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Bildungssystem

Schulen lehren am Bedarf der Unternehmen vorbei

"Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!" Mit diesem provokanten Satz beginnt das neue Ratgeber-Buch ‚Die Bildungslücke’. "Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen", sagt Co-Herausgeber Thilo Baum. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.

"Ausbildungsstätten vermitteln Fachwissen. Das bestreitet niemand", sagt Baum. "Das Know-How, das allerdings nötig ist, dieses Fachwissen auch tatsächlich und erfolgreich in der Arbeitswelt anzuwenden, das fehlt." Untersuchungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) belegen diese Ergebnisse. Nur neun Prozent von insgesamt 14.000 Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. "Wir kennen keinen Arbeitgeber, der über heutige Schulabgänger in Begeisterungsstürme ausbricht." Der Mangel der Schulabgänger liegt bei den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit auf.

Diktatur der Theoretiker

Aber auch bei den Hard Skills unterrichtet die Schule laut Baum am Leben vorbei - und stattdessen unterhalte sich die Bildungsszene vor allem über formale Nebenaspekte. Baum: "Aber solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht versäumt oder im Stuhlkreis." Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der "Diktatur der Theoretiker". "Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant", kritisiert Baum. "Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht." Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.

Schule führt am Ziel vorbei

"Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis", so Baum. "Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?" Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt. "Niemand, den wir fragen, ist heute beruflich in einem Bereich tätig, den er oder sie früher als Schüler nicht mochte und widerwillig pauken musste." Was also lag näher, als "Die Bildungslücke" als Buch zu machen? "Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene." Also haben er und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie "Die Bildungslücke" mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln und auch Führung sowie Geld.

Thilo Baum kann man live an der Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation (DAMK) erleben, und zwar am 15. und 16. Juni 2012 beim Seminar Social Media: Texten – nicht nur fürs Netz

(pressetext.com)


 


 

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1 Kommentar

von iOn
15.04.12 16:28 Uhr
Naja...

Selbst Schüler,
und natürlich reg Ich mich auch über das ein oder andere Fach auf... aber mal ehrlich: Zur Schule gehen, heisst nicht sich auf das Arbeitsleben vorzubereiten sie verwechseln da etwas ... es heisst Dinge kennenlernen mit denen man sonst nur wenig in kontakt kommt, die aber nicht weniger wichtig für unsere Gesellschaft sind, einen überblick haben und nicht zum fachidioten verkommen!
Desweiteren Herr Baum: Sie versuchen die wie sie so schön platt populistisch sagen:"die diktatur der Theoretiker" damit zu belegen dass sich a) Keiner darüber beschwert dass den schülern wissen fehlt (daraus könnte man schliessen dass es ein gutes Bildungssystem ist ... flachpfeife)
und b) dass den schülern : Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen fehlen. Dass ist aber nicht und war nie Aufgabe der Schule, dass sind Fähigkeiten die im umgang miteinander gelernt werden Leistungsbereitschaf(oder auch Belastbarkeit) hat etwas mit fairness zutun ein Wert dr heute in der GESAMTEN gesellschaft mehr oder wenniger verschwindet, Interesse ist etwas das geschaffen werden muss aber zuerst gefunden werden muss, die ablenkungen sind nur zu groß um ein echtes interesse zu benötigen, Umgangsformen verschwinden durch die verwendung von smartphones und multi media immer weiter.
Das ist und war nie aufgabe der schule sollte es auch nicht sein!

 

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