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  • 11.04.2019, 17:14 Uhr
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Technik

Software online kaufen – das müssen Sie beachten

Neue Software ist teuer. Das gilt vor allem, wenn man einen oder mehrere PCs mit der aktuellen Windows-, Office-, Adobe- oder Kaspersky-Suite ausstatten will. Nicht selten fallen mehrere Hundert Euro Kosten an und man fragt sich, ob es keinen preiswerteren Weg gib. Die gute Nachricht: Den gibt es. Wer Software online einkauft, kann oft viel sparen. Bei den Anbietern sollte man aber genau hinsehen.

Grundlagen des Software-Vertriebs

Werfen wir zunächst einen Blick darauf, was Software als Produkt ausmacht und welche Konsequenzen sich daraus für den Vertrieb ergeben.

Gegenüber herkömmlichen Produkten zeichnet sich Software durch ihre Immaterialität aus. Sie unterliegt keinem Verschleiß, kann verhältnismäßig schnell verändert und permanent weiterentwickelt werden. Zum Lieferumfang gehören Code, Daten, ggf. eine Installations- und Nutzungsdokumentation sowie die Rechte zur Nutzung der Software. Wie die Nutzungsrechte im Einzelfall aussehen, kann ganz verschieden sein. So kann beispielsweise nur die Nutzung, aber auch die Weiterverwendung des Quellcodes erlaubt sein.

Der Vertrieb von Software hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. In der Anfangszeit war er stark an die Hardware gekoppelt. Software wurde von den PC-Herstellern entwickelt und zusammen mit der Hardware ausgeliefert. Mit zuständiger Standardisierung der Hardware-Komponenten entstanden aber immer mehr Fremdentwickler, die Betriebssysteme und Anwendungssoftware herstellten. Diese verkauften die Software entweder selbst als eigenständige Produkte oder sie vertrieben sie im Rahmen von OEM-Lizenzen beispielsweise an PC-Hersteller, die sie dann zusammen mit ihrer Hardware zu den Kunden brachten.

Anders als früher wird Software heute immer seltener in Form von CDs, DVDs oder BluRays vertrieben. Stattdessen erhalten Käufer in der Regel eine Lizenz, einen Download-Link und einen Product Key, mit dem sie das erworbene Produkt auf ihrem Rechner freischalten können. Diese Entwicklung eröffnet Möglichkeiten, die Software deutlich günstiger als beim Hersteller zu kaufen.

Verschiedene Arten von Lizenzen 

Beim Kauf von Software spielen die verschiedenen Arten von Lizenzen eine Rolle. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Typen: Einzelplatz- und Mehrplatzlizenzen. Anbei ein Überblick über die wichtigsten Unterschiede und Unterkategorien.

Einzellizenzen:

Einzellizenzen bezeichnet man häufig als Endbenutzer-Lizenzvertrag (EULA). Diese Lizenzen sind nur zusammen mit vollständig verpackten Produkten erhältlich. Gewöhnlich handelt es sich um Standardprodukte in Computergeschäften des Einzelhandels. In den meisten Fällen sind sie in PCs mit vorinstallierter Software inbegriffen. Die Lieferung erfolgt im Rahmen einer Online-Vertriebsvereinbarung. Im Normalfall ist keine Unterschrift erforderlich. Es genügt ein einfacher Klick, um die Lizenzbedingungen zu akzeptieren.

 

Im Lieferumfang der Produkte sind häufig die eingeschweißte Software, Registrierungskarte und Benutzerhandbuch enthalten. Eine in Papierform beiliegende EULA kommt heute nur noch relativ selten vor. Die meisten Software-Hersteller nutzen eine elektronische EULA, die direkt auf der CD-ROM enthalten ist. Wenn der Nutzer die Lizenzbedingungen nicht akzeptiert, wird der Installationsvorgang abgebrochen.

 

Volumenlizenzen:

Die Volumen- bzw. Mehrfachlizenz unterscheidet sich deutlich von der EULA. Sie wird vor allem von großen Unternehmen genutzt, die ihren Mitarbeitern Software zur Verfügung stellt. Üblicherweise schließen Unternehmen Lizenzverträge direkt mit dem Entwickler.

Man unterscheidet verschiedene Arten von Volumenlizenzen, je nachdem ob die Software pro Arbeitsplatz oder pro Server freigeschaltet werden soll. Bei der Pro-Server-Variante handelt es sich um parallele Lizenzen. Das heißt, dass eine maximale Anzahl von Nutzern festgelegt ist, die gleichzeitig auf einen Server zugreifen können. Bei der Pro-Arbeitsplatz-Version wird eine Zugriffslizenz für jeden PC benötigt, die auf den Server zugreift.

So funktioniert der Online-Kauf von Software

Betriebssysteme und Anwendungssoftware kann man nicht nur bei Microsoft, sondern auch bei anderen Anbietern erwerben. Zum Einen sind das Einzelhändler, die als indirekte Vertriebsorgane fungieren. Hier sind beispielsweise Amazon, Mindfactory und Cyberport zu nennen. Die Preise entsprechen im Wesentlichen denen des Herstellers. Mitunter gibt es kleinere Nachlässe.

Auf der anderen Seite stehen Anbieter wie lizengo. Sie verkaufen Lizenzen zu besonders günstigen Preisen. Hier erhält man nach der Bezahlung einen Download-Link zur Software und den zugehörigen Aktivierungsschlüssel. Man lädt das Programm herunter, gibt den Schlüssel ein, führt die Installation aus und kann die Software anschließend nutzen.

Verfügbare Software-Angebote sind beispielsweise:

  • Microsoft Windows
  • Microsoft Office
  • Kaspersky Virenschutz
  • Adobe Creative Suite

Die günstigen Preise kommen oft dadurch zustande, dass die Anbieter im großen Rahmen Lizenzen aufkaufen, die nicht mehr benötigt werden. Das kann z. B. der Fall sein, wenn große Unternehmen ihre IT-Infrastruktur erneuern und die alten Lizenzen nicht mehr benötigen. Durch die Abnahme großer Volumina können die Preise niedrig gehalten werden. Ein weiterer Grund für den günstigen Preis besteht häufig darin, dass es sich um OEM-Lizenzen handelt. Üblicherweise werden sie als Beigabe zu Komplett-PC-Systemen verkauft. Der separate Vertrieb ist aber seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ebenfalls erlaubt (mehr dazu im letzten Abschnitt).

Vor- und Nachteile des Online-Kaufs von Software

Als wesentlicher Vorteil des Online-Kaufs ist zunächst einmal der geringere Preis zu nennen. Hier gibt es nicht nur Anbieter, bei denen man 20 – 30 Euro spart. Teilweise sind Einsparungen von 50 % und mehr möglich. Hinzu kommen die Zeitersparnis und die unkomplizierte Abwicklung. Sobald man bezahlt hat, bekommt man Download-Link und Produktschlüssel in der Regel binnen weniger Minuten zugeschickt, sodass man direkt mit der Installation starten kann.

Nachteile gibt es allerdings auch. So ist bei OEM-Lizenzen häufig ein kleinerer Liefer- und Funktionsumfang als bei der herkömmlichen Retail-Version vorgesehen. Auch beim Kundenservice gibt es Einschränkungen. Darüber hinaus kommt es vor allem auf die Wahl des richtigen Anbieters an. Hier gibt es nämlich viele schwarze Schafe. Darauf gehen wir in den nächsten Abschnitten genauer ein.

Ist der Online-Kauf von gebrauchten Software-Lizenzen legal?

Hier kommt es immer ein wenig auf den konkreten Fall an. Legal ist es zunächst einmal, wenn aus Volumenlizenzen einzelne Lizenzen ausgegliedert und weiterverkauft werden (siehe Entscheidung Az. 11 U 68/11 vom 18. Dezember 2012 vom OLG Frankfurt).

Den Grundstein zur aktuellen Rechtslage legte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Jahr 2012 mit seiner „Used-Soft“-Entscheidung. Sie besagt, dass Lizenzen unter bestimmten Voraussetzungen weiterverkauft werden dürfen. Zentral ist hierbei der Erschöpfungsgrundsatz. Demnach gilt, dass eine Lizenz weiterverkauft werden darf, wenn sie innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums für einen angemessenen Preis durch den Rechteinhaber auf den Markt gebracht wurde. Voraussetzung ist lediglich, dass der Verkäufer seine Kopie löscht.

Bei seriösen Anbietern ist also soweit zunächst einmal alles in Ordnung. Vorsicht ist bei dubiosen Keysellern geboten. Sie kaufen physische Datenträger mit der Software zunächst in Ländern, in denen sie billiger ist als hier. Anschließend löschen sie den originalen Datenträger, verkaufen die Lizenzschlüssel und wähnen sich rechtlich auf der sicheren Seite. Hier greift der Erschöpfungsgrundsatz laut dem Landgericht Berlin aber nicht. In einer Entscheidung vom März 2014 (Az. 16 O 73/13) begründete es dies damit, dass der Weiterverkauf nur in der Form möglich ist, in der die Software auch auf den Markt gekommen ist. Wird die Software nur als Lizenzschlüssel weiterverkauft, darf der Schlüssel also weitervertrieben werden. Kommt sie aber beispielsweise als DVD auf den Markt, ist auch nur der Verkauf per DVD möglich.

Darauf muss man beim Kauf achten

Einen seriösen Anbieter kann man relativ schnell erkennen. Zunächst einmal ist darauf zu achten, dass alle wichtigen Unterlagen im Lieferumfang enthalten sind. Hierzu gehören:

  • Lieferschein
  • Rechnung
  • Deinstallationsbestätigung
  • Nachweis über den rechtmäßigen Erwerb
  • Nachweis über korrekte Rechtekette

Vor allem bei den Lizenzen muss man genau hinsehen. Mitunter entstammen die Keys Volumenlizenzen für Unternehmen. Bei unseriösen Anbietern werden sie mehrfach verkauft. Beim Kauf ist deshalb darauf zu achten, dass ein Echtheitszertifikat (COA „Certificate of Authenticity“) enthalten ist.

Hinweis: Häufig handelt es sich bei den verkauften Keys um OEM-Schlüssel. Große Unternehmen wie Microsoft hätten es natürlich gerne, dass diese nur im Paket mit neuer Hardware verkauft werden dürfen. Diese Hardware-Bindung ist nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aber nicht mehr zulässig.

Sehen Sie weiterhin bei Anbietern genau hin, die den Key nur per Email versenden. Hier kann man letztendlich niemals sicher sein, dass man der Einzige ist, der den Key benutzt oder benutzen wird. Nicht selten bekommt man dann Fehlermeldungen wie „Ihr Key ist bereits auf einem anderen Gerät installiert“ angezeigt. Wer ganz sicher gehen will, verlässt sich deshalb ausschließlich auf versiegelte Keys.

(Redaktion)


 


 

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