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Abmahnung

Trainer Baade gegen Jako: Mit 3:1 gewonnen

Wieder mal ein Lehrstück in Sachen PR im Web 2.0: Der Versuch des Sportartikelherstellers Jako, den Duisburger Blogger Trainer Baade per Abmahnung finanziell unter Druck zu setzen, ist gescheitert. Der Imageschaden für das Unternehmen bleibt.

Unter PR-Gesichtspunkten ist diese Woche für Andreas Baade eigentlich ganz gut gelaufen. Denn der Duisburger hat seine Marke "Trainer Baade" in Rekordzeit bundesweit bekannt gemacht und dürfte zahlreiche neue Leser für sein Blog bekommen haben. Zumindest war es einige Zeit auf Grund des großen Ansturms nicht mehr erreichbar. Und nachdem der Kontrahent des Fußballtrainers - der Sportartikelhersteller Jako AG aus Mulfingen-Hollenbach - gestern in einer Pressemitteilung bekannte "Wir haben überreagiert", sind nun auch die finanziellen Drohungen gegen den Blogger mit der kernigen Ruhrgebietssprache vom Tisch.

Noch einmal die Vorgeschichte:

"Trainer Baade" hatte sich in seinem Blog abfällig und in Fäkalsprache (”von relativer Scheiße zu ganz besonderer Scheiße”) über das neue Jako-Logo geäußert hatte. Das Unternehmen beauftragte wegen dieser "Schmähritik" Iris Sanguinette von der Kanzlei Horn und Kollegen in Neckarsulm, die den Blogger dazu bewegte, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterschrieben. Dennoch war der Beitrag nach Wochen noch immer im Web abrufbar. Die Jako AG setzte erneut Juristen auf den Fall an – nicht wissend, dass der tschechische Nachrichtenaggregator “Newstin” die Äußerungen weiter verbreitet hatte.

Die erneute Geldforderung an Baade brachte das Fass zum Überlaufen und nachdem die Geschichte über Twitter, verschiedene Blogs schließlich bei heise.de, Spiegel online, in verschiedenen Tageszeitungen und im TV gelandet war, hatte Jako einen erheblichen Imageschaden und auch die Website der Sportartikel-Firma brach unter dem plötzlichen Ansturm zusammen. Die vorher relativ unbekannte Marke war plötzlich in aller Munde. Eine gezielte Marketingaktion (wie mittlerweile auch vermutet wird), war das Ganze aber wohl auch nicht.

“Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen”, betont Jako-Chef Rudi Sprügel in seiner Pressemitteilung, “aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt”. Außerdem sei es unglücklich gewesen, nicht sofort auf die Anfragen von Bloggern und Journalisten zu reagieren.

Eine späte Erkenntnis, die sich das Unternehmen mit etwas Kenntnis der Web 2.0-Mechanismen hätte ersparen kennen. So bleibt der Fall "Jako gegen Trainer Bade" ein Lehrstück für die PR-Branche und Unternehmen insgesamt. Bei vermeintlich oder auch wirklich ungerechtfertigten Behauptungen in einem Blog mit dem Abmahnhammer zu kommen, ist in der Regel immer der falsche Weg. Wie schnell eine solche Attacke in Zeiten von Twitter und Facebook seine Runde macht und einen David-gegen-Goliath-Effekt auslöst, hat nicht nur Jako zu spüren bekommen. Und die Zeit, bis eine solche Story auch in die anderen Medien findet, wird immer kürzer. Wenn dann noch die Forderung nach Boykott des Unternehmens dazu kommt, ist es zum direkten wirtschaftlichen Schaden nicht mehr weit.

Aber offensichtlich sind manche Unternehmen nur begrenzt lernfähig: Denn inzwischen hat der Telefonanbieter Primacall beim Landgericht Hamburg Klage gegen das Blog "Spreeblick" eingereicht (angedrohtes Ordnungsgeld: 250.000 Euro) und verlangt die Entfernung eines alten Artikels von 2007. Die nächste Empörungswelle kann beginnen.

(Redaktion)


 

 

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1 Kommentar

von pr_ip
04.09.09 11:17 Uhr
Es geht nicht um EINEN Blogger...

...es geht dabei um das mangelnde Verständnis für die Funktionsweise der neuen Medienwirklichkeit und in letzter Konsequenz um das Verhältnis zu Kunden und Verbrauchern per se. Siehe auch: http://trg.li/fc

 

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