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China-Experte warnt

Diskussion um Armutszuwanderung schadet der deutschen Wirtschaft

Derzeit wird das Thema Armutszuwanderung hitzig in Politik und Medien diskutiert. Auch ausländische Medien berichten über die Angst der Deutschen vor Sozialleistungsbetrug durch Immigranten. Dadurch wirkt Deutschland allerdings nicht nur auf ungebildete Zuwanderer, sondern auch auf die dringend benötigten Fach- und Führungskräfte abschreckend. Ein großer Schaden für die Willkommenskultur und somit auch für die gesamtdeutsche Wirtschaft könnte entstehen, warnt Personal- und China-Experte Tobias Busch im Gespräch mit business-on.de.

„Wer betrügt, der fliegt“ - so lautet das Kampagnen-Motto, mit dem die CSU derzeit gegen Armutsmigration wettert. Ein Motto, das viel Zündstoff für Diskussionen bietet. Hintergrund der Debatte ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die, nach Ablauf einer siebenjährigen Frist, nun auch für Bulgarien und Rumänien gilt (beide 2007 der EU beigetreten).

Die Freizügigkeit bedeutet einfach gesagt, dass jeder EU-Bürger frei entscheiden kann, in welchem Land der EU er leben und arbeiten möchte. Von dieser Freizügigkeit machen derzeit allerdings nur etwa 3 Prozent aller EU-Bürger Gebrauch. Dies hat Welt-Redakteur Thomas Straubhaar für seinen aktuellen Artikel auf welt.de (http://www.welt.de/wirtschaft/article123843369/Die-realitaetsferne-Angst-vor-Armutszuwanderung.html) recherchiert.

Die große Mehrheit der EU-Bürger bleibt also im Heimatland und erschleicht sich ganz sicher keine Sozialleistungen in den Nachbarländern. Alleine schon deswegen können die Warnmeldungen vor der großen Welle an Armutszuwanderung und die Immigration von immer mehr Sozialschmarotzern in Deutschland als rein populistische Panikmache bezeichnet werden.

„Deutschland gilt nicht als gastfreundlich“

Eine Panikmache, die Deutschlands Wirtschaft großen Schaden zufügen kann. Nicht durch eine massiv ansteigende Zahl an Sozialleistungsempfängern, die nicht arbeiten wollen. Sondern durch eine sinkende Anzahl an Zuwanderern, die die deutsche Wirtschaft mit ihrem Know-how unterstützen und den Fachkräftemangel dadurch entschärfen könnten.

Dies bestätigt auch Personal- und China-Experte Tobias Busch, der sich mit seiner Personalberatung Personalglobal auf die Zuwanderung von chinesischen Fach- und Führungskräften spezialisiert hat.

„Der Schaden solcher populistischen Attacken - wie der des Herrn Seehofer - ist in Deutschland einfach größer als in anderen Ländern, wo es sie natürlich auch gibt.“, so Busch. „Deutschland gilt im Ausland nicht als gastfreundlich. Unser Ruf ist deutlich schlechter als die tatsächliche Situation.“

Gerade deshalb, befürchtet Busch, führen solche Schlagzeilen in ausländischen Medien wirklich zu Schäden: „Menschen, die die Wahl haben, gehen dann im Zweifel eher woanders hin. Die mit Wahlmöglichkeit sind aber gerade diejenigen, die wir als Fachkräfte gerne hätten.“

Qualitative Zuwanderung leidet

So verliert Deutschland seit Jahren viele der sogenannten High Potentials. Mit Blick auf die Personalfragen der Zukunft und die Folgen des demografischen Wandel trägt das direkt bei zum Fachkräftemangel, der immer stärker von deutschen Unternehmen aller Branchen beklagt wird.

Grundsätzlich ist ein Großteil der Zuwanderer - also der 3 Prozent der EU-Bürger, die von der Freizügigkeit Gebrauch machen - übrigens sehr gut gebildet. Wenn man sich nun die derzeit besonders stark in der Diskussion stehenden Bulgaren und Rumänen betrachtet, so bestätigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass jeder vierte bulgarische oder rumänische Einwanderer über einen Hochschulabschluss verfügt.

Man sollte die Freizügigkeit und die Zuwanderung ausländischer Bürger also als Chance und nicht als Gefahr betrachten. „Wir sollten uns öffnen, denn die Globalisierung findet ohnehin statt.“, sagt Busch. „So können wir ihre guten Seiten besser nutzen und die schlechten in ihrer Wirkung reduzieren.“

Den ausländischen Medien und allen Zuwanderern möchte man daher gerne zurufen, dass Deutschland gar nicht so schlimm ist. „Von vielen Hundert Chinesen, mit denen ich über ihre langjährigen Erfahrungen in Deutschland gesprochen habe“, sagt Busch. „hat mir nie einer von wirklich ausländerfeindlichen Erlebnissen berichtet.“

Alleine schon der Einsatzwille und die Begeisterungsfähigkeit vieler Immigranten, die als junge Erwachsene hierherkommen, sei eine Bereicherung für unsere Gesellschaft, so Busch. „Das weiß jeder, der es mal erlebt hat.“

Anstelle von Armutsmigration sollte man sich eher des Problems der fehlenden Willkommenskultur in Deutschland annehmen und sinnvolle Lösungen erarbeiten. Um künftig ausländische Fach- und Führungskräfte anwerben zu können – nicht um sie zu abzuschrecken.

(Redaktion)


 


 

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