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Wirtschaftsförderung Dortmund

Interview mit Udo Mager: "Dortmund hat die Krise ganz gut überstanden"

Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, blickt im Gespräch auf das Jahr 2009 zurück, spricht über anstehende Projekte und verrät seine Highlights für das Kulturhauptstadtjahr 2010.

Herr Mager, sagen Sie zum Jahresende 2009: Gut, dass wir dieses Krisenjahr endlich hinter uns gebracht haben?

2009 war sicherlich kein einfaches Jahr, nicht nur für Dortmund, sondern für Städte und Kommunen weltweit. Ob die Talsohle schon durchschritten ist, lässt sich sicher noch nicht sagen. Uns stehen noch große Herausforderungen bevor – auch der Wirtschaftsförderung. 2010 tragen wir mit Einsparungen von rund 2,4 Millionen Euro zur Konsolidierung des städtischen Haushalts bei. Es gilt, unter diesen erschwerten finanzpolitischen Bedingungen ein qualitativ wie quantitativ hochwertiges Angebot für die Unternehmen sicherzustellen. Umso mehr freuen wir uns natürlich über die positiven Unternehmensnachrichten des Jahres. Denn die gab es 2009 durchaus, und sie stimmen zuversichtlich für die Zukunft.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Zahlreiche Unternehmen haben sich entschieden, auch in Zukunft auf den Standort Dortmund zu setzen. Nicht wenige planen sogar, vor Ort kräftig zu expandieren. Dazu zählt zum Beispiel die Deutsche Telekom, die ihr Servicecenter ausbaut und damit 300 zusätzliche Arbeitsplätze schafft. Oder nehmen Sie Albonair: Der Automobilzulieferer errichtet auf PHOENIX West eine neue Firmenzentrale. Dazu kommen Unternehmen wie TEDI, die mit ihrer Europazentrale in Dortmund gehalten werden konnten, die Direktkrankenkasse BiG, die AOK, der Pressegroßhandel Schmitz und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, um nur einige zu nennen. Damit setzen die Unternehmen ein klares Signal für den Wirtschaftsstandort Dortmund.

Welche Schwerpunkte setzt die Wirtschaftsförderung 2010?

Unser vorrangiges Ziel ist es, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben und dadurch Arbeit und Beschäftigung zu sichern. In Dortmund setzen wir daher neben den klassischen Industriebranchen konsequent auf die so genannten „Zukunftsbranchen“ wie die Informationstechnologien, Logistik , Mikro- und Nanotechnologie oder auch Biotechnologie. Mit dem dortmund-project haben wir diese Branchen kontinuierlich gefördert und weiterentwickelt – und das seit nunmehr zehn Jahren. Im November 1999 ging das dortmund-project als deutschlandweit einzigartiger Zusammenschluss von Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft an den Start und hat seitdem Erfolgsgeschichte geschrieben. Die Zahlen sprechen für sich. Ende 2009 hat das Beratungsunternehmen prognos seinen „Zukunftsatlas Branchen“ veröffentlicht. Dortmund liegt dabei auf Platz 23 von insgesamt 413 untersuchten Städten und Gemeinden. Anders ausgedrückt heißt das: Die Stadt hat gute Zukunftsaussichten.

Büßt sie durch die Anhebung der Gewerbesteuer nicht ein Stück Wettbewerbsfähigkeit ein?

Natürlich spielt die Höhe der Gewerbesteuer bei der Ansiedlung von Unternehmen und als „Signal“ an Bestandsunternehmen eine wichtige Rolle. Ich habe deshalb von einer Erhöhung abgeraten. Nun ist der Ratsbeschluss, der immerhin statt 475 „nur“ 468 Punkte vorsieht, zu respektieren. Dortmund hat ja in der Vergangenheit immer auch mit anderen Leistungen gepunktet. Dazu zählt eine effiziente Planungsverwaltung ebenso wie eine hervorragende Infrastruktur . Außerdem wird die Attraktivität eines Standortes auch von vielen anderen Kriterien, wie wissenschaftliche Kompetenzen, Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Flächenangebote und Netzwerkstrukturen bestimmt. Und davon haben wir einiges zu bieten.

Spielt das aktuelle Thema Klimaschutz in Dortmund eine Rolle?

Dieses Thema ist in den vergangenen Monaten immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Dortmund ist hier sehr gut aufgestellt und verfolgt schon länger ehrgeizige Ziele. Dies gilt zum Beispiel im Bereich energieeffiziente Immobilien, in dem die Stadtverwaltung selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Ältere Gebäude werden energetisch saniert und bei Neubauten wird Wert darauf gelegt, ökologisch und energieeffizient zu bauen sowie verstärkt regenerative Energien zu nutzen. Drei Immobilien wurden noch vor der Fertigstellung im Rahmen der EXPO REAL mit dem Deutschen Gütesiegel „Nachhaltiges Bauen für Industrie- und Handelsbauten“ vorzertifiziert: der Westfalentower, das Büro- und Verwaltungsgebäude Rheinische Straße 1 und das Bürogebäude Freundlieb am PHOENIX SEE. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) hat diese Auszeichnung 2009 erstmals vergeben. Für Unternehmen spielen diese Aspekte eine immer größere Rolle, weil sie dadurch mittelfristig Geld sparen.

Klimaschutz als Standortvorteil?

Ja, so könnte man es sagen. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen erkennen, dass sich Klimaschutzmaßnahmen auch wirtschaftlich auszahlen. So hat sich das Projekt ÖKOPROFIT bei den Betrieben vor Ort erfolgreich als Umweltberatungsprogramm etabliert. Im Rahmen von ÖKOPROFIT entwickeln sie maßgeschneiderte Konzepte, mit denen sie die Umwelt entlasten und gleichzeitig ihre betrieblichen Kosten reduzieren können. Das Interesse ist enorm: Mitte Dezember ist das Projekt in Dortmund in seine mittlerweile achte Runde gestartet. In unseren Bemühungen bestätigt hat uns die Auszeichnung mit dem EUROCITIES Award im November in Stockholm, über die wir uns sehr gefreut haben. Mit dem Preis hat das Netzwerk EUROCITIES unser kooperatives Lösungsmodell zum Klimaschutz gewürdigt und Dortmund damit zu einer Vorzeigestadt in Sachen Klimaschutz erklärt. Als solche möchten wir uns etablieren und auch in Zukunft Maßstäbe setzen.

Highlight des kommenden Jahres ist sicherlich RUHR.2010. Welchen Stellenwert hat das Kulturhauptstadtjahr?

Im Kulturhauptstadtjahr steht die Kreativwirtschaft im Mittelpunkt. Im Dortmunder U entsteht derzeit aber nicht nur ein Zentrum für Kunst und Kreativität, sondern einer der fünf RUHR.Visitor Center in der Metropole Ruhr. Als Besucherzentrum bieten wir unseren Gästen dort eine feste Anlaufstelle. Wir wollen die Chance nutzen, uns der Welt 2010 von unserer besten Seite zu zeigen und das Bild einer modernen, weltoffenen Stadt zu vermitteln. Deshalb fördert die Stadt im Rahmen von Dortmund RUHR.2010 mehr als 40 Projekte.

Auf welche Angebote können sich die Besucher konkret freuen?

Dortmund deckt die gesamte kulturelle Bandbreite ab, so dass für jeden etwas dabei ist. Zu den Veranstaltungen zählen etwa das Festival „Scene: Ungarn in NRW“, das Sprachtheater „Odyssee Europa“, die „Transindustriale“, der deutsche Chorwettbewerb und das Musikfestival „Klangvokal“. Und natürlich macht Dortmund Mitte Juli auch beim „Still-Leben Ruhrschnellweg“ quer durch das Ruhrgebiet mit. Im Mai ist die Stadt zudem „Local Hero“. Bei diesem Projekt steht jede Stadt der Metropole Ruhr eine Woche lang im Mittelpunkt der Kulturhauptstadt Europas.

Was erhoffen Sie sich vom Kulturhauptstadtjahr?

2010 rückt die Metropole Ruhr als Kulturstandort ins Rampenlicht. Ich bin davon überzeugt, dass die Region auch über das Kulturhauptstadtjahr hinaus als moderner und attraktiver Standort wahrgenommen werden wird. Das ist nicht nur mit Blick auf die Tourismus-Branche wichtig, sondern auch im Wettbewerb um die besten Köpfe.

(Redaktion)


 

 

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