Sie sind hier: Startseite Ruhr Aktuell News
Weitere Artikel
  • 06.03.2020, 13:17 Uhr
  • |
  • Hamburg
Wirtschaftslage

Firmenpleiten: niedrigste Insolvenzzahlen seit 25 Jahren

19.005 Unternehmen meldeten 2019 in Deutschland Insolvenz an – ein neuer Tiefstand seit 1994. Die meisten Firmenpleiten gab es in Berlin. Den stärksten Anstieg verzeichnet Hamburg. Das ergaben Auswertungen der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel.

Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist mit 19.005 Unternehmen im letzten Jahr erneut gesunken. Damit verringerten sich die Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent. 2018 wurden 19.552 Firmeninsolvenzen gemeldet. Das teilt die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel mit.

Durch den mittlerweile zehnten Rückgang in Serie sind die Firmeninsolvenzen 2019 auf einen neuen Tiefstand seit 1994 gesunken, wo es 18.820 Fälle gab. Im Vergleich zum bisherigen Insolvenzhöchstjahr 2003, in dem es in Deutschland noch 39.320 Firmenpleiten gab, haben sich die Insolvenzfälle 2019 damit mehr als halbiert.

„Die Firmen in Deutschland profitieren von einer verbesserten Eigenkapital-Ausstattung in Kombination mit der stabilen wirtschaftlichen Entwicklung. Angetrieben durch die Binnenkonjunktur und den privaten Konsum haben sich die Unternehmen in den letzten Jahren einen Puffer gegen Krisen aufgebaut“, kommentiert Crifbürgel-Geschäftsführerin Ingrid Riehl die aktuellen Zahlen. Demnach könnten Firmen zudem aufgrund des niedrigen Zinsniveaus ohne große Probleme Kredite zu günstigen Konditionen aufnehmen.

Anstieg wegen Konjunkturabschwächung erwartet

Für das kommende Jahr werde allerdings einen Anstieg der Firmenpleiten auf 19.500 Fälle erwartet. „Die Abschwächung der Konjunktur in Deutschland wird sich 2020 auch in den Insolvenzzahlen niederschlagen“, prognostiziert Ingrid Riehl. Hinzu käme die steigende Anzahl an Großinsolvenzen im Jahr 2019. In vielen Fällen sorgten so Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen zeitversetzt weitere Unternehmen mit in die Insolvenz ziehen. Als bekanntere Firmenpleiten im vergangenen Jahr werden beispielhaft Thomas Cook, Germania, die Modekette Gerry Weber oder den TV-Hersteller Loewe genannt.

Die durch Firmeninsolvenzen verursachten Schäden summierten sich laut Experten im Jahr 2019 auf knapp 25 Milliarden Euro. Im Durchschnitt wären damit für die Gläubiger Forderungsausfälle von knapp 1,3 Millionen Euro pro Insolvenz entstanden.

Hamburg über Durchschnitt und mit stärkstem Anstieg zum Vorjahr

Die höchste Insolvenzdichte gab es 2019 in Berlin. In der Hauptstadt mussten 90 von 10.000 Unternehmen eine Insolvenz anmelden. Der Bundesdurchschnitt lag bei 58 Pleiten je 10.000 Firmen. Über diesem Wert rangieren neben Berlin auch das Saarland mit 85 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, Nordrhein-Westfalen mit 82 Insolvenzen, Hamburg mit 80, Bremen mit 79, Sachsen-Anhalt mit 70 und Schleswig-Holstein mit 68 Insolvenzen.

Die wenigsten Firmenpleiten gab es im Jahr 2019 in Thüringen mit 36 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen. Aber auch in Baden-Württemberg und Brandenburg mit 41 Fällen und Bayern mit 43 Fällen auf 10.000 Unternehmen mussten vergleichsweise wenig Firmen eine Insolvenz anmelden.

Den stärksten Anstieg im Vergleich zum Jahr 2018 gab es in Hamburg mit einem Plus von 11,1 Prozent (siehe Interview mit Ingrid Riehl, Crif Bürgel GmbH). Deutlich mehr Firmeninsolvenzen wurden auch im Saarland mit plus 8,1 Prozent und in Bayern mit plus 6,6 Prozent registriert.

Herausforderung Logistikbranche

Die Logistik steht mit 80 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen an der Insolvenz-Spitze der Auswertung der Hauptbranchen. Auch in der Dienstleistungsbranche liegt die Insolvenzquote mit 78 und im Bauwesen mit 70 Insolvenzen über dem Durchschnitt von 58 Pleiten pro 10.000 Firmen. Die geringste Insolvenzdichte gibt es mit 14 Pleiten je 10.000 Unternehmen in der Energiebranche.

Dürresommer 2018 wirkte nach

Der extreme Dürresommer 2018 hat die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wirtschaftlich schwer belastet. Die Folgen des heißen Sommers haben sich auch auf die Insolvenzzahlen in der Landwirtschaft negativ ausgewirkt. Im Jahr 2019 mussten 137 Unternehmen aus der Landwirtschaft eine Insolvenz anmelden und damit 19,1 Prozent mehr als vor einem Jahr mit 115 Insolvenzen.

Vor allem kleine Unternehmen von einer Insolvenz betroffen

Das Insolvenzgeschehen in Deutschland ist vor allem von kleinen Unternehmen geprägt. 15.502 bzw. 81,6 Prozent der insolventen Unternehmen hatten nicht mehr als fünf Mitarbeiter. Der Anteil am Insolvenzgeschehen nimmt weiterhin mit steigender Zahl der Arbeitnehmer weiter ab.

14 von 100 Unternehmen geben innerhalb von zwei Jahren auf

13,7 Prozent der insolventen Firmen scheitern bereits in den ersten zwei Jahren nach ihrer Gründung. Die Gründe für das Scheitern junger Unternehmen sind vielschichtig, aber vorrangig in der Geschäftsidee der Gründer zu sehen, analysiert Crifbürgel. Sei diese nicht marktfähig oder würden die Produkte nicht effizient hergestellt, habe das Unternehmen keine Überlebenschance. Marktveränderungen, strategische Fehlentscheidungen und mangelnde fachliche Kompetenz machten den Gründern ebenfalls zu schaffen.

(Redaktion)


 


 

Unternehmen
Insolvenz
Firmeninsolvenzen
Firmenpleiten
Firmen
Deutschland
Hamburg
Gründe
Pleiten
Berlin
Crifbürgel

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Unternehmen" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: