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Arbeitsmarktforschung

Bundesagentur analysiert Qualität der Beschäftigung im Saarland

Das Institut für Arbeitsmarkt-und Berufsforschung in Saarbrücken, die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat für eine aktuelle Studie die „Qualität der Beschäftigung“ im Saarland analysiert. Demnach liegt sowohl die Teilzeit- als auch die Leiharbeitsquote unter dem westdeutschen Durchschnitt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Saarbrücken (IAB) untersuchten im Rahmen der Studie die unterschiedlichen Formen der Erwerbsarbeit.

Erwerbsformen unterscheiden sich in der Länge der Arbeitszeit (Vollzeitbeschäftigung, Teilzeitbeschäftigung, geringfügige Beschäftigung), der Dauer der Beschäftigungsverhältnisse (unbefristete, befristete Beschäftigung), der Weisungsgebundenheit des Arbeitgebers (Leiharbeit), der Lage der Arbeitszeit (Schicht-, Nacht- , Wochenarbeit, flexible Arbeitszeitregelungen) und im Erwerbsstatus (abhängige oder selbstständige Tätigkeit).
 
Die Studien-Ergebnisse im Einzelnen:

Teilzeit

Zum Stichtag 30.06.2013 arbeiteten 88.785 Beschäftigte im Saarland Teilzeit. Die Teilzeitquote, dies ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, lag bei 24,5 Prozent und somit 0,8 Prozentpunkte unter dem westdeutschen Wert. In Rheinland-Pfalz lag die Teilzeitquote bei 26,9 Prozent.

Einen möglichen Grund dafür, dass die Teilzeitquote im Saarland geringer ausfiel als in Rheinland-Pfalz sieht das IAB in der größeren beschäftigungspolitischen Bedeutung des Produzierenden Gewerbes, das hauptsächlich Vollzeitkräfte beschäftigt.

Ein weiterer Grund könnte die traditionell niedrigere Erwerbsbeteiligung von Frauen im Saarland sein. Umgekehrt beruht der Branchenmix in Rheinland-Pfalz in höherem Maße auf Beschäftigungen im tertiären Sektor, die vorrangig von Frauen in Teilzeitbeschäftigungen ausgeführt werden.
 
Nach wie vor ist die Teilzeitbeschäftigung eine Frauendomäne: acht von zehn Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Betrachtet nach Wirtschaftsbereichen arbeiten 57 Prozent der Teilzeitbeschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen, im Einzel-/Großhandel/Reparatur sowie Immobilien/professionelle Dienstleistungen.

Geringfügige Beschäftigung

Zum Stichtag 30.06.2013 waren im Saarland 98.249 Personen geringfügig beschäftigt. Für mehr als zwei Drittel der geringfügig beschäftigten Personen war der Minijob die einzige berufliche Tätigkeit, während knapp jeder Dritte den Minijob neben einer anderen (Haupt-)Erwerbsarbeit ausübte. Viele Minijobber sehen diesen Verdienst als Zusatzverdienst an.

Vielfach handelt es sich um einfache Tätigkeiten mit geringem Anspruchsniveau, so dass die Einstiegsbarrieren in diese Beschäftigungsform sehr niedrig sind.

Sechs von zehn geringfügig Beschäftigten sind Frauen. 44 Prozent aller geringfügig Beschäftigten sind 50 Jahre und älter. Bezüglich der Qualifikation hat das IAB festgestellt, dass überwiegend Geringqualifizierte eine geringfügige Beschäftigung ausüben (67 Prozent).

Leiharbeitsbeschäftigung

Im Jahr 2013 betrug die Leiharbeitsquote im Saarland 2,3 Prozent. Der Großteil der 8 419 Leiharbeitsbeschäftigten sind Männer (77 Prozent). Der Anteilswert im Saarland liegt somit über dem westdeutschen Wert in Höhe von 71 Prozent. Ein Grund hierfür ist, dass Leiharbeit überwiegend in Fertigungsberufen zum Tragen kommt, welche überwiegend von Männern ausgeführt werden.

Die ausgeprägte Spezialisierung der Saar-Wirtschaft auf produzierende Betriebe, die stark exportorientiert und konjunkturabhängig sind, hat eine höhere Nachfrage für temporäre Beschäftigungen im Fertigungsbereich zur Folge.
 
Auffallend ist, dass jüngere Beschäftigte stark in der Leiharbeit vertreten sind. Im Saarland beträgt dieser Anteil 17 Prozent und fällt um sechs Prozentpunkte höher aus als dies in der Gesamtbeschäftigung der Fall ist.

 Die Ursache für diese „junge“ Altersstruktur kann unter anderem darin gesehen werden, dass eine befristete Leiharbeitsbeschäftigung für jüngere Arbeitnehmer häufig eine Übergangslösung auf dem Weg in eine Ausbildung oder in eine reguläre Beschäftigung darstellt.
 
Es ist erkennbar, dass die Ausländerquote in der Leiharbeit sehr hoch ist. Im Saarland beträgt sie 26 Prozent; im Vergleich zu 22 Prozent in Westdeutschland. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass an der Saar sehr viele Leiharbeitskräfte Franzosen sind, die aus dem benachbarten Lothringen einpendeln und offenbar über Zeitarbeit einen Einstieg in den Arbeitsmarkt finden.

Die Franzosen bilden die beschäftigungsstärkste Nation unter den ausländischen Leiharbeitsbeschäftigten.

Befristungen

Der Trend zu befristeter Beschäftigung ist steigend. Die Anteile der befristet Beschäftigten sind sowohl im Saarland als auch in Westdeutschland gegenüber dem Jahr 2006 gestiegen. Im Saarland waren im Jahr 2012 insgesamt 6,8 Prozent aller Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen. Somit liegt dieser Wert unter dem für Westdeutschland mit 7,3 Prozent.

Beschäftigung „Untere Lohnschwelle“

Die untere Lohnschwelle errechnet sich aus dem Bruttomedianlohn aller Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende). Für Westdeutschland lag dieser Medianlohn Ende 2012 bei 3 022 Euro. Wer weniger als zwei Drittel dieses Bruttolohnes verdient, also weniger als 2 015 Euro, liegt unter dieser Schwelle.

Im Saarland beträgt der Anteil der Beschäftigten, deren Entgelt unterhalb der unteren Lohnschwelle liegt bei 19,1 Prozent. In den westdeutschen Bundesländern verdienten 18,8 Prozent der Beschäftigten unterhalb dieser Lohnschwelle.

Weitere Informationen unter www.arbeitsagentur.de

(Quelle: Arbeitsagentur)


 


 

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