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  • 11.02.2013, 06:49 Uhr
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amazon und zalando

Gewerkschaften kritisieren die großen Internet-Händler

Tastatur und Maus sind immer öfter die erste Wahl wenn Deutschlands Konsumenten einkaufen. Bei steigender Tendenz fließt bereits jetzt etwa jeder zehnte Euro in den Online-Umsatz. Doch die Gewerkschaften weisen darauf hin, dass der Einkauf bei großen Onlinehändlern wie Amazon und Zalando auch seine Schattenseiten hat.

So steht der weltweit größte Internethändler Amazon, der in Deutschland inzwischen einen Jahresumsatz von fast 6,5 Milliarden € erwirtschaftet, immer wieder am Pranger: Bis zu 3000 Arbeitsplätze sollten beispielsweise im neuen Logistikzentrum Werne – zumindest in Spitzenzeiten – geschaffen werden. Doch in Gewerkschaftskreisen wird die Belegschaft lediglich auf rund 800 Mitarbeiter geschätzt, darunter nur bis zu 300 Festangestellte. Immer wieder werden laut Verdi Mitarbeiter befristet eingestellt und kurze Zeit später wieder freigesetzt.

Die Personalpolitik des amerikanischen Online- Konzerns stößt auch bei Alexandra Willms, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi in Unna, auf Empörung: „Hier laufen Verträge aus, dort werden neue abgeschlossen – das durchschaut niemand“, so Willms.

Und auch die Bezahlung ist undurchsichtig: Durchschnittlich 9,36 € werden nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen gezahlt. „Manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger“, so ein Mitarbeiter gegenüber unserer Zeitung. Von einem Lohn um 20 Prozent unter Handelstarif ist in der Branche die Rede. Amazon wollte zu diesen Vorwürfe keine Stellung nehmen.

Der Druck auf die Mitarbeiter ist enorm: Insider berichten von kurzfristig angeordneten Nachtschichten oder Überstunden. Verdi- Chef Frank Bsirske sprach jüngst über den Leistungsdruck bei Amazon: „Ich habe schon einiges erlebt, aber einen Arbeitgeber, der wegen zweimaliger Inaktivität innerhalb von fünf Minuten abmahnt, habe ich zuvor noch nicht erlebt.“

Schon 2011 hatte Amazon Schlagzeilen gemacht, weil das Unternehmen eine Gesetzeslücke nutzte, um Tausende Arbeitslose eine sogenannte „Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ absolvieren zu lassen – mit erheblichem Lohnabschlag.

Amazon ist kein Einzelfall: Weniger ertragreich, aber mit spektakulärer Werbung ist der Online-Modeversender Zalando mit Sitz in Berlin aktiv. Das Unternehmen schreibt – vor allem wegen des Versprechens, gelieferte Ware kostenlos zurückzunehmen – rote Zahlen. Auch hier wird der so entstehende Druck offenbar an die Mitarbeiter weitergegeben. Das ZDF berichtete kürzlich von Stundenlöhnen für Produktionshelfer von 7,01 € und unzumutbaren Arbeitsbedingungen.

(Jürgen Stilling)


 


 

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