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Chinesen in Deutschland

Für Deutsche ist es unmöglich die Nationalität bei einer Beförderung unberücksichtigt zu lassen

Nanhui Qi ist einer von 80.000 in Deutschland lebenden Chinesen. Der Verfahrensingenieur ist ein Glasfachmann und arbeitet in der Solarbranche. Im business-on.de-Interview berichtet der 35-Jährige über seine Erfahrungen. Das Gespräch gibt einen authentischen Eindruck davon, wie hochqualifizierte ausländische Fachkräfte Deutschland erleben.

business-on.de: Herr Qi, als Sie vor elf Jahren nach Deutschland gekommen sind, haben Sie da eine Art „Kulturschock“ erlebt?

Nanhui Qi: Nein das habe ich persönlich nicht. Ich hatte bereits etwas Wissen über Deutschland gesammelt bevor ich hierher kam.

Mein Vater hat Deutschland bereits zweimal als „visiting scholar“ besucht und mir einige Grundkenntnisse über Land und Leute vermittelt. Daher war der größte Schock für mich, dass es eigentlich gar keinen Schock gab.

business-on.de: Ihr Eindruck von den Deutschen?

Nanhui Qi: Die Deutschen sind sehr diszipliniert. Regeln, Gesetze und Konventionen sind ihnen sehr wichtig. Das sieht man in allen Ebenen ihres Lebens und Arbeitens.

So entsteht ein riesiger Kontrast zwischen dem normalen Benehmen von Deutschen und der Art und Weise wie sie sich an Festen wie beispielsweise Karneval verhalten. Auf Knopfdruck fallen plötzlich alle Konventionen.

business-on.de: Fühlen Sie sich den Deutschen mittlerweile sehr ähnlich?

Nanhui Qi: Nein, das tue ich nicht. Ich habe auch nicht die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, obwohl mir diese Möglichkeit offen stand. Die meisten Ausländer in Deutschland, die ich kenne fühlen sich nicht heimisch. Ausnahme sind natürlich diejenigen, die in der zweiten Generation in Deutschland sind und hier geboren wurden.

Ich will nicht sagen, dass Deutsche Ausländer nicht mögen oder ausgrenzen. Es liegt eher an der deutschen Kultur selbst, die in sich recht verschlossen ist und in die man sich schwer integrieren kann.

Franzosen zum Beispiel machen auf Ausländer den Eindruck von romantischen Menschen, Spanier den von impulsiven und lebensfrohen Menschen. Mit Italienern verbinden wir Kreativität. Deutsche erscheinen uns gewissenhaft und organisiert. Die deutsche Mentalität ist also im Vergleich weniger anziehend.

"Es ist schwierig, eine enge Beziehung zu Deutschen aufzubauen"

business-on.de: Als Sie neu in Deutschland waren, hatten Sie gleich den Eindruck, dass es schwierig ist, sich in diese Gesellschaft zu integrieren?

Nanhui Qi: Als ich neu hier angekommen war habe ich mich sehr gut gefühlt. Umwelt, Sozialsystem, Lebensqualität und vieles mehr ist hier viel besser als in weiten Teilen Chinas. Die meisten Deutschen haben eine gute Ausbildung genossen und sind freundlich zu Ausländern.

Zu Beginn hatte ich nur oberflächlichen Kontakt und hatte einen sehr guten Eindruck. Allerdings, je länger ich blieb, desto mehr habe ich festgestellt, dass es schwierig ist, eine enge Beziehung zu Deutschen aufzubauen.

Ein Grund könnte sein, dass Deutsche an sich relativ kleine Freundeskreise haben. Selbst für Deutsche ist es nicht einfach, enge Kontakte aufzubauen.

business-on.de: Haben Sie in Ihrem Freundeskreis Personen, die hier sehr gut sozialisiert sind und viele deutsche Freunde haben oder an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen?

Nanhui Qi: Meiner Erfahrung nach sind die Menschen, die gut in die deutsche Gesellschaft integriert sind, meist welche, die aus irgendwelchen Gründen etwas gegen China haben.

Für diese Leute ist es entsprechend einfacher, sich in eine andere Gesellschaft und Kultur einzufügen.


 


 

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