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CQLT SaarGummi Deutschland GmbH

Warum die Angst vor China unbegründet ist

SaarGummi ist in chinesischer Hand. Vor knapp drei Jahren wurde der saarländische Automobilzulieferer von dem chinesischen Staatskonzern CQLT aus der Insolvenz heraus übernommen. Die Angst vor der Übernahme, vor Technologieklau und Standortschließung war im Frühsommer 2011 sehr groß. Warum sie unbegründet war und wie das Unternehmen heute da steht, erklären Geschäftsführer Dr. Markus Wittmann und China-Experte Tobias Busch im business-on.de-Gespräch.

Der Ausruf „Die Chinesen kommen!“ sorgt wie seinerseits bei den alten Römern „Hannibal ante portas“ oftmals für Angst und Schrecken unter Management und Belegschaft gleichermaßen. Die Angst der Deutschen um Arbeitsplätze, Patente und die Standortsicherheit ist bei einer Übernahme allgegenwärtig.

Das Vorurteil der „ Patent -Diebe“, die alles aufkaufen und die Fabriken hierzulande schließen, hält sich hartnäckig.

„Die Chinesen wirken auf die meisten Deutschen nun einmal sehr fremd und anders – und Unbekanntes macht den Menschen Angst.“, versucht China-Experte Tobias Busch die Angst vor China und die anhaltenden Vorurteile zu erklären. „Dabei gibt es für die normalen Mitarbeiter nach den bisherigen Erfahrungen wenig Anlass, sich Sorgen zu machen.“

Mittlerweile gibt es viele Beispiele, die belegen, dass sich chinesische Investoren überaus positiv auf die Entwicklung von deutschen Unternehmen auswirken können. So wurde etwa SaarGummi, einer der weltweit größten Automobilzulieferer für Dichtungen, 2011 von den chinesischen Investoren CQLT aus der Insolvenz heraus übernommen. Und heute steht das saarländische Unternehmen wieder um einiges besser da und ist auf dem Weg zurück nach ganz oben.

„In den nächsten 5 Jahren wollen wir unter die Top 3 der Dichtungshersteller kommen“, sagt Dr. Markus Wittmann im business-on.de-Gespräch. Der Geschäftsführer der CQLT SaarGummi Deutschland GmbH zeigt sich zuversichtlich, dieses gemeinsam mit den Investoren gesetzte Ziel auch zu erreichen.

Der Angst war groß

Die Angst vor der Übernahme war aber natürlich auch bei dem Automobilzulieferer mit Sitz im saarländischen Wadern anfangs sehr groß. Kurz vor der Übernahme demonstrierte man noch. Slogans wie „Patente geh´n ins Chinaland, Belegschaft geht aufs Arbeitsamt“ wurden hochgehalten.

„Im Rückblick haben sich diese Ängste nicht bewahrheitet – der Betriebsratschef meinte kürzlich sogar, dass die Übernahme durch CQLT das Beste war, was dem Unternehmen passieren konnte.“, erklärt Wittmann.

„Bei CQLT handelt es sich um einen strategischen Investor. Der Vorteil für SaarGummi: CQLT will kein Geld mit dem An- und Verkauf unseres Unternehmens machen, sondern mit dem Unternehmen an sich.“, so Wittmann. „Unser Investor will also, dass SaarGummi Dichtungen verkauft – genau wie wir das auch schon seit jeher wollen.“

Modernisierung statt Ausverkauf

CQLT hat deshalb vor allem in die Modernisierung der Anlagen des Unternehmens investiert. Veraltete Maschinen und Technik waren vor ein paar Jahren einer der Hauptgründe, warum es mit SaarGummi langsam bergab ging. Durch die Modernisierungsmaßnahmen stand genug Geld zur Verfügung, SaarGummi wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Die Investitionen flossen dabei größtenteils direkt nach Wadern-Büschfeld, in die deutsche SaarGummi-Zentrale. Über sogenannte TechCenter wird die in Deutschland entwickelte Technik und das Know-how dann in aller Welt eingesetzt und das Wissen weitergegeben. Die „Forschungszentrale“ selbst verbleibt aber in Deutschland.

Markterschließung in China

Dank des chinesischen Investors sind auch China und der gesamte asiatische Markt mit seiner Vielzahl an Automarken näher gerückt.

„Ein chinesischer Mutterkonzern kann seiner neuerworbenen Tochter im Chinageschäft vertrieblich manche Türen öffnen.“, so Busch. „Das ersetzt zwar keine gute Arbeit, aber es kann vieles erleichtern und beschleunigen. Funktionieren tut das aber in der Regel nur, wenn die Unternehmensleitung mit dem neuen chinesischen Eigentümer wirklich harmoniert.“

Die Beziehungen zwischen Chinesen und den deutschen Managern harmonieren aber nicht immer – es gibt sehr viele Unterschiede in der Geschäftskultur zu beachten. Um nicht gleich beim ersten Gespräch mit potentiellen Geschäftspartnern ins Fettnäpfchen zu treten, sollte man sich vorher ausführlich über die Gepflogenheiten der Kultur informieren.

So sollte man bei der Begrüßung etwa nicht direkt auf den chinesischen Partner zugehen und ihm die Hand schütteln, warnt Wittmann. In China verbeugt man sich nur leicht – gänzlich berührungslos. Ebenfalls sehr verpönt ist es, wenn man im Gespräch laut wird. Chinesen mögen das gar nicht und empfinden ein solches Verhalten als unhöflich – auch wenn sie es vielleicht nicht gleich sagen.

Sinodirektoren verstehen beide Kulturen

„Ich kann nur jedem Unternehmen mit chinesischen Anteilseignern raten, sich sehr frühzeitig mit fachlich guten Sinodirektoren zu verstärken. Es gibt in Deutschland erstklassige chinesische Manager, die hier studiert und erfolgreich gearbeitet haben.“, sagt Busch.

„Kulturell haben sie ein Verständnis für beide Seiten und sind in einer Übernahmesituation Gold wert, weil sie entstehende Konflikte frühzeitig erkennen können und den Lernprozess auf beiden Seiten enorm verstärken.“

Des Weiteren solle man laut Busch auch die Unerfahrenheit auf der chinesischen Seite nicht unterschätzen. Denn für die allermeisten Chinesen ist eine Übernahme in Deutschland ebenfalls „komplettes Neuland“!

Eine Übernahme durch chinesische Investoren kann also durchaus neue Chancen für ein Unternehmen mit sich bringen. Deshalb wünscht sich SaarGummi-Geschäftsführer Wittmann auch, dass die Medien nicht nur Negativbeispiele ausschlachten:

„Man sollte weniger die Angst vor Übernahmen schüren, sondern endlich damit beginnen, auch die positiven Aspekte in den Vordergrund zu stellen: SaarGummi ist ein gutes Beispiel dafür, wie gut sich ein chinesischer Investor auf den Unternehmenserfolg auswirken kann.“

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Fragensteller
12.12.13 12:59 Uhr
Richtigstellung

Ich lese ihren Artikel und bin sehr begeistert - von der Einfachheit mit welcher Sie Ihre Schlüsse ziehen. Haben Sie sich schon einmal gefragt welche Ziele CQLT verfolgt? Den Erhalt eines deutschen Standortes unter den Bedingungen unseres Arbeitsrechtes --- für Chinesen uninteressant. Was denken Sie wieviel der Investitionen fließen nach Deutschland und wieviele nach China? Daraus könnten Sie auch absehen wieviele neue Arbeitsplätze die Chinesen in Europa schaffen wollen ---- gar keine. Die Mitarbeiterzahl sinkt... Die Mitarbeiter müssen aktiv nach China reisen um den dortigen neuen "Freunden" ihre Prozesse zu erklären und das bestimmt nicht gerne. Die Differenz der Lohnkosten zwischen Deutschland und China werden auf Dauer alle Tätigkeiten nach China verlagert.

 

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