kaiser Lothar III. im Jahr 1134 eine Burg errichten. Leider erinnert nur noch ein Brunnenschacht an vergangene Zeiten. Aber nicht irgendein Brunnenschacht, es ist der einzige in den nackten Fels geschlagene Brunnen in ganz Norddeutschland. Wer solche USPs für kleine Städte ausgräbt, dem gebührt ein Verdienstorden.

Die Welt der Fledermäuse

Bad Segeberg hat im Gegensatz zu Düsseldorf mehr Fledermäuse als Einwohner. Auf 20.000 Fledermäuse kommen dort rund 17.000 Einwohner. In die Höhle mit den Fledermäusen durfte ich wegen der schlafenden Tiere nun nicht mehr rein, aber dafür konnte ich eine Karte für Noctalis, die Erlebniswelt der Fledermäuse lösen. Auch nicht schlecht einen Tag vor Halloween.

Ich erfuhr, was mir aufgrund des Aussehens der Fledermäuse schon immer klar war. Die kleinen Flugsäugetiere waren im Mittelalter Symbole des Todes oder drohenden Unheils. Bei den Schwaben wurden sie zu Zeiten, in denen noch niemand vorgab, sich um das Schmerzempfinden von Tieren zu kümmern, als Schutz vor Hexerei an die Haustore genagelt. Man hat sie in Kanonenkugeln eingegossen, um besser zielen zu können. Ihre Organe, Blut und Haare wurden verarbeitet, um blinde und schlaflose Liebe zu erwecken.

Es geht aber auch netter: Die Maya verehrten die Fledermaus als Gottheit und bei den Chinesen bedeutet sie Glück.

Beflügelt von den vielen Eindrücken werde ich demnächst das Internationale Käsemuseum (Hannover), das Rock- und Popmuseum (Gronau), das Curry Wurst Museum (Berlin), das Nummernschild-Museum (Großolbersdorf) und – last but not least – das Muschelmuseum (Ochsenhausen) besuchen.

Das alles und noch viel mehr lernt man in kleinen Museen. Wahrscheinlich haben sich diese schon über alle föderalen Grenzen zusammengeschlossen, um einen Sammelantrag bei der Unesco auf Anerkennung als Weltkulturerbe zu stellen. Bei der Unterschriftensammlung bin ich auf jeden Fall dabei.

(Susan Tuchel)


 


 

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