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Zahlungsmoral

Deutsche Unternehmen zahlen spät

18,8 Prozent der Unternehmen zahlen ihre Rechnungen verspätet. Dadurch entstehende Dominoeffekte lösen Insolvenzen der Unternehmen aus.

Die Zahlungsmoral der deutschen Unternehmen hat sich im Frühjahr 2013 verschlechtert. Im März 2013 zahlten 18,8 Prozent der Unternehmen Ihre Rechnungen verspätet. Dies ist der schlechteste Wert innerhalb der letzten 12 Monate. Das bedeutet, dass fast jedes fünfte Unternehmen in Deutschland hat seine Rechnungen im März nicht fristgerecht bezahlt. Das geht aus der Gemeinschaftsstudie "Zahlungsmoral deutscher Unternehmen" von EOS Deutschland, Spezialist für das Management debitorischer Risiken sowie der Wirtschaftsauskunftei Bürgel hervor. Demnach messen die Studienautoren im Juni 2012 den besten Wert: Lediglich 16,3 Prozent der Firmen in Deutschland hatten ihre Rechnungen nicht fristgerecht bezahlt.

Schwache Konjuktur in Deutschland

Verantwortlich für die verschlechterte Zahlungsmoral ist die
lahmende Konjunktur in Deutschland. Obwohl die Wirtschaft dank
Konsum, gestiegener Löhne und einer stabilen Beschäftigungslage im ersten Quartal 2013 minimal an Fahrt gewonnen hat, halten sich
hiesige Unternehmen, allen voran die Exporteure, derzeit bei
Investitionen zurück.

Dominoeffekte können Insolvenzen verursachen

Hinzu kommt ein bedeutender Einflussfaktor: Das Zahlungsverhalten
von Kunden wirkt sich unmittelbar auf die eigene Liquidität aus.
"Insbesondere Unternehmen, die mit hohen Zahlungsausfällen kämpfen müssen, haben nur einen begrenzten Finanzierungsspielraum. So werden Dominoeffekte angestoßen, die mit Zahlungsverzögerungen, Liquiditätsengpässen und Finanzierungsschwierigkeiten beginnen und schließlich manches Unternehmen in die Insolvenz treiben", sagt Stephan Spieckermann, Geschäftsführer von EOS Deutschland. Zahlungsunfähige Unternehmen drohen, weitere Firmen mit sich zu reißen. "Selbst gesunde Unternehmen können per Dominoeffekt in eine wirtschaftliche Schieflage geraten", ergänzt Bürgel-Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. "Rund 20 Prozent der insolventen Unternehmen sind von diesen Dominoeffekten betroffen."

Unternehmen haben mit Forderungsausfällen zu kämpfen

Der Gemeinschaftsstudie von EOS und Bürgel liegt die Auswertung
des Zahlungsverhaltens von knapp 463.000 Firmen aller Branchen zu
Grunde. Die Analysedaten stammen aus der gemeinsam von EOS und Bürgel betriebenen Wirtschaftsdatenbank DDMonitor (Deutscher Debitoren Monitor). Der DDMonitor erfasst das Zahlungsverhalten von Firmen und Gewerbetreibenden nahezu jeder Wirtschaftssparte. Laut Untersuchung von Bürgel und EOS haben hiesige Unternehmen in den zwölf Monaten des Untersuchungszeitraums nicht nur mit verspäteten Zahlungen, sondern auch vermehrt mit Forderungsausfällen zu kämpfen.

Saarländische Unternehmen schneiden am schlechtesten ab

Am schlechtesten schneiden bei der Zahlungsmoral im Krisenmonat
März saarländische Unternehmen ab; knapp ein Viertel der dortigen
Firmen (24,9 Prozent) hat seine Rechnungen nicht innerhalb des
Zahlungsziels beglichen. Der Prozentsatz von 24,9 Punkten entspricht
zugleich dem schlechtesten Wert aller Bundesländer von April 2012 bis März 2013. Aber auch inNordrhein-Westfalen (21,0 Prozent der
Unternehmen zahlen verspätet) und Bremen (20,9 Prozent) war die
Zahlungsmoral im März 2013 nicht stark ausgeprägt. Dem gegenüber haben Unternehmen in Sachsen die beste Zahlungsmoral. Dort versäumten im Frühlingsmonat nur 15,5 Prozent der Firmen, ihre Rechnungen fristgerecht zu zahlen. Auch Thüringen (16,4 Prozent) und Schleswig-Holstein (16,9 Prozent) schlugen sich hier überdurchschnittlich gut.

Die Ver- und Entsorgerbranche schneidet am schlechtesten ab

Bei der Zahlungsmoral nach Branchen schneiden im März 2013 die
Ver- und Entsorger (Wasser, Abwasser und Abfälle) mit einer Quote von 27 Prozent am schlechtesten ab. Nicht viel besser sieht es im
Baugewerbe mit 23,1 Prozent Unternehmen aus, die ihre Rechnungen nicht fristgerecht begleichen. Ähnliches berichten Bürgel und EOS von den Energieversorgern (22,0 Prozent). Besser bezahlen hingegen Gastronomen (7,6 Prozent Säumige) ihre Rechnungen - ebenso wie die öffentliche Verwaltung (8,3 Prozent) und die Land- und
Forstwirtschaft (9,4 Prozent).

Größere Unternehmen nutzen ihre Marktmacht aus

Im März 2013 zahlten insbesondere die Aktiengesellschaften mit
einem Anteil von 36,9 Prozent nicht fristgerecht "Gerade größere
Unternehmen scheinen ihre Marktmacht auszunutzen und begleichen ihre Rechnungen bewusst verspätet", kommentiert Spieckermann. Nicht wesentlich besser verhält es sich mit dem Geschäftsgebaren der GmbHs hier leisteten 31,1 Prozent der Firmen ihre Zahlungen nicht innerhalb der Frist. Auch bei der Rechtsform der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) lag die Quote von 20,7 Prozent sehr hoch.

Bei 1,1 Prozent der Unternehmen, die ihre Rechnungen nicht
fristgerecht bezahlen, tritt sogar der Inkassofall ein. Am
schlimmsten trifft es hier Berlin mit einem Anteil von 2,4 Prozent,
gefolgt von Brandenburg (1,5 Prozent), Sachsen-Anhalt und Hamburg
(beide 1,4 Prozent).

Die B2B -Wirtschaftsdatenbank DDMonitor ist ein
Gemeinschaftsprodukt von Bürgel Wirtschaftsinformationen, EOS und Euler Hermes. Die Datenbasis umfasst einen Großteil der
deutschlandweit fast 4,0 Millionen Firmen und Gewerbetreibenden. Auf Grundlage des DDMonitor analysieren Bürgel und EOS regelmäßig die Bonität und das Zahlungsverhalten von mehr als 450.000 Unternehmen.

(Redaktion)


 


 

Rechnungen werden spät beglichen
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Größere Unternehmen nutzen Marktmacht aus
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