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Chinesen in Deutschland

Lin Müller ist erfolgreich als Geschäftsfrau und Mutter

Kulturelle Unterschiede

Wei Fischer, Personalglobal: Ihr Mann ist Deutscher, Sie sind Chinesin. Was ist der größte kulturelle Unterschied zwischen Ihnen und Ihrem Mann?

Lin Müller: Ich würde sagen, unsere Art zu denken. Obwohl mein Mann 1 ½ Jahre in China gearbeitet hat, sehr vertraut ist mit der chinesischen Kultur und immer offen ist, neue Kulturen kennenzulernen, sind unsere Denkweisen an manchen Stellen doch sehr verschieden.

Ich glaube, dass ich mittlerweile eine ziemlich deutsche Denkweise habe, aber manchmal ist es einfach nicht nötig, nach Perfektionismus zu streben.

Im Gegensatz zu den Deutschen sind Chinesen sehr pragmatisch veranlagt. Schnell finden sie eine kurzfristige Lösung für ein spezielles Problem. Deutsche hingegen versuchen meistens, eine endgültige und generelle Lösung zu finden, deshalb dauert es häufig etwas länger.

Wei Fischer, Personalglobal: Hatten Sie in Deutschland jemals Schwierigkeiten, sich anzupassen?

Lin Müller: Nicht wirklich. Als ich nach Deutschland kam, war ich sehr entschlossen, mich an die deutsche Kultur anzupassen und meine Karriere zu verfolgen. Ich war von Beginn an sehr offen für die Kultur, sodass ich diesbezüglich keine negativen Erfahrungen gemacht habe; denn wie man in den Wald ruft, so schallt es auch zurück.

Ich habe selten daran gedacht, wie es in meiner Kultur wäre; im Gegenteil, ich habe immer versucht, die deutsche Kultur zu verstehen.

Wei Fischer, Personalglobal: Ab welchem Zeitpunkt haben Sie angefangen, zu denken, dass Sie ohne Probleme in Deutschland zurechtkommen?

Lin Müller: Nach zwei Jahren. Bevor ich gekommen bin, musste ich mir Geld zusammensparen, um meinen Aufenthalt zu finanzieren. Ich wollte meine Eltern nicht nach dem Geld fragen, da sie nicht so viel verdienten, um mich in dieser Hinsicht zu unterstützen.

Mein erstes halbes Jahr in Deutschland war sehr schwer, weil ich keinen Studentenjob finden konnte. Zu diesem Zeitpunkt war es ausländischen Studenten gesetzlich nicht erlaubt, mehr als 90 Tage im Jahr zu arbeiten, sodass ich in diesen 90 Tagen so viel Geld wie möglich verdienen musste, um meinen Unterhalt für den Rest des Jahres zu sichern.

Es war beängstigend, zu sehen wie der Betrag auf meinem Konto immer kleiner wurde. Zuerst habe ich erfolglos versucht, in chinesischen Restaurants zu arbeiten.

Drei Monate später habe ich es mit Hilfe des Dekans meiner Universität geschafft, ein Unternehmen zu finden, in dem ich als normale Werkstudentin arbeiten konnte. Zwei Jahre später wurde mir die Möglichkeit geboten, ein Praktikum in diesem Unternehmen zu machen, da meine Vorgesetzten einen sehr guten Eindruck von mir hatten. Ich verdiente 1.400 € im Monat.

Zum selben Zeitpunkt führte die Universität ein Stipendium für ausländische Studenten mit sehr guten Noten ein, sodass ich zusätzlich 700 € bekam. Ich war wirklich sehr glücklich, dass mein Lebensunterhalt schließlich gesichert war und ich sogar noch Geld hatte, mir einmal im Jahr ein Flugticket in meine Heimat zu kaufen.

Wei Fischer, Personalglobal: Es ist nicht einfach als Ausländer Karriere in Deutschland zu machen. Wie war Ihre Erfahrung?

Lin Müller: Das Gute an Deutschland ist, dass die Entwicklung einer Karriere von Kompetenz und nicht von sozialen Kontakten und „Vitamin B“ abhängt.

Abgesehen davon, dass ich eine Ausländerin bin, arbeite ich in einer Branche, in der die Kollegen überwiegend männlich sind. Aus diesem Grund musste ich mehr leisten und Kraft aufwenden als manch anderer. Besonders im ersten halben Jahr in der neuen Position habe ich sehr hart gearbeitet, um von meinen Kollegen akzeptiert zu werden.

Als sie jedoch erkannt haben, dass meine Leistung wesentlich besser ist als die vieler anderer, haben sie mich nicht nur als ihre Kollegin akzeptiert, sondern auch als Führungsperson eines reinen Männerteams respektiert.

Wei Fischer, Personalglobal: Sie sind eine Frau mit viel Courage. Woher kommt diese Stärke?

Lin Müller: So bin ich einfach. So haben meine Eltern es mir beigebracht. Auch in meinen schwersten Momenten habe ich mir gedacht: „Wenn jemand anderes das schaffen kann, kann ich das auch. Aber auch wenn niemand anderes es schaffen kann, kann ich es trotzdem.“

Ich erinnere mich daran, was meine Mutter einmal gesagt hat: „Wenn du noch nicht mal wagst, davon zu träumen, wirst du es erst recht nicht erreichen.“

(Das Interview führte Wei Fischer von Personalglobal; der Beitrag wurde bereits auf dem China-Blog von Tobias Busch veröffentlicht; der Name "Lin Müller" wurde von der Redaktion geändert)

(Redaktion)


 


 

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