Sie sind hier: Startseite Ruhr Aktuell Recht & Steuern
Weitere Artikel
Umsatzsteuer

Wann wird für private eBay-Verkäufe die Umsatzsteuer fällig?

Fast jeder hat schon einmal einen Gegenstand im virtuellen Auktionshaus Ebay versteigert. Meist handelt es sich um gebrauchte und nicht mehr benötigte Dinge. Doch auch hier kann das Finanzamt zuschlagen und unter Umständen Umsatzsteuer einfordern.

Auch eine private Auktion auf der Internet-Plattform eBay verpflichtet unter bestimmten Voraussetzungen zur Abführung der Umsatzsteuer, entschied jüngst das Finanzgericht Stuttgart. 

Unverhofft kommt oft: Ein Ehepaar versteigerte über einen Zeitraum von etwa dreieinhalb Jahren auf eBay mehr als 1.200 Gebrauchsgegenstände. Im Wesentlichen handelte es sich um alte Spielzeugpuppen, Füllfederhalter, diverses Porzellan und ähnliche Dinge. Die beiden erzielten aus diesen „Privatverkäufen“ eine beachtliche Summe – zwischen 20 000 und 30 000 Euro jährlich. Und so meldete sich das Finanzamt zu Wort: Mit diesen Summen lag das Paar erheblich über dem Grenzbetrag, bis zu dem bei Anwendung der sog. Kleinunternehmerregelung (§ 19 Umsatzsteuergesetz) im Regelfall keine Umsatzsteuer anfällt (aktuell: 17.500 Euro im Kalenderjahr). Das Ehepaar war allerdings davon ausgegangen, dass die als „privat“ deklarierten Verkäufe komplett umsatzsteuerfrei seien. Schließlich hatten die beiden lediglich Gegenstände veräußert, die sie zuvor aus einer Sammlerleidenschaft heraus – und ohne die Absicht des späteren Wiederverkaufs – über einen langen Zeitraum hinweg erworben und gesammelt hätten. Das Finanzamt hatte die Auktionen demgegenüber als umsatzsteuerpflichtig behandelt und aus dem Verkaufserlös den darin seiner Auffassung nach enthaltenen Umsatzsteueranteil heraus gerechnet.

Auch vor dem Finanzgericht hatte das Ehepaar keinen Erfolg. Die Richter haben die Besteuerung der Verkäufe als zutreffend angesehen und die Klage abgewiesen (Az. 1 K 3016/08). Die beiden seien als Unternehmer im Sinne von § 1 Abs. 1 Nr. 1 Umsatzsteuergesetz anzusehen. Dies setze voraus, dass es sich bei den Verkaufsaktivitäten um eine nachhaltige Betätigung handelt. Hiervon war nach Ansicht des Gerichts bei einer derart intensiven und auf Langfristigkeit angelegten Verkaufstätigkeit auszugehen. Die eBay-Auktionen seien mit erheblicher Intensität betrieben worden und haben einen nicht unerheblichen Organisationsaufwand erfordert. Darauf, dass ihr Auftreten nicht dem eines klassischen, gewerblichen Händlers entsprochen habe, weil sie die Ware nicht schlicht „durchgehandelt“ hätten, komme es nicht entscheidend an.

Die Revision ist zugelassen worden und derzeit unter dem Az. V R 2/11 beim Bundesfinanzhof (BFH) anhängig.

(Viola C. Didier)


 


 

Auktionshaus
Ebay
Finanzamt
Umsatzsteuer
Internet-Plattform
Finanzgericht
Stuttgart
Bundesfinanzhof
BFH

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Auktionshaus" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: