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SIKB-Vorstand Armin Reinke

Finanzierungsmängel sind Krisenursache Nummer 1

1951 wurde die Saarländische Investitionskreditbank AG (SIKB) als Förderbank des Saarlandes gegründet. Seither erfüllt sie den staatlichen Auftrag, Vorhaben gewerblicher Unternehmen und sonstige Maßnahmen zur Verbesserung und Stärkung der Wirtschafts-, Verkehrs- und Umweltstruktur finanziell zu fördern. Im business-on.de-Interview sprachen wir mit Armin Reinke, Vorsitzender des Vorstands der SIKB, über Förderkredite für Start-ups, Finanzkrise und Finanzierungsfehler.

business-on.de: Die Finanzkrise ist in aller Munde, Banken mussten erheblichen Imageschaden davontragen. Stellt die SIKB auch einen Vertrauensverlust fest?

Armin Reinke: Einen Vertrauensverlust können wir nicht fest stellen. Hierfür gibt es auch keinen Anlass. Als Förderbank im Saarland ist es unsere wichtigste Aufgabe, gemeinsam mit Banken und Sparkassen und mit Unterstützung des Saarlandes die Finanzierung der saarländischen Unternehmen nachhaltig sicher zu stellen.

Gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise werden daher unsere Finanzierungsinstrumente stark nachgefragt, was insbesondere auch unsere guten Bewilligungszahlen in den vergangenen beiden Jahren zeigen.

business-on.de: Als regionale Förderbank unterstützen Sie viele Existenzgründer im Saarland. Welche Voraussetzungen muss ein Start-up mitbringen, um einen günstigen Förderkredit zu erhalten?


Armin Reinke: Wesentliche Beurteilungsgrundlage für eine Existenzgründungsfinanzierung ist ein dem Vorhaben angemessener Business-Plan mit einer Beschreibung der Geschäftsidee, Angaben zu Person und Qualifikation des Gründers und erläuterten Rentabilitäts- und Liquiditätsplanrechnungen.

Ist der Plan schlüssig und kann daher erwartet werden, dass der Gründer bei plangemäßem Geschäftsverlauf in der Lage sein wird, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und seinen Verpflichtungen nachzukommen, steht einer Finanzierung grundsätzlich nichts mehr im Wege.

business-on.de: Welches sind die häufigsten Fehler, die Neugründer bei der Finanzierung immer wieder machen?


Armin Reinke: Finanzierungsmängel sind lt. einschlägigen Statistiken von Kammern und Wirtschaftsforschungsinstituten nach wie vor die Krisenursache Nummer eins in jungen Unternehmen. Von Anfang an ein zu geringer finanzieller Spielraum einerseits bzw. den speziellen Bedürfnissen von Gründern und Jungunternehmern nicht gerecht werdende Kreditbedingungen führen dabei häufig zu Existenz bedrohenden Engpässen.

Hier können gründerfreundliche Förderprogramme mit zins - und tilgungsfreien Anlaufjahren und Besicherungserleichterungen, wie z. B. das von uns direkt ausgegebene Startkapitalprogramm des Saarlandes, traditionell Abhilfe schaffen. Auch eine fundierte Finanzierungsberatung vor Gründung, wie sie die SIKB in ihrem Existenzgründer-Beratungscenter seit Jahren erfolgreich anbietet,  leistet wertvolle Unterstützung.

business-on.de: Nicht nur für Gründer, sondern auch für etablierte Unternehmen halten Sie eine Reihe von Förderprogrammen vor. Erhält der klassische Mittelstand denn überhaupt noch Förderkredite?

Armin Reinke: Für den klassischen Mittelstand steht ein breites Angebot an Förderkrediten zur Verfügung, die insbesondere bei innovativen oder aber umweltschonenden Vorhaben  mit sehr günstigen Zinsen für die Unternehmen ausgestattet sind. Darüber hinaus sind verschiedene Förderkredite mit einer teilweisen Haftungsfreistellung für die finanzierende Hausbank verbunden, so dass eine Finanzierung überhaupt erst ermöglicht wird. Die Nachfrage nach diesen Förderkrediten ist unverändert hoch.

Ich denke, unsere Neubewilligungen von insgesamt rd. 283 Mio. € im vergangenen Jahr, davon alleine rd. € 106 Mio. aus unserem sehr zinsgünstigen saarländischen Förderprogramm „Gründungs- und Wachstumsfinanzierung“ an kleine und mittlere Unternehmen, sprechen für sich.   

business-on.de: Ist es für Unternehmer in Zeiten niedriger Zinsen überhaupt interessant Förderkredite  in Anspruch zu nehmen?

Armin Reinke: Selbst bei generell niedrigem Zinsniveau macht es Sinn, sich vor jeder unternehmerischen Finanzierung die Förderprogramme anzuschauen. Erfahrungsgemäß bewegen sich die Zinssätze grundsätzlich immer unter dem Kapitalmarktniveau.

Darüber hinaus bedeutet Förderung weitaus mehr als günstige Zinsen: Kredite mit Haftungsfreistellungen, stille Beteiligungen und Nachrangdarlehen mit Eigenkapitalcharakter, Besicherungserleichterungen durch Bürgschaftsprogramme etc., die vielfach Finanzierungen durch Risikoentlastung bei der Hausbank erst ermöglichen.

(FN)


 


 

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