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bigFM-Saarland Chef Knut Meierfels:

Saarland spielt in der Radiolandschaft eine Sonderrolle

Knut Meierfels ist Geschäftsführer des regionalen Radiosenders bigFM Saarland. Dem einzigen rein privaten Radiosender, der flächendeckend im Saarland empfangen werden kann. Im Exklusiv-Interview mit business-on.de spricht Meierfels unter anderem über die öffentlich-rechtliche Konkurrenz und die Vorteile eines privaten Radiosenders. Außerdem verrät der gebürtigen Baden-Württemberger, was ihm am Saarland so gut gefällt.

business-on.de: Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag bei bigFM Saarland erinnern?

Knut Meierfels, bigFM Saarland: Ja klar. Der erste Arbeitstag hier war eigentlich so, wie man sich einen ersten Tag immer vorstellt: Alles neu, alles anders und alles erstmal riesengroß, denn bigFM hat seinen Sitz im Saarland im Medienhaus der Saarbrücker Zeitung. Aber bigFM selbst war damals noch recht überschaubar. Durch die bereits eingeleitete Umstrukturierung hatten wir damals, 2008, gerade einmal 1,5 Mitarbeiter - heute sind es knapp zehn. Auch unser Studio war zu dieser Zeit noch nicht wirklich geordnet – weder von der Darstellung nach außen wie auch intern. Mittlerweile ist alles sehr professionell in drei Bereiche gegliedert: Programm, Event und das große Thema Internet.

business-on.de: Bei der letzten Hörerbefragung haben Sie 40 % Hörer hinzugewonnen. Glückwunsch! Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Knut Meierfels, bigFM Saarland: Ich glaube, es ist die Kontinuität, ein hohes Maß an Professionalität und nach wie vor viel Spaß am gemeinsamen Schaffen. Das alles hat dieses kleine Team zusammen geschweißt und letztendlich zum Erfolg geführt.

Dazu kommt das Ungewöhnliche und Innovative. Wir können heute noch an unserem schönen großen Holztisch Dinge besprechen, die direkt am nächsten Tag in allen Medien umgesetzt werden. Ich denke, diese Mischung macht es aus. Einerseits zu sagen, wir sind gut in dem, was wir tun und andererseits immer wieder neue Dinge anzugehen, die ungewöhnlich sind. Wie etwa ein 24-Stundenlauf quer durchs Saarland, eine Slackline über die Saar, das einzige Public Viewing zur WM in Saarbrücken oder das alljährliche Neujahrsschwimmen m Itzenplitzer Weiher.

Alles Dinge, die mittlerweile fest im Kalender des Landes etabliert sind und uns als Region ein Stückchen attraktiver machen.

business-on.de: Wie wichtig ist die Präsenz vor Ort für einen Radiosender. Zum Beispiel durch die angesprochenen Events?

Knut Meierfels, bigFM Saarland: Die Präsenz vor Ort ist sehr wichtig, denn sie zeigt dass wir physisch präsent sind und uns einsetzen für unser Land. Wir müssen und wollen einfach ein paar Highlights pro Jahr setzen. So startet jetzt bald wieder „Farbgefühle“ (16. August, Bürgerpark SB – Anm. der Red.), ein indisches Musikfestival, bei dem 5.000 junge Menschen Farbbeutel in die Luft werfen und stundenlang zu aktueller Musik tanzen. Spaß haben, aktiv sein und Attraktivität schaffen, darum gehts.

business-on.de: bigFM nutzt ja auch ein Mantelprogramm. Wie ist das Verhältnis von Produktionen aus dem Mantel und eigenen Sendungen?

Knut Meierfels, bigFM Saarland: Mittlerweile sind wir soweit, dass wir acht bis neun Stunden täglich live aus unserem Studio in Saarbrücken senden. Ähnlich wie die ARD-Sender schalten wir erst Abends um zu den anderen Sendern der bigFM-Familie. Regionale Informationen wie Wetter, Verkehr und Nachrichten, die wir übrigens komplett selbst produzieren, kommen dagegen täglich von 6.30 Uhr bis 21.30 Uhr aus dem Saarbrücker Studio.

Wir übernehmen nur Sendeinhalte, die neutral sprich überregional interessant sein könnten und die Musik, die ja in allen fünf bigFM-Bundesländern gleich ist. Zum anderen produzieren wir meist am Wochenende in Saarbrückern sogar eigene Sendeformate für alle anderen Bundesländer. Mit dieser Struktur sind wir ein Fenster nach außen und gliedern fast spielerisch das Saarland ganz automatisch in das Tagesgeschehen der anderen Länder ein.

Auch das unterscheidet uns von allen anderen saarländischen Radiosendern denn sie senden vor allem für das eigene Land – und das endet nunmal an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Diese Mischung aus regionalen Inhalten und einem immer geöffneten Fenster nach außen, sprich über den eigenen Tellerrand hinaus, macht ebenfalls einen Teil unseres großen Erfolges aus.

SR ist ein Tanker, wir sind Schnellboote

business-on.de: Bei den Popwellen hat die private Konkurrenz schon seit Jahren die Nase vorn. SR1 Europawelle verliert schon seit Jahren kontinuierlich an Hörern. Bei der letzten Hörerbefragung wurde der Vorsprung noch weiter ausgebaut. Radio Salü hat fast doppelt so viele Hörer (Durchschnittsstunde) als SR1. Wie erklären Sie sich das?

Knut Meierfels, bigFM Saarland: Ich glaube, dass das größtenteils am Saarländischen Rundfunk selbst liegt. Das ist nun mal ein großer Tanker. Und so ein großes Schiff braucht einfach eine Weile, um einem Eisberg auszuweichen.

Das ist für uns ein Vorteil. Wir sind die Schnellboote, die auf jede Welle reagieren können und gleichzeitig dem Tanker zusehen wie er strikt seinen Kurs hält. Wir haben in der gleichen Zeit aber den Eisberg schon drei mal umrundet. Das ist sicher eine der Erfahrungen, die ich während meiner eigenen fast 13 jährigen öffentlich-rechtlichen Tätigkeit aber auch während meines Engagements bei bigFM gemacht habe.

Ein privater regionaler Sender hat heute zwar weniger Geld zur Verfügung aber durch die Unabhängigkeit und durch den eigenen Erfolgsdruck auch ein Vielfaches an Möglichkeiten. Eine Folge davon ist aber auch, dass die öffentlich-rechtlichen Popsender den privaten teilweise immer ähnlicher und ihre eigentlichen Aufgaben beispielsweise in den Bereichen Kultur oder Information immer mehr zum Nischenangebot werden. Diese quoten- und damit erfolgsorientierten Popwellen wie „SR 1“ oder auch „Unser Ding“ im Saarland nutzen entsprechend die gleichen Musikformate und bedienen sich derselben Spielmechanismen im Radio wie die Privatsender. Eine Unterscheidung und damit ein Alleinstellungsmerkmal wird so natürlich deutlich schwieriger.

Das war früher ganz anders: Information, Seriosität, Wahrhaftigkeit – das stand für öffentlich-rechtlich und RTL-Niveau war privat. Heute werden zwei mal im Jahr zu den bekannten Abfragezeiten der MA flächendeckend viele bunte Plakate mit möglichst witzigen Slogans und teuren Spielchen von den privaten und öffentlich-rechtlichen Radiosendern in der ganzen Republik verteilt. Im September 2014 ist es übrigens wieder so weit ... allerdings ohne bigFM. Ich halte davon nichts. Wir sind schließlich keine Plakatfirma sondern ein Radiosender.

Saarland spielt eine Sonderrolle

business-on.de: Der SR ist ja auch bei Radio Salü beteiligt. Die Medien leben also in friedlicher Koexistenz und stehen nicht so unter Konkurrenz-Druck. bigFM ist unabhängig. Wie sehen Sie Ihre Rolle in der saarländischen Medienlandschaft?

Knut Meierfels, bigFM Saarland: Wir spielen im Saarland in mehrerer Hinsicht eine Sonderrolle. bigFM ist genau genommen der einzige rein private saarländische Sender, der – zumindest größtenteils – flächendeckend empfangbar ist.

An Radio Salü, als stärkster saarländischer Sender, ist beispielweise der Saarländische Rundfunk mit einem nicht unerheblichen Anteil beteiligt. Auch die Sparkassen und über einen der Gesellschafter sogar die saarländische Landesregierung selbst halten Anteile. Diese enge Verflechtung führt natürlich dazu, dass so kaum eine Streitkultur entstehen kann.

Alle arbeiten irgendwie zusammen und sind gegenseitig voneinander abhängig. Durch diese dadurch entstehende Konsensgesellschaft haben es neue Anbieter mit ungewöhnlichen Ideen und Konzepten natürlich schwer. Die einzigen, die hier landesweit tatsächlich herausfallen, sind die Saarbrücker Zeitung und bigFM Saarland als Radiosender. Aber das ist denke ich im Sinne der Pressefreiheit von den Vätern der Verfassung auch genau so gewollt.

Ebenfalls eine Besonderheit ist die Positionierung unseres Senders in der jungen Zielgruppe. Das Durchschnittsalter unserer Hörer liegt bei knapp 30 Jahren. Lediglich der öffentlich-rechtliche Sender „Unser Ding“ richtet sich als werbefreier „Schülersender“ (Durchschnittsalter der Hörer laut letzter MA Radio I 2014: 31,7 Jahre – Anm. der Red.) ebenfalls an die junge Generation. Bedenkt man allerdings dass letzterer werbefrei ist, entsprechend nicht von saarländischen Unternehmen gebucht werden kann und sich praktisch alle anderen Medien im Saarland an ein Publikum das älter als 35 Jahre ist, wenden, hat bigFM entsprechend noch eine Sonderrolle im Saarland.

Damit wird auch klar, dass die ca. 270.000 jungen Menschen zwischen 10 und 35 Jahren mit saarländischen Medienangeboten deutlich unterversorgt sind. Wenn man dann bedenkt, dass wir in den kommenden 2-3 Jahrzehnten genau diese Zielgruppe zu 50% (!) verlieren werden, steigt die Bedeutung all derjenigen die genau dort aktiv sind – denn wir alle können junge Menschen nur von den Vorteilen dieses wunderbaren kleinen Landes mit dem großen Herzen überzeugen, wenn wir sie auch erreichen können!


 


 

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